Gestatten, Frosch.

Und noch einmal: der Frosch/das Froschauge, diesmal als kurze Vorstellung:

Er heißt korrekt „Austin Healey Sprite MK1“ („Sprite“ kommt aus dem englischen und bedeutet „Kobold“), seit über 50 Jahren nicht nur seiner Optik wegen beliebt. 1958 kam dieser Roadster auf den Markt, in dieser Form gebaut bis 1961. Er ist der Ahn einer Roadsterfamilie, bis 1971 gab es die Sprites (dann aber mit konventionelleren Karosserien).

Über das in UK seit den 50ern überaus beliebte „badge engineering“ lebte er von 1961 bis 1980 auch als MG Midget („Midget“ = Zwerg).
Badge engineering kurz erklärt: eine Grundkonstruktion wird unter verschiedenen Markennamen (mit unterschiedlichen Emblemen und einigen markenspezifischen Modifikationen) vermarktet, heute zum Beispiel Toyota Aygo, Citroen C1 und Peugeot 107.
Wenn man über beide, also Sprite und Midget spricht, kann man auch einfach „Spridget“ sagen.

Nähern wir uns dem Untersuchungsobjekt – er ist wirklich koboldhaft klein und niedrig, noch kleiner und niedriger als auf Fotos.

 Austin Healey Sprite MK1 - koboldhaft klein und niedrig

Mit einer Gesamtlänge von 3,5 m, einer Breite von 1, 35 m und einem Gewicht von ca. 650 kg ist er wirklich überschaubar, immerhin noch 5 cm schmaler als der Mini, der echte Mini; der optisch daran angelehnte BMW MINI ist ca. 40 cm breiter als ein Frosch!

Der Frosch ist einfach gebaut, die große Motorhaube, die sich fast über die Hälfte des Autos erstreckt, kann man nach oben klappen, es zeigt sich eine solide Konstruktion, ein Motörchen mit 950 ccm und ca. 45 PS. Der Antriebsstrang ist dem Austin A35, Bremsen und Lenkanlage dem Morris Minor entliehen, beides solide Nachkriegskleinwagen: also standfest und vertrauenswürdig.

Blick unter die Motorhaube des "Froschs"

Einen Kofferraumdeckel hat er nicht, durch einen Spalt hinter den Sitzen kann man in eine Höhle fassen: Raum für Hartschalenkoffer, Hutschachteln o.ä ?: Fehlanzeige! Türgriffe gibt es außen nicht, Kurbelfenster oder ähnlichen Tand auch nicht. Das Verdeck wird aufgesteckt.

Die Sitzposition: wie sie sein soll, man ist der Straße sehr nahe, zwischen Fahrzeugboden und Sitzfläche ist gefühlt kein Höhenunterschied, die Bedienung ist für den, der so was schon mal gefahren ist, intuitiv: der Blinker muss der Schalter in der Mitte des Armaturenbretts sein, der eine Stellung nach rechts und links erlaubt; ansonsten braucht man wohl nicht viel.

Cockpit des Austin Healey Sprite MK1

Die Pedale: zunächst eine Irritation – vier Objekte! Ich fange die Aufzählung rechts an: Gaspedal, dann Bremse, dann Kupplung, es folgt ein Knopf als Auf-/Abblendschalter… Schwierig da unten, für mich Mitteleuropäer mit Durchschnittsmaßen (Schuhgröße so um die 10) ist es haarig, denn es ist sehr eng: die klassische Rallyefahrermethode mit gleichzeitigem Kontakt zu Gas- und Bremspedal wird einem aufgedrängt, ob man möchte, oder nicht.

Let’s start the engine: es hört sich nach mehr an als es ist, ein 50er Jahre Motor eben, er setzt uns flott in Bewegung. „Flott“ ist natürlich relativ, mit Anlauf kann er sich zu 130 km/h aufschwingen, aber das braucht man nicht. Jeder moderne Kleinwagen ist dem Frosch an Agilität objektiv weit überlegen – mehr Faszination entwickelt jedoch der Frosch!

Denn der Frosch ist bei vielem schlicht und direkt. Erfreulich und reizvoll ist der enge Kontakt mit der Fahrbahn, leichtes um die Kurven sägen, mit einem echten Go-Kart-Gefühl, die Fahrbahn spürt man unmittelbar, den Wind ebenso. Die Bremsen verzögern auch, aber gerade hier zeigen sich natürlich erhebliche Unterschiede zu heutigen Autos – er ist eben 55 Jahre alt, im jetzigen Verkehr heißt es besonders vorausschauend unterwegs zu sein! Das gehört jedoch zum perfekten Kontrastprogramm zu aktuellen Fahrzeugen, in denen man immer mehr von seiner Umgebung (Temperatur, Luft, Gerüche, Fahrbahn) entkoppelt ist und nur noch in einem vermeintlichen „Wohlfühlkokon“ aufgehoben ist.
Also genießen wir den schönen Spätsommertag, riechen die gemähten Heuwiesen, freuen uns an dem Wahrnehmen der unterschiedlichen Strassenqualitäten und lassen uns nicht von dem im Rückspiegel als Berg erscheinenden SUV (er hat mindestens fünfmal so viel KW) drängeln – der Fahrer hat das Gefühl, dass er auf der leicht geschwungenen Straße schleicht, wir nicht.

Beim Aussteigen passt man sich dem Wägelchen an – ein breites Grinsen ziert das Gesicht. Erster Gedanke: Genau den muss ich haben!
Zweiter Gedanke: Er passt überhaupt nicht zu meinem Familienmodell, aber man kann ja mal ein bisschen surfen. Hier ein Blick auf die Einstandskosten (carandclassic.co.uk oder die deutschen MG und Austin-Healey-Clubs): der Frosch ist gesucht und dementsprechend teuer (gute je nach Kaufort immer fünfstellig), die Preise halbieren/dritteln sich, wenn man seine Nachfolger wählt, die späteren sind alltagstauglicher, flotter, praktischer.

Das freundliche Froschgesicht und seine Ursprünglichkeit haben sie damit leider nicht mehr…

Austin Healey Sprite MK1 - der "Frosch"

Schade, als der Frosch sich mit seinem Eigentümer auf der Strasse von dannen macht – schön, dass wir uns noch öfter sehen werden!

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