Tipps und Tricks: Gebrauchtwagen kaufen – Teil 3/6

In dem ersten Beitrag hatte ich ein paar grundlegende Dinge erklärt, im zweiten ging es um die Verkaufsanzeige und die typischen Abkürzungen. Nehmen wir nun also an, ihr habt euren Gebrauchtwagen im Netz oder in der Zeitung gefunden. Anschließend wird ein Besichtigungstermin vereinbart und hoffentlich ist auch eine Probefahrt möglich.

Doch vor der Probefahrt und dem notwendigen Blick unter die Motorhaube schauen wir uns das Fahrzeug von außen an. Ein paar Stellen, die ihr euch unbedingt ansehen solltet, beschreibe ich heute. In den Fahrzeug spezifischen Beiträgen, die später folgen, gehe ich dann natürlich auch detailliert auf typische Schwachstellen bzw. Mängel ein.

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Liebe auf den ersten Blick?

Soll es geben, auch bei Automobilen. Ganz wichtig: Zeigt dem Verkäufer des Fahrzeuges nicht eure Freude über „das gute Stück“, sondern setzt euer Pokerface auf, schließlich wollt ihr den Preis noch etwas herunterhandeln. Doch fangen wir erstmal mit der Begutachtung an.

Die ersten Schritte:

Wenn ich einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, begutachte ich zunächst das Fahrzeug komplett. Dazu gehe ich einmal um das Auto und halte dabei meine Augen offen. Es macht übrigens Sinn gleich einen Bekannten mitzunehmen, denn vier Augen sehen immer mehr als nur zwei.

Bei der ersten Begutachtung achte ich auf Lackunterschiede, Beulen, Kratzer, Steinschläge in den Scheiben (nicht nur in der Frontscheibe) und schaue mir auch schon die Reifen an. Ein erster Blick zeigt, ob noch ausreichend Profil vorhanden ist. Die Mindestprofiltiefe liegt bei 1,6 mm, jedoch würde ich aus Sicherheitsgründen nicht an die Grenze heranfahren wollen. Auch wenn man es den Reifen nicht auf dem ersten Blick ansieht, sie können auch altern. Die Gummimischung härtet aus, die Reifen werden spröde und die Fahreigenschaften lassen nach! Aus dem Grund gibt es die sogenannte DOT-Nummer, an der man sehr gut das Alter der Reifen erkennen kann. Reifen, die älter als 8 Jahre sind, würde ich persönlich auswechseln und den Verkaufspreis dementsprechend verhandeln. Hat der Vorbesitzer sein Fahrzeug durch andere Alu-Felgen aufgewertet, sollte man auch überprüfen ob die Rad-Reifen-Kombination in die Papiere eingetragen wurde oder ob diese über eine Allgemeine Betriebserlaubnis verfügt.

Bei Lackunterschieden sollte der Verkäufer erklären können, warum die Teile nachlackiert wurden. Seid immer auf der Suche nach verdeckten Unfallschäden. Kleine Beulen oder Kratzer können den Preis senken! Bei der Sichtprüfung sollte man auch die Spaltmaße im Blick haben. Sieht irgendetwas „komisch“ aus – sprecht den Verkäufer an! Bei unserem Vorführmodell stimmen die Spaltmaße natürlich und auch die Farbe ist gleichmäßig.

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Keine Beulen, Kratzer oder Macken entdeckt?

Sehr gut, dann schauen wir uns die Motorhaube und die Front an! Steinschläge auf der Motorhaube? Wie sieht es mit den Scheinwerfern aus? Einige Fahrzeughersteller haben Probleme mit den Scheinwerfern, so ist es z.B. beim Opel Astra G ein typisches Problem, dass die Scheinwerfer vergilben. Das kann bei der nächsten TÜV-Prüfung zu einem Problem werden, außerdem möchte man doch stets genügend sehen.

Nach dem ersten Check der Beleuchtungseinrichtungen überprüfe ich dann stets auch die Funktion. Dabei geht es mir nicht einmal darum, ein defektes Leuchtmittel aufzuspüren, es könnte ja schließlich auch die Leitung sein. Ein Kabelbruch ist vermutlich das Schlimmste was man haben könnte bei der Beleuchtung, vor allem wenn man nicht weiß, wo das Kabel defekt ist. Also: Funktion der Scheinwerfer kontrollieren und sich ggf. mal die Mühe machen, eine neue Birne einzusetzen, um die Funktion zu überprüfen.

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Gut, der erste Eindruck hat also überzeugt?

Dann schauen wir noch einmal genauer hin: Den Bereich unterhalb der Türen nennt man Türschweller, die schauen wir uns noch einmal näher und suchen dort Beulen, Macken und natürlich auch Rost. Auch wenn neuere Fahrzeuge inzwischen verzinkt sind und nicht mehr rosten dürfen, möchte ich darauf hinweisen, schließlich ist diese Anleitung auch für ältere Fahrzeuge gedacht. Rost findet man auch ganz gerne in den Radlaufecken, in den Kanten vom Kotflügel, in den Falzkanten der Türen, im Radlauf selber und in sämtlichen versteckten Winkel, die man sich so vorstellen kann. Aus dem Grund sollte man bei der Begutachtung von einem Gebrauchtwagen auch durchaus eine Taschenlampe zur Verfügung haben.

Jetzt wird es sportlich

Jetzt müssen wir auf den Boden! Mit der Taschenlampe leuchtet man auch den Unterboden einmal ab, ist dort der Unterbodenschutz (falls überhaupt vorhanden) noch in Ordnung? Ist der Unterbodenschutz eventuell sogar gerade erneuert worden? Dann muss die Frage nach dem „Warum?“ erlaubt sein. Ist das Fahrzeug geschweißt worden? Sind das vertuschte Unfallschäden oder einfach nur der Zahn der Zeit, der gezogen wurde? Ein ehrlicher Verkäufer wird eine passende Antwort darauf haben!

Wo wir uns gerade sowieso schon auf dem Boden befinden, schauen wir uns auch noch die Auspuffanlage an. Von vorne (Krümmer) über den Katalysator bis hin zum Endschalldämpfer. Leichter Flugrost ist in Ordnung doch wenn die Abgasanlage bereits bei der Sichtprüfung negativ auffällt, wird sie spätestens beim nächsten TÜV zum Kostenmultiplikator.

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Wieder auf den Beinen schauen wir uns jetzt noch sämtliche Gummidichtungen an. Türen, Fenster, Heckklappe und Schiebedach müssen überprüft werden. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Undichte Dichtungen sorgen für Wasser im Innenraum und was aus der Verbindung von Metall und Wasser entstehen kann, möchten wir nicht im Auto haben!

Verfügt das Fahrzeug über ein Dach, welches man öffnen kann – ist es also ein Cabriolet – muss das Dach mehrmals geöffnet und geschlossen werden. Lässt sich das Dach nur schwergängig öffnen oder schließen? Macht das elektropneumatische System Probleme? Geht der Technik nach einem Vorgang bereits die „Luft“ aus? Dann drohen auch hier Kosten, die schnell mal vierstellig werden können. Das Dach selber überprüft man am besten durch eine gute Sichtprüfung. Knickkanten sollten nicht zu sehen sein und die Heckscheibe sollte nicht blind sein. Das gilt vor allem für ältere Cabriolets mit Plastikscheibe.

In einem gesonderten Beitrag gehe ich noch einmal detailliert auf die Sonderfälle beim Cabriokauf ein. Bei Oldtimern, so wie bei unserem Opel Commodore, sollte man besonders darauf achten, dass sämtliche Chromteile / Anbauteile vorhanden sind. Das gilt vor allem auch für die Rückleuchten, die Stoßstangen, die Zierleisten etc.

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Ist das Fahrzeug von außen in Ordnung bzw. in dem Zustand wie man es sich vorgestellt hat, dann geht es in den Innenraum. Auf was ich dort achten würde, sag ich euch im vierten Teil dieser Blogreihe. Im fünften Teil schauen wir uns dann auch endlich den Motor und die Technik an, bevor wir dann im sechsten Teil endlich die Probefahrt unternehmen.

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