Neuwagen der Woche: Porsche 911 Turbo S – Die Rakete aus Zuffenhausen!

Der neue Porsche 911 Turbo zeigt sich, rein optisch, nur leicht verändert. Porsche weiß, was die Kunden wollen und verfeinert das Grundrezept nur leicht. Es wäre auch wahrlich eine Schande, wenn man in diese Suppe spucken würde, ist der Porsche 911 Turbo doch bereits eine Delikatesse. Delikatessen sind teuer, rar und trotzdem in der Regel schnell weg. Das gilt natürlich auch für den neuen Porsche 911 Turbo der mit 520 PS oder in der S-Version mit 560 PS befeuert wird. Von 0 auf 100 km/h geht es im schnellsten Fall innerhalb von 3,1 Sekunden – dafür muss man den Sport+ Modus aktivieren. Während man sonst mit 700 Nm auskommen muss, steht dank der Overboost-Funktion dann kurzzeitig ein maximales Drehmoment von 750 Nm zur Verfügung. 2 km/h langsamer als der aktuelle Mercedes-Benz SLS AMG GT Coupé, damit muss man Leben können – der Porsche 911 Turbo S schafft nur 318 km/h Spitze!


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Das Ur-Rezept ist fast 40 Jahre alt! 6-Zylinder Motor hinten, Antrieb… auch! Zum Teil! Denn die Vorderachse wird inzwischen auch angetrieben! Allrad-Antrieb! Das dient nicht nur der Sicherheit, sondern natürlich auch dem Vortrieb. Die Kraft des 3,8 Liter Boxermotor muss schließlich auf die Straße. Immer? Nein! Nicht immer, denn wenn man z.B. mit Geschwindigkeiten unter 7 km/h auf eine Ampel zurollt, dann schaltet sich der Motor auch mal ganz gerne ab! Tja, auch bei Porsche denkt man an die Umwelt und spendiert dem Turbo ein überarbeitetes Start-Stop-System! Geschaltet wird übrigens nicht von Hand, die Gangauswahl kann man dem PDK, dem Porsche-Doppelkupplungsgetriebe, überlassen. Wem es allerdings in den Fingern juckt, der kann manuell eingreifen. Hinterm formvollendeten Volant (ich hätte hier auch das Wort Lenkrad benutzen können) findet man nicht nur die schönen Instrumente, sondern auch die Schaltwippen.

Was ist noch neu? Der Porsche 911 Turbo bekommt eine hintere Achse die mitlenkt! Allradlenkung! Bei niedrigen Geschwindigkeiten bekommt der Porsche einen kleineren Wendekreis, da die Hinterachse entgegen der Vorderachse einlenkt. Bei höheren Geschwindigkeiten lenken beide in die gleiche Richtung, das erhöht die Stabilität. Porsche spendierte dem neuen Turbo einen Frontspoiler, der sich per Knopfdruck – oder bei höheren Geschwindigkeiten automatisch – ausfahren lassen kann. Insgesamt sorgen Front- und Heckspoiler für einen Abtrieb von 132 kg! Abtrieb? Kleiner Exkurs in die Spoiler-Lehre! Fahrzeuge erzeugen bei höherer Geschwindigkeit „Auftrieb“ – das Fahrzeug will quasi vom Asphalt weg, man verliert an Haftung! Damit das nicht passiert, werden die Spoiler so gestellt, dass die vorbeiströmende Luft den Wagen nach unten drückt – der Fachmann spricht von Abtrieb – die Spoiler vom Porsche 911 Turbo erzeugen diesen Abtrieb und zwar mit einem Gewicht von bis zu 132 kg. Mit dem Anpressdruck wird das Fahrzeug dann auf die Straße gedrückt, was sich positiv auf die Fahreigenschaften auswirkt.

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Was hindert nun jedermann sich so einen Porsche 911 Turbo vor die Garage zu stellen? Vermutlich der Einstiegspreis, denn der liegt bei etwas unter 200.000 Euro! Derzeitig bekommt man dafür den stärksten Serien-Elfer aller Zeiten, doch der GT3 wird früher oder später kommen.

