Tuning historisch betrachtet

Tuning heißt das Zauberwort für den angesagten Autofreak von heute.

Doch heutzutage wird weniger selber geschraubt und tiefergelegt: Automobilhersteller arbeiten mit Tuning-Spezialisten Hand in Hand. Autos werden schon am Hersteller-Fließband auf den künftigen Tuning-Zustand vorbereitet oder gar mit Tuning-Teilen externer Zulieferer versorgt.

…und der Trend kommt erst in Fahrt. Die Zeiten der „Autos von der Stange“ sind vorbei. Der Spoiler kommt zurück!

Drehen wir das Rad der Geschichte zurück und erinnern uns an übertriebene Heckspoiler, an unmöglich tiefer gelegte Jagdgeschwader und affige Fuchsschwänze, Sportauspuffanlagen, Autoradios und -lautsprecher, Chip-Tuning, Spezialöle und -luftfilter, Fahrwerke und Ansaugsysteme oder einfach ein paar Löcher im Auspuff. Kaum ein Bauteil wurde verschont. Alles musste optimiert sein und total cool aussehen – es gibt sogar Motorräder für 150.000 EUR zu kaufen.

Wie alles begann

Es begann in den 50er Jahren mit einem Frontspoiler für den damaligen VW Käfer. Dieser entwickelte bei Geschwindigkeiten jenseits 100 km/h einen unerwünschten Auftrieb an der Vorderachse. Eine Vernunftentscheidung also…

Hier sollten wir eine Begriffserklärung einfügen. Spoiler kommt aus dem englischen „to spoil“ = “verderben“. Die Luft sollte mittels eines Anbauteiles (Spoilers) so verwirbelt werden, dass sie sich nicht mehr negativ auf das Fahrverhalten des Fahrzeugs auswirken konnte.

obligatorischer Heckspoiler

Viele unserer Mitmenschen haben dies aber auch dazu genutzt, die Optik von Fahrzeugen zu verderben und Augenkrebs als Volkskrankheit zu etablieren.

Der Aufstieg

Die 60er und 70er Jahre hindurch waren es der Rennsport und die damals dort erreichbaren Geschwindigkeiten, die jene Konstruktionen zu Tage brachten, die später für jedermann zugänglich wurden. Die Aerodynamik und das Gewicht eines Fahrzeugs wurden entscheidend, wenn bei 1.000PS der Motor keine weiteren Kapazitäten freigab.

Erste Spezialfirmen wuchsen aus dem Boden (Karmann, Brabus, AMG, Schnitzer, Irmscher…um mal einige zu nennen), die in den 80er Jahren an ihrem Zenith angekommen zu sein schienen.

Der Höhepunkt

Jeder wollte irgendwie irgendwas aus seiner ollen Karre machen. Egal, Hauptsache ein Teil am Fahrzeug war nicht von der Stange…Es wurde geschraubt und gehobelt, auf Schönheit wurde durchaus auch das ein oder andere Mal verzichtet.

getuntes Radio

Der Fall

Da die meisten Autohersteller in den 90ern bereits Sportsitze, Frontspoiler, Heckspoiler, Breitreifen oder Leichtmetallfelgen bei ihren Modellen anboten, flachte das Autotuning vorübergehend ab.

Seit im November 2004 weit ausladende Heckspoiler aus Aluminium in der StVZO keine Zulassung mehr erhielten, war das Thema endgültig durch. Tuning war out. Heckspoiler und Co. sah man nur noch selten. Understatement war angesagt.

Autos und Motorräder gleichen sich in vielerlei Hinsicht… Hersteller wurden austauschbar… Die Optik ist Nebensache. Nur noch ganz harte Burschen getrauen sich mit einem tiefergelegten BMW auf die Straße.

Das Comeback

Seit wenigen Jahren geht der Trend der Fahrzeughersteller selbst aber wieder dahin, sich von der Konkurrenz abzuheben und durch Kleinigkeiten Marktanteile zu erobern. Der unbeholfene Freizeitschrauber ist aber nicht mehr dabei. Professionalität und Qualität sind das Maß der Dinge. Dezente, nicht übertriebene Anpassungen der Optik oder extreme Leistungsunterschiede geben den Ton an. Interessante Zweitmarkenaktionen werden aufgelegt (Beispiel: Opel Astra vs. Opel Astra OPC). Messen und Aktionen finden zunehmend Interessenten.

Und nebenbei sind interessante neue Trends zu beobachten: Fahrzeugsound wo eigentlich gar nichts zu hören wäre (Elektrofahrzeuge).

 

Fotoquellen:
Heckspoiler: John Armstrong-millar/Hemera/Thinkstock
Armaturenbrett: twing/iStock/Thinkstock

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