Tipps und Tricks: Gebrauchtwagen kaufen – Teil 5/6

Heute blicken wir gemeinsam unter die Motorhaube, denn da verstecken sich neben einigen Bauteilen auch zahlreiche Hinweise auf den Pflegezustand des Fahrzeuges. Bevor ich die Haube öffne, achte ich stets auf die Spaltmaße. Passen diese schon bei der ersten Begutachtung nicht, sollte man misstrauisch werden.

Wurde die Motorhaube schon einmal demontiert? Das erkennt man leicht an den Schrauben, also Haube öffnen und nachsehen! Der nächste Blick wandert in Richtung Front. Sieht hier noch alles original aus? Wie sieht es mit den Schrauben vom Kotflügel aus? Ist hier schon mal nachlackiert worden? Wie sehen die Schweißnähte aus? Alles okay? Gut, dann schauen wir uns den Motor an!

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Der erste Griff geht zum Öldeckel! Den einmal abgeschraubt, schauen wir, ob der Deckel auch von „unten“ sauber ist. Ist dieser verschlammt, ist Kondenswasser (oder gar Kühlwasser) in den Ölkreislauf gekommen. Kondenswasser bildet sich häufiger bei Fahrzeugen die ausschließlich Kurzstrecke gefahren werden, da die Motoren dann nicht richtig warm werden können. Ist die Farbe von dem „Schmand“ eher weißlich, sollte man aufpassen, denn dann könnte es die Zylinderkopfdichtung sein, die hier Ärger bereitet (oder bereitet hat).

Daher geht der nächste prüfende Blick zum Kühlwasserbehälter. Schwimmen dort Ölaugen im Kühlwasser kann man die Motorhaube wieder schließen und sich ein anderes Fahrzeug suchen, es sei denn man möchte auf Fehlersuche gehen und schrauben, schrauben, schrauben…

Ein Blick auf den Bremsflüssigkeitsbehälter gehört auch zur Routine. Dazu muss man wissen, dass das Bremssystem ein geschlossener Kreis ist. Von der Flüssigkeit darf nichts fehlen, denn sonst ist irgendwo eine undichte Stelle oder die Flüssigkeit ist so alt, dass sie bereits Wasser annimmt und somit verdunstet. Hier wurde der letzte Wechsel schön dokumentiert:

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Dass ein Motor Öl verbraucht, ist hingegen ganz normal, trotzdem sollte man auch den Ölstand überprüfen, denn daran kann man auch schon ganz gut erkennen, wie das Fahrzeug gepflegt wurde.

Öl gecheckt, Bremsflüssigkeit überprüft, Kühlwasser angesehen? Gut, dann begeben wir uns nun auf Spurensuche. Derjenige der einen Gebrauchtwagen kaufen möchte, muss auch gleichzeitig ein kleiner Detektiv sein. Da der Motor sich ja (inzwischen) immer mehr unter Abdeckungen versteckt, müssen wir uns auf Zettel- und Aufklebersuche begeben. Händler, Werkstätten und Hobby-Schrauber kennzeichnen im Motorraum nämlich den Zeitpunkt des letzten Ölwechsels und natürlich interessiert uns auch das Datum, wann der Zahnriemen erneuert und die Bremsflüssigkeit ersetzt wurde.

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Bei der Spurensuche kann man auch noch ganz gut die Schläuche (die man sehen kann) überprüfen. Sind diese spröde? Gibt es Kalkspuren? Sind sie gerade frisch gereinigt und mit „Bauernblind“ aufgehübscht? Dann sollte man sich Gedanken machen. Hat der Verkäufer sein Fahrzeug nur gerne gepflegt oder hat er etwas zu verbergen?

Nichts zu verbergen hat die Batterie. Der Pluspol sollte abgedeckt und die Batterie gut befestigt sein. Fragt den Verkäufer, wann die Batterie das letzte mal gewechselt worden ist. Auch wenn die neuen Starterbatterien immer länger halten, irgendwann ist der Lebenszyklus auch überschritten. Das gleiche gilt übrigens für den gerade schon angesprochenen Zahnriemen. Schaut im Checkheft nach, wann der Zahnriemen gewechselt werden muss. Ist er gewechselt worden? Wurde die Wasserpumpe gleich mit ersetzt?

Keine Angst! Die neueren Motoren sind nicht mehr so zickig wie „die guten alten“. Früher war nicht alles besser. Heute haben wir dank Steuergeräten oder Diagnosesystemen fahrende Computer, die spätestens bei der Probefahrt Fehler selber melden und sei es nur durch eine leuchtende Motorkontroll-Leuchte.

Probefahrt? Das Wichtigste beim Gebrauchtwagenkauf! Was ich da beachten würde? Das lest ihr im 6. und letzten Teil dieser Blogreihe zum Thema: Gebrauchtwagenkauf! Dort gibt es dann auch noch einmal eine Gebrauchtwagenkauf Checkliste zum downloaden, ausdrucken und mitnehmen. Bis dahin darf man sich auch gerne noch die anderen Teile durchlesen: Teil 1: Die ersten rhetorischen Tipps beim Gebrauchtwagenkauf! Teil 2: Die typischen Abkürzungen für Auto Verkaufsanzeigen! Teil 3: Der Gebrauchtwagen Außencheck! Teil 4: Der Blick in den Innenraum!

Eines muss ich übrigens gestehen: Man kann beim Gebrauchtwagenkauf noch so gut hinsehen, alle Mängel kann und wird man nicht entdecken. Bei einem blitzblanken Motor (der nicht zum Rest des Fahrzeuges passt) werde ich immer schnell misstrauisch und ab und zu entscheidet einfach auch das Bauchgefühl.

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