Was sagen die anderen Blogger über den Porsche 911 Turbo?

Fabian Mechtel hat einen ganz Großen gefragt. Damit meine ich nicht nur die Körperlänge, auch technisch ist Walter Röhrl überragend. Er wollte von der lebenden Rennfahrlegende wissen: „Alter 11er oder neuer turbo?“ und natürlich bekam Walter, auf die zu erwartende Antwort die Frage gestellt „Wenn neuer turbo, wann?“ – es gibt noch weitere Fragen und dementsprechend Antworten, also schaut mal rüber!

Jan Gleitsmann und ich haben uns das Testfahrzeug geteilt, in seinem Beitrag liest man z.B. nachfolgende Zeilen über mich und den Porsche 911 Turbo S: “ Er aktiviert das Sport+-Programm und drückt einmal deftig auf das Gaspedal. Der 3.8 Liter Turbo-Motor im Heck, von dem man leider so gar nichts sehen kann, wenn man die kleine Klappe vor dem Heckflügel öffnet, brüllt einmal auf und ich sehe aus dem Augenwinkel, dass sich etwas in dem Rundinstrument rechts neben dem zentralen Drehzahlmesser tut. „Launch Control aktiviert“ rutscht da von links in das kleine Farbdisplay, was in dem Rundinstrument eingebettet ist. Bevor ich auch nur weiterdenken kann, tritt Jens das Gaspedal durch und der Porsche 911 Turbo S (991) schnellt nach vorne. Ich werde dabei mit aller Kraft in den ledernen Sportsitz (beim Turbo S sind die S-Sportsitze verbaut, die sich 18fach elektrisch verstellen lassen) gepresst. Mein Magen reagiert sofort. Schiffsschaukel fahren ist nichts dagegen. Achterbahn extrem! So fühlt es sich an.“

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Achterbahn! Ja, doch – das sind ungefähr die Gefühle die so ein Porsche wecken kann. Ist es vielleicht gar nicht Liebe auf den ersten Blick, ist es eigentlich das „die Gefühle fahren Achterbahn“-Feeling? Wie auch immer. Natürlich waren wir nicht nur zu dritt bei Porsche. Nicole Männl war auch vor Ort. Vor Ort? Wo waren wir eigentlich? Bilster Berg! Eine neue Teststrecke in Bad Driburg. Nicole nimmt euch in ihrem Beitrag mit auf ein paar Runden über die wunderschöne Strecke im Teutoburger Wald: „Der Instruktor beschrieb die 4,2 km lange Strecke. Ich blieb ganz dicht dran, das ist kein Problem. Ich nehme seine Linie auf, versuche ebenso das Bilster-Berg-Ballet mit dem 911 Turbo zu tanzen. Da, ein bisschen zu spät vom Gas und schon hört man die Pneus etwas deutlicher schnaufen. Aber der 911 Turbo S behält seine Stabilität, solange man nicht den Harry-Potter-Stunt machen will. Physik ist Physik, also immer schön ingenieursmäßig dran denken, dass alles seine Grenzen hat.“

Thomas Majchrzak ist der letzte im Bunde, aber auch er fuhr die ein oder andere Runde im neuen Porsche 911 Turbo. Interessanterweise sind wir alle das Fahrzeug schon gefahren, bevor es auf der IAA 2013 ausgestellt und somit als Premiere gefeiert wurde. Wie dem auch sei, Thomas schreibt: „“Das ist der beste Porsche 911 Turbo, den es je gab“, sagt August Achleitner, Leiter der 911er-Baureihe, selbstbewusst. Und so abgedroschen es klingt, die Sportwagenbauer aus Zuffenhausen haben recht. Man kann darüber streiten, welches das emotionalste Fahrzeug ist, welches Fahrzeug am besten aussieht, welches am meisten Spaß macht. Aber der Porsche 911 Turbo S ist der beste Sportwagen. Im Sinne der technischen Überlegenheit.“

Dieses Fazit kann ich so nur unterschreiben: „Porsche selber nennt den 911 Turbo: „Die neue Referenz!“ und hat damit Recht. Punkt!“

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Fotos: © Jan Gleitsmann

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