Tipps und Tricks: Gebrauchtwagen kaufen – Teil 6/6

Wie angekündigt findet ihr ganz unten noch eine kleine Checkliste mit wesentlichen Punkten zum Thema „Gebrauchtwagen kaufen“, darüber hinaus nehme ich euch heute mit auf eine Probefahrt und schildere, auf was ich alles achten würde. Nach der optischen Begutachtung des Fahrzeuges und der Suche nach Mängeln ist die Probefahrt das Wichtigste beim Gebrauchtwagenkauf.

Wichtig: Nur mit einem amtlich zugelassenen Fahrzeug (oder mit roten Kennzeichen / Überführungskennzeichen) das Fahrzeug auf öffentlichen Straßen bewegen. Wer sich selber eine Beurteilung nicht zutraut, sollte bei der Probefahrt ggf. zu einer amtlich anerkannten Prüforganisation oder zu einem Händler fahren. Gegen eine kleine Gebühr schauen die nach den kritischen Punkten und wenn sie nur 1-2 Punkte entdecken, hat man das Geld fast schon wieder gespart.

auto-kaufen-checkliste

Die Teststrecke:

Die Fahrstrecke sollte Kurven, gute und schlechte Straßenbeläge und auch Steigungen beinhalten. Ideal wäre es, wenn das Fahrzeug vorher nicht warm gefahren wurde, denn dann kann man am besten überprüfen ob der Motor auch im kalten Zustand sofort anspringt. Wenn das Kühlwasser bereits die Betriebstemperatur erreicht hat, kann man davon ausgehen, dass der Verkäufer das Fahrzeug vorher schon laufen gelassen hat.

Der Motor:

Der Motor muss sofort anspringen und im Leerlauf gleichmäßig laufen. Um Klappergeräusche zu hören, empfiehlt es sich, die Heizung, das Gebläse, die Klimaanlage und natürlich auch das Radio auszuschalten. Sind vom Motor her „Klopfgeräusche“ oder ein „Klappern“ zu hören? Dann würde ich persönlich die Finger von dem Fahrzeug lassen, es sei denn man ist KFZ-Mechatroniker.

Die Auspuffanlage:

Wie kann man testen, ob die Auspuffanlage dicht ist? In dem man mit einem Lappen die Endrohre verschließt, innerhalb von ein paar Sekunden muss der Motor „absterben“. Achtung! So ein Auspuffendrohr kann heiß sein! Undichte Auspuffanlagen erkennt man aber in der Regel auch schon durch die Klangveränderung – nun fahren wir das Fahrzeug erst einmal eine Runde.

Nach dem Warmfahrvorgang spielen wir ein wenig mit dem Gaspedal. Der Motor muss das Gas spontan annehmen, bei Vollgas darf nichts „metallisch klappern“, denn ansonsten „riecht es“ nach einer Beschädigung von Kolben oder Nockenwelle. Beschleunigt mal voll durch und nehmt dann schnell das Gaspedal zurück, knallt der Motor? Dann haben wir Fehlzündungen in der Auspuffanlage durch ein unverbranntes Kraftstoff-Sauerstoffgemisch was dorthin gelangt. Dafür gibt es mehrere Fehlerquellen, sei es die defekte Zündanlage oder eine Undichtigkeit an den Auslassventilen.

Problem: Kraftstoff macht den Kat kaputt! Wenn das Fahrzeug beim Gaswegnehmen auch noch qualmt, sind es vermutlich die Ventilführungen oder die Kolbenringe (Dichtringe zwischen Kolben und Zylinder), die verschlissen sein könnten. Der Kat dürfte, wenn der Mangel nicht rechtzeitig behoben wurde, dann auch fällig sein.

Die Kupplung:

Gut, Motor läuft und alles ist in Ordnung? Dann schauen wir uns mal die Kupplung an! Im Stand legen wir bei laufendem Motor die Gänge ein. Keine Kratzgeräusche? Super! Dann trennt die Kupplung richtig! Nun ziehen wir die Handbremse, legen den zweiten Gang ein und versuchen loszufahren. Läuft der Motor weiter und stirbt nicht ab, dann „rutscht die Kupplung durch“ (oder die Handbremse hat keine Funktion mehr – was ähnlich schlimm wäre). Eine verschlissene Kupplung ist bei vielen Fahrzeugen zwar kein Beinbruch mehr, aber durchaus ein Grund, den Kaufpreis deutlich zu mindern, bzw. bei einem Händler eine neue Kupplung zu verlangen.

gebrauchtwagen-kaufen-checkliste

Das Fahrwerk:

Kommen wir zum Fahrwerks-Test: Das Fahrwerk überprüft man mit den Ohren und dem Popometer. Poltert das Fahrwerk? Dann klingt es entweder nach einer defekten Befestigung der Stoßdämpfer oder nach ausgeschlagenen Radführungen. „Schwimmt“ das Fahrzeug, dann sind die Stoßdämpfer definitiv verschlissen (es sei denn, man hat ein Amphicar, aber davon gehe ich nun mal nicht aus). Gerne bei der Probefahrt noch mal kurz anhalten und sich das Profil der Reifen ansehen. Sind gleichmäßige Auswaschungen zu entdecken? Das spricht auch für defekte Stoßdämpfer.

Die Lenkung:

Vibriert das Lenkrad auf gerader, ebener Straße bzw. flattert es von links nach rechts? Dann haben wir im besten Fall nur eine Unwucht an den Reifen. Es könnte sich aber auch um lose Radbolzen, fehlende Zentrierringe, defekte Felgen oder oder oder handeln. Ich würde sagen, zu 90% ist diese Unwucht auf den Reifen zu schieben, aber die Ursache muss man finden und abstellen.

Die Bremsanlage:

So, nun kommen wir zum Brems-Test! Schaut in den Rückspiegel ob hinter euch keiner ist und bremst dann von Tempo 40 stark herunter auf 0 km/h. Das Fahrzeug muss dabei in der Spur bleiben, zieht es zu einer Seite, hat man unterschiedliche Bremswirkungen. Die Handbremse kann man sehr leicht bei Schrittgeschwindigkeit überprüfen, einfach mal anziehen. Wenn die Hinterräder nicht sofort blockieren, muss man auf Fehlersuche gehen. Im Stand steht ihr bei der Probefahrt auch mal etwas länger auf dem Bremspedal, lässt sich dieses irgendwann „komplett durchtreten“ spricht das für defekte Bremszylinder und austretende Bremsflüssigkeit. Diesen Mangel muss man sofort beheben (lassen)!

Meine Checkliste:

Achtung! Dieses ist „meine Checkliste“, ich habe diese mal für mich und meine guten Freunde erstellt, zu denen dürft ihr euch nun auch zählen und diese hier herunterladen. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit, aber es sind, meiner Meinung nach, ein paar Punkte drauf, die ihr euch auf jeden Fall ansehen solltet! Ab dem kommenden Mittwoch erscheinen dann hier im Drive-Blog Gebrauchtwagen-Vorstellungen mit Kaufempfehlungen und Tipps und Tricks, auf welche Mängel man ganz besonders achten sollte!

kostenloser-download-checkliste-pkw-auto-gebrauchtwagen-kaufen

Fotos: © Jan Gleitsmann – Fahrzeug: Opel Commodore B GS – nicht zu verkaufen!

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: