Ein ganz besonderer Gebrauchtwagen: Der Mercedes-Benz 190E

Der Mercedes-Benz 190E hat sogar noch einen Spitznamen. Baby-Benz wird er genannt und das Baby ist inzwischen nicht nur erwachsen, nein es ist sogar schon über 30 Jahre alt. Dementsprechend dürfen die ersten Modelle schon ein H-Kennzeichen tragen. Der 190er hieß übrigens stets 190er, egal welcher Motor unter der Haube verbaut wurde. Über 1,8 Millionen Fahrzeuge liefen in der knapp zehn-jährigen Bauzeit vom Band, damit zählt der 190er nicht nur zu den erfolgreichsten Modellen von Mercedes-Benz, nein er ist auch der Vorgänger der C-Klasse. Der Baby-Benz hat noch die interne Bezeichnung W201, mit dem W205 kommt nun demnächst als der Ur-Ur-Ur-Enkel auf den Markt.

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Geburtstage muss man feiern! Mercedes-Benz tat dieses an dem Ort, wo der Mercedes-Benz 190 einst Rekorde geschrieben hat. Es ging nach Nardo und ich muss gestehen, ich selbst war leider nicht vor Ort, kann euch aber dank MB-SocialMedia Fotograf Johannes Schlörb, ein paar Fotos zeigen.

Doch von was für einem Rekord spreche ich hier überhaupt? In Nardo gab es auch schon vor 30 Jahren eine Teststrecke: Ein 12,6 Kilometer langes Oval – mitten in Italien, dort wo im November auch noch 20 Grad herrschen können, im August sind es dort mehr als 40 Grad gewesen.

Eine Belastung für Mensch und Maschine? Mercedes-Benz fuhr gleich mehrere Geschwindigkeitsrekorde. Mit einem Durchschnittsgeschwindigkeit von 247 km/h ging es über über die Rennstrecke. Ein Geschwindigkeitsrekord nicht nur über 25.000 km, nicht nur über 25.000 Meilen – nein, über 50.000 km! Fünfzigtausend Kilometer! Wahnsinn, oder?

Man muss aber so ehrlich sein und sagen, dass dort Erprobungsfahrzeuge gefahren sind: Die 2.3 Liter 16V Motoren wurden etwas überarbeitet und auch die Ausstattung selber weicht etwas von der später serienmäßigen Ausstattung ab. So hatte das Fahrzeug, welches in Nardo den Rekord einfuhr, z.B. gar keinen Rückwärtsgang. Gefahren wurde auch nicht auf normalen Straßenreifen, sondern auf Semi-Slicks der Marke Pirelli. Auf einen Mittelschalldämpfer wurde verzichtet und der Tankinhalt betrug 160 Liter, weitere Modifikationen kann man bei den stets gut informierten Kollegen von fuenfkommasechs nachlesen.

Der Mercedes-Benz 190E 2.3-16 Rekordwagen zieht allerdings seine Leistung auch aus dem 4-Zylinder Motor. 185 PS liegen an und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 261 km/h. Mercedes wollte mit der Rekordfahrt die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der neuen Motorvariante und vor allem aber auch die Sicherheitsreserven des neuen Fahrwerkskonzepts demonstrieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ein anderer Hersteller diesen Test in der letzten Zeit wiederholt hat, das liegt aber auch vermutlich daran, dass wir inzwischen auf Grund des Umweltschutzes und der vergangenen Ölkrisen eher Spritsparrekorde aufstellen.

Ich habe mal kurz nachgerechnet: Ohne nun auf Verschleiß von Bremsen, Reifen und sonstigen Bauteilen einzugehen, wurden für diesen Testversuch alleine 11.000 Liter Kraftstoff durch den 2.3 Liter Motor in Kraft umgewandelt. Die Distanz von 50.000 km wurde übrigens innerhalb von 201 Stunden, also in knapp 8 1/2 Tagen, zurück gelegt. Mit über 5.800 km pro Tag würde  man vermutlich schon nicht mehr ein Vielfahrer, sondern eher ein Tiefflieger sein. Drei Fahrzeuge waren es damals, alle drei sind auch heute noch im Besitz der Daimler AG und ein Museums-Stück durfte nun mit weiteren Modellen nach Nardo und eine ganz besondere Ausfahrt erleben.

Solche Fahrzeuge müssen aber hin und wieder auch mal bewegt werden, sonst stehen die sich noch kaputt, oder? Standschäden gibt es übrigens wirklich, wer sich ein Fahrzeug kauft nur um es in die Garage zu stellen, der wird nicht lange Spaß daran haben. Spaß hatten wohl einige Teilnehmer in Nardo, auch wenn der Zeitplan wie immer straff und die Fahrzeit scheinbar zu kurz war. Peter Ruch, ein renommierter Schweizer Journalist, beschreibt hier ganz bildhaft den Tagesablauf ohne allerdings zu viel von den jeweiligen Fahrzeugen Preis zu geben.

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Dabei gab es doch so viel Schönes zu entdecken, zum Beispiel das Concept-Fahrzeug vom 190er, denn eigentlich sollte der 190er ein kompaktes Fahrzeug werden. Gut, dass sich die Jungs und Mädels von Mercedes-Benz das noch einmal anders überlegt haben, denn ob der auch so eine Erfolgsgeschichte hingelegt hat?

Erfolg hatte man bei Mercedes-Benz nicht nur im Vertrieb der 190er Baureihe, sondern auch im Rennsport. Bei der DTM erfolgreich, übertrug sich das sportliche Image auch auf die Serienmodelle und nicht nur bei dem von D&W in Bochum modifizierten 190er der in dem Film Manta Manta eine „tragische Rolle“ fuhr.

Das Fahrzeug verfügte übrigens nicht über einen 2.3 Liter 16V, auch nicht über einen 2.5 Liter 16V und es war auch kein Mercedes-Benz 190 Evolution, es ist einfach ein 190er gewesen, der durch ein Styling-Kit (Frontspoiler, Heckspoiler, Seitenschweller) modifiziert wurde.

Und unter der Haube? Vermutlich ein 2.0 Liter Benziner, aber das ist leider nicht überliefert. Die teilnehmenden Journalisten hatten scheinbar die Qual der Wahl, der normale 190er, der 190er als Diesel, doch eventuell der 2.3 16V oder gar der Evolution II? Wer die Mercedes-Benz Baureihe W201 verlassen wollte, durfte auf die C-Klasse umsteigen bis hin zum C63 AMG, war scheinbar alles vorhanden was vier Räder und einen Stern trägt. An diesem Tag wurde wieder Kraftstoff veredelt und auch wenn ich die Umwelt liebe, hin und wieder muss sowas einfach mal sein.

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Ordentlich abgeliefert hat allerdings Mercedes-Benz, denn auch wer sich heute noch für einen Gebrauchtwagen interessiert, der kann immer noch gute Mercedes-Benz 190 kaufen.

Achten sollte man auf die Hauben, auf die Schweller und auf die Türen. Dort kann man mal nach Rost suchen, das gleiche gilt für die tragenden Teile. Die Auspuffanlage gilt in der Regel als langlebig. Verschleiß gbt es bei den Bremsen, bei der Kupplung und das Differenzial macht ab einer Laufleistung von ca. 150.000 km Geräusche.

Wer sich für einen 190er mit Schiebedach interessiert, sollte überprüfen ob dieses auch ganz dicht ist. Sind Wasserspuren am Dachhimmel zu entdecken, kann man davon ausgehen, dass sich hier das Wasser den Weg sucht. Die Kugelgelenken der Querlenker sind so ein kleines Problemkind; sind diese ausgeschlagen, dann droht ein Radverlust – also auf Geräusche bei der Probefahrt achten oder kurz zum Fachmann fahren.

Kurz noch zur Modellgeschