Neuwagen der Woche: BMW i3 – Fahrbericht – Test – Meinungen

Mit der Markteinführung des BMW i3 möchte BMW gerne ein Startsignal setzen. Man spricht von einer neuen Ära der Elektromobilität. Die neue Marke BMW i hat auf der IAA 2013 das erste, rein elektrisch angetriebene, Großserienmodell der BMW Group vorgestellt. Ab November steht er im Handel.

Was soll der BMW i3 sein?

Zunächst zukunftsweisend, darüber hinaus noch stark in der Nachhaltigkeit und ganz nebenbei soll es noch die BMW typische Fahrfreude vermitteln. Ist das gelungen? Bei Probefahrten in und um Amsterdam konnten ausgewählte Journalisten und einige Onliner das Fahrzeug testen.

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Warum gerade Amsterdam?

Die Niederlande zeigen sich als extrem Elektrofahrzeug-freundlich. In fast jeder Straße von Amsterdam findet man Ladesäulen. Damit man diese nicht lange suchen muss, wurden die Anzeige der Stationen in das Navigationssystem inkludiert. Die Stadt Amsterdam bietet Elektrofahrzeug-Fahrern einige Vorteile, so gibt es z.B. kostenlose Parkplätze. In einer Stadt, in der man durchaus mal 47,50 Euro Parkgebühren (pro Tag) entrichten kann, würde ich mir auch Gedanken über einen Wechsel des Fahrzeugs machen. Das Testumfeld passte also, denn man konnte nicht nur das Fahrzeug selbst, sondern auch die Infrastruktur testen, die hier in Deutschland ja leider noch nicht so gut ausgebaut wurde.

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Wie gefällt der BMW i3?

Nun, über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten. Mir persönlich – und das ist nun wahrlich meine persönliche Meinung – gefällt die Optik nicht so gut. Das liegt unter anderem an der Knickkante in der hinteren Tür, aber ich finde auch, dass das Fahrzeug „ungewöhnlich“ aussieht. Ein wohlhabender Mann sagte mir allerdings mal: „Was interessiert mich die Optik des Fahrzeuges von außen, ich sitze ja in der Regel hinterm Lenkrad!“.

Betrachte ich den BMW i3 aus dieser Sichtweise, dann gefällt er mir gleich schon viel besser. Hinter dem 2-Speichen Lenkrad verbirgt sich ein kleines Display auf dem alle wichtigen Anzeigen detailiert dargestellt werden. In der Mitte des Armaturenbretts scheint ein großes Display zu schweben. Dahinter versteckt sich das neue Infotainmentsystem, welches nicht nur zum Navigieren, sondern auch zu weiteren Interaktionen einlädt. Im Innenraum zeigt sich BMW, bzw. die Marke BMW i, experimentierfreudig. Viele verschiedene Werk- bzw. Wertstoffe kommen zum Einsatz. Viele von ihnen sind nachwachsend, ein nicht ganz neuer Ansatz, aber durchaus löblich.

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Woraus besteht der BMW i3?

Die Fahrgastzelle (bei BMW Life-Modul genannt) besteht aus CFK – das ist Kunststoff, der durch Carbon-Fasern verstärkt wurde. Neben Carbon kommt noch Magnesium, Aluminium und ganz wenig Stahl zum Einsatz. Im Innenraum gibt es eine Vielzahl von nachwachsenden Rohstoffen. Unter anderem auch als Türverkleidung. Apropos Türen: Die Struktur der „Life-Zelle“ macht es möglich, dass auf eine B-Säule verzichtet werden konnte. Anstatt einer langen Coupé-Tür hat man sich bei BMW für ein 2-Türen Konzept entschieden, die so sicherlich nicht allen Ansprüchen gerecht wird.

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Wie fährt sich der BMW i3?

Ungewöhnlich gewöhnlich. Das Fahrwerk ist gut abgestimmt, die Leistung überzeugt, das leise Fahrgefühl verzückt. Das maximale Drehmoment von 250 Nm und die Höchstleistung von 170 PS wird der BMW i3 Fahrer nur selten abrufen, denn zu viele Beschleunigungsorgien gehen auf die Reichweite.

Von 0 auf 100 km/h kann der BMW i3 innerhalb von 7,2 Sekunden beschleunigen und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeregelten 150 km/h. Man kann vermutlich mit 4-5 Euro ungefähr 100 km weit fahren. BMW gibt den Energieverbrauch mit 12,9 kW/h an, der Testverbrauch in Amsterdam lag etwas höher. Das hat sicherlich auch an dem erhöhten Stromverbrauch durch Licht, Scheibenwischer und Sitzheizung gelegen. Die Reichweite im Alltagsverkehr soll zwischen 130 und 160 Kilometer liegen.

Optional ist ein Reichweitenverlängerer (Range Extender) verfügbar, der in Amsterdam allerdings nicht getestet werden konnte. In dem Fall sorgt ein 2-Zylinder Benzinmotor für eine Verdoppelung der Reichweite. Ein 9-Liter-Tank wird dafür benötigt und natürlich der Benzin-Motor, der normalerweise in den BMW Rollern zum Einsatz kommt.

Das leise Fahrgefühl ist toll, eine Ruheoase mitten im stressigen Stadtverkehr. Durch die Rekuperation (Energiegewinnung durch das elektronische Abbremsen des Fahrzeuges) benötigt man im Stop&Go-Verkehr kaum die normalen Bremsen. Das Lenkrad liegt gut in der Hand, die Lenkung ist direkt – nur an den neuen Drive-Schalter (der mich an einen Joystick erinnert) muss man sich gewöhnen. Drei verschiedene Fahrmodi stehen zur Verfügung: Comfort, Eco-Pro und Eco-Pro+. Hier wird an Leistung gespart und somit die Reichweite verlängert.

Welcher Designer darf schon serienmäßig 19″ Felgen einsetzen? Optional gibt es sogar 20″ Felgen! Damit das noch im effizienten Rahmen bleibt, bekommen die schmalen Felgen allerdings auch nur schmale Reifen verpasst. Beeindruckend ist das Fahrgefühl, man erwartet eigentlich eine Mischung aus Kompakt-SUV und kleinem Van – bekommt aber, dank dem niedrigen Schwerpunkt (durch die Batterie), ein sehr ausgewogenes Fahrgefühl.

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Was steckt der BMW i3 weg?

Das Gepäckraumvolumen gibt BMW zwischen 260 und 1.100 Liter an, die Zuladung liegt bei etwas über 400 kg. Sind die beiden Rücksitze (ja, der BMW i3 ist ein reiner 4-Sitzer) umgelegt, stört keine Kante. Dank dem kleinen Wendekreis von 9,86 Metern wird er somit zum City-Flitzer! Im Innenraum überzeugt der BMW i3 durch viele Ablageflächen und 7 (sieben!) Getränkehaltern. In die vorderen Türtaschen passen sogar 1-Liter-Flaschen!

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Wie sieht es mit der BMW i3 Versicherung aus?

Ist der da nicht sehr teuer? In der Vollkasko wurde das Fahrzeug mit der Versicherungsklasse 18 eingestuft. Das liegt unter anderem daran, dass Front- und Heckcrashs über die Aluminium-Struktur abgefangen werden und somit leicht und kostengünstig zu reparieren sind. Das gilt natürlich auch für Bagatellschäden.

Wie teuer ist ein BMW i3?

Der Preis startet bei 34.950 Euro. Das ist – wenn man nicht gerade zwei grüne Daumen hat – nicht wirklich preisgünstig, dafür hat man dann allerdings ein Fahrzeug, welches polarisiert und auffällt. Ob der BMW i3 demnächst das Straßenbild der Metropolen verändert? Das werden wir sehen. In Amsterdam war der Anteil von Elektrofahrzeugen sehr hoch, was sicherlich auch an der Förderung liegt.

Wie wird ein BMW i3 geladen?

Ganz einfach! Entweder an öffentlichen Stromsäulen, an einer Wallbox oder halt via dem 220-Volt-Stromanschluss zu Hause. Die Ladezeit variiert zwischen einer halben Stunde und acht Stunden. Über eine iPhone-App kann man sich stets über den aktuellen Ladezustand des Fahrzeuges informieren und ggf. schon mal die Klimaanlage einschalten und somit das Fahrzeug im Winter vorheizen.

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Was haben die anderen Blogger über den BMW i3 geschrieben?

Mit vor Ort waren z.B. Benny Hiltscher, Lisa Schwarz und Jan Gleitsmann. Benny Hiltscher führt einen BMW-Blog, hat als Markenblogger trotzdem nicht die rosarote Brille auf. Auch Benny fuhr den in „Solar-Orange“ lackierten BMW i3: „Nicht unerheblich für BMW-Fahrer ist natürlich die Frage, was bei einem stärkeren Tritt aufs Fahrpedal passiert. Das Resultat ist allerdings überraschend unspektakulär: Bedingt durch die völlig “fehlende” akustische Untermalung – der Motor des BMW i3 ist selbst bei “Vollgas” kaum wahrzunehmen – merkt man lediglich durch den Druck der bequem gepolsterten Leichtbau-Lehne am Rücken, dass man gerade auf dem Niveau eines VW Golf GTI von der Ampel wegzieht. Traktionsprobleme konnten wir selbst auf nasser Fahrbahn nicht feststellen, was an einer künstlichen Limitierung der Motorleistung bei niedrigen Geschwindigkeiten liegen dürfte.“ – hier klicken um seinen kompletten ersten Eindruck zu lesen.

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Bei Lisa kann man sich inzwischen mehrere Fotos von dem BMW i3 ansehen und bei Jan gibt es wie immer ein Video.

Was bleibt mir zu sagen? Den Anspruch „Premium“ unterstreicht der BMW i3 nicht in allen Belangen, doch irgendwo musste scheinbar dann auch der Preis im Rahmen gehalten werden. Die „nachwachsenden Rohstoffe“ wirken teilweise wie Hartplastik, wer ausschließlich Soft-Touch mag wird sich hier nicht wirklich wohlfühlen. Wer sich allerdings für die Elektromobilität interessiert, der sollte den BMW i3 unbedingt mal Probe fahren. Die Empfehlung gilt dann allerdings auch für den Opel Ampera und den Nissan Leaf, denn am Ende entscheidet ja dann doch der Geschmack.

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