Tipps und Tricks: Gebrauchtwagen kaufen – Teil 2/6

Im ersten Teil dieser Blogreihe hatte ich ja bereits darauf hingewiesen, dass man nicht die Augen verlieren, sich nicht unter Druck setzen und vor allem nicht blenden lassen soll. Das liest sich einfach, doch in der Realität gestaltet sich so ein Gebrauchtwagenkauf oft ganz anders.

In den kommenden fünf Teilen gehen wir nun mal Schritt für Schritt vor und wagen uns langsam von der Karosserie, dem ersten Blick bis hin zur Technik. Den Anfang machen wir mit den Angaben in der Verkaufsanzeige und was diese eigentlich bedeuten „können“.

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Anzeigen in der Tageszeitung kosten Geld, je mehr Platz man in Anspruch nimmt, desto teurer werden die Anzeigen, aus dem Grund kürzen die Verkäufer gerne einige Begrifflichkeiten ab. Teilweise brauchen selbst Experten eine Weile um sämtliche Ausstattungsmerkmale herauszufinden. Einige Abkürzungen möchte ich euch nun einfach mal vorstellen:

1a: Hier spricht der Verkäufer von einem Top-Zustand, das Fahrzeug muss dann allerding auch wirklich gut auf den Rädern stehen, wenn er sich zu so einer Äußerung verleiten lässt. Geschickte Käufer gehen gerade bei solchen Fahrzeugen auf die „Mängelsuche“ um den 1a-Preis dann auch zu drücken.

AWD/4WD: Hat ein Fahrzeug einen Allradantrieb kürzt man diesen mit AWD (All Wheel Drive) oder Four Wheel Drive ab, bei Mercedes-Modellen liest man auch häufig 4matic, bei Volkswagen 4motion und bei Audi natürlich quattro.

8f. ber.: Na? Es wird schon schwieriger, oder? Hinter dieser Abkürzung versteckt sich nur der Hinweis, dass dieses Fahrzeug achtfach bereift ist, meistens mit Sommer- und Winterreifen. Jedoch sollte man das trotzdem beim Kauf überprüfen!

AHK/AAHK: Eine AHK ist eine Anhängerkupplung, eine AAHK dementsprechend eine abnehmbare Anhängerkupplung. Da sollte man übrigens darauf achten ob auch sämtliche Teile (Schlüssel, Haken, etc.) vorhanden sind. Dieses kann man ggf. im Handbuch ganz gut kontrollieren.

ACC/ART: Früher gab es nur einen Tempomaten, heute gibt es die adaptive Cruise Control, die zusammen mit weiteren Sensoren automatisch den Abstand zum Vordermann halten kann. Bei Fahrzeugen von Volkswagen nennt man diese Technik ADR, bei Mercedes Distronic (gerne mit Distr. abgekürzt).

AFL: Englisch setzt sich durch, Adaptive Forward Lightning – nichts anderes als ein adaptives Kurvenlicht. Eine tolle Erfindung, die Scheinwerfer (ggf. auch die Nebelscheinwerfer) leuchten in die Kurve hinein und sorgen somit für eine bessere Ausleuchtung. Ist das System nicht adaptiv, spricht man von einem reinem Abbiegelicht (AL)

ATM: Hier sollte man vorsichtig sein, denn ATM bedeutet Austauschmotor. Da sollte man sich als Käufer natürlich die Frage stellen, warum das Fahrzeug einen neuen Motor bekommen hat.

ATG: Neben dem Motor kann man auch das Getriebe austauschen, ATG bedeutet Austauschgetriebe. Die Abkürzungen Powershift, SST, DSG, DKG, SST und S-tronic geben übrigens auch einen Hinweis auf das Getriebe. In dem Fall sind Doppelkupplungsgetriebe verbaut.

DR: Dachreiling! Da ist dann teilweise auch die Dachlast interessant, wer z.B. mal eine Dachbox montieren möchte, darf sich im Vorfeld schon informieren wie hoch die Dachlast des Wunschfahrzeuges ist.

EDS: Mit EDS meint man eine elektronische Differentialsperre, ein Bauteil welches ich in einem der kommenden Beiträge noch mal detailliert vorstellen werde. Leider verwenden einige auch ESD als Abkürzung für dieses Bauteil und das obwohl man früher damit das elektrische Schiebedach gemeint hat. Für die Schiebedächer gibt es auch noch die Abkürzungen GSHD, GSD, GHD, ESHD, KHD, HD, SKD, und ESSD! Beim Cabrio erkennt man übrigens an der Abkürzung eV oder elektr. wenn es sich um ein elektrisch betriebenes Verdeck handelt.

eSp.: Nein, damit ist nicht das ESP (also das elektronische Stabilitätsprogramm) sondern tatsächlich elektrisch verstellbare Außenspiegel.

EZ: Hinter dieser Abkürzung versteckt sich ein wichtiges Datum, es ist die Erstzulassung des Fahrzeuges. Dennoch sollte man auch mal in die Papiere schauen, wann das Fahrzeug gebaut wurde, denn oft standen Fahrzeuge auch mal gerne 1-2 Jahre auf der Halde.

FP: Festpreis! Der Verkäufer möchte nicht mehr handeln, doch welcher Verkäufer möchte das schon? Händler erkennt man auch daran, dass sie teilweise Hdl. mit in die Anzeigen schreiben.

GW: Das ist nicht die Abkürzung für einen Gebrauchtwagen, nein – damit möchte der Verkäufer darauf hinweisen, dass das Fahrzeug in einer Garage nächtigen durfte. Ein Garagenwagen ist öfters besser gepflegt, da die Karosserie nicht so vielen Umwelteinflüssen ausgesetzt wurde. GAWA ist auch eine Abkürzung, die für diese verkaufsfördernde Maßnahme eingesetzt wird.

Inz.: Hier kann man ein eigenes Fahrzeug in Zahlung geben, oft macht es vorher allerdings Sinn, sich über den Wert des eigenen Fahrzeuges zu informieren, denn der Gewinn der Händler liegt beim Einkauf.

Led.: Bedeutet in der Regel Lederausstattung, jetzt durch die neue Technik könnte das auch ein Hinweis auf LED-Scheinwerfer bzw. Rückleuchten sein. Vorsicht also bei Abkürzungen die mehrere Bedeutungen haben können.

LS: Früher meinte man damit Lautsprecher. Da dieses heute keinen mehr verwundern dürfte, dass ein Fahrzeug über ein Radio mit Lautsprechern verfügt, möchten die Verkäufer oft auf den Lichtsensor hinweisen. Dieser sitzt häufig in der Frontscheibe und misst die Helligkeit, ist es zu dunkel kann vollautomatisch das Licht eingeschaltet werden.

NP: Neupreis! Das ist der Preis, der irgendwann mal auf einer Rechnung stand. Ganz ehrlich? Der Neupreis interessiert den Käufer nicht, da ist der aktuelle Marktpreis bzw. der Wert des Fahrzeuges eher interessant genauso wie der Zustand.

Priv.: Der entscheidende Hinweis, dass der Verkäufer eine Privatperson ist oder wie schon im ersten Beitrag angesprochen gerne eine private Person wäre.

PDC: Parkdistanzkontrolle, also eine akustische und oft auch optische Einparkhilfe. Gerne auch in der Verbindung mit einer Rückfahrkamera.

RS: Auch für den Regen gibt es einen Sensor. Bei einsetzendem Regen sorgt dieser Regensensor dafür, dass die Scheibenwischer vollautomatisch eingeschaltet werden.

SR: Es gab mal Fahrzeuge mit einer SR – Ausstattung, bei anderen Autos meint man dann in der Regel die Sommerreifen!

TÜV: Nur das Wort TÜV lässt eigentlich darauf schließen, dass der Verkäufer TÜV neu macht. TÜV a.W. kann bedeuten, dass die Kosten auf den Käufer umgelegt werden sollen.

TZ: Tageszulassung! Diese sind häufiger günstiger zu haben, haben aber dann halt auch schon einen Besitzer mehr in den Papieren. Das ist für den Wertverlust nicht weiter tragisch und hat eher kosmetische Gründe.

uf. / unf.fr.: Jetzt wird es spannend, mit dieser Abkürzung möchte der Verkäufer darauf hinweisen, dass das Fahrzeug unfallfrei ist, sprich nicht in keinen Unfall verwickelt wurde.

VFW: Vorführwagen! Könnt ihr euch noch an die letzte Probefahrt mit einem Vorführwagen erinnern? Die Fahrzeuge werden echt oft gequält, dafür allerdings natürlich auch gut gepflegt, häufig gewaschen und entsprechend aufbereitet.

WDG, WSG, WS-Glas: Wärmedämmendes Glas (auch WD Glas genannt) – nicht zu verwechseln mit getönten Scheiben, die einen ganz ähnlichen Effekt haben können und gleichzeitig noch neugierige Blicke vermeiden.

Früher gab es noch Abkürzungen wie ABS (Antiblockiersystem), DZM (Drehzahlmesser), FH (Fensterheber), Kat (Katalysator), KS (Kopfstützen), LWR (Leuchtweitenregulierung) oder ZV (Zentralverriegelung), doch heute gehören diese Bauteile fast immer zur Serie.

Bitte beachtet, dass manche Abkürzungen für verschiedene Bedeutungen stehen können und trotz der sorgfältigen Prüfung gibt es immer wieder neue Wortkreationen. Diese Liste hier hat auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Einige der hier erläuterten Begriffe sind eingetragene Warenzeichen oder geschützte Wortmarken der jeweiligen Eigentümer. So gehört ESP zwar zum allgemeinen Sprachgebrach, allerdings ebenso zur Daimler AG.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns dann gemeinsam mal einen Gebrauchtwagen von außen an und suchen nach potenziellen Mängel-Quellen bzw. nach Gründen um den Preis zu drücken, denn wer möchte schon zu viel bezahlen? Darüber hinaus gebe ich euch Ratschläge, wie ihr überhaupt den Wert eines Gebrauchtwagens ermitteln könnt.

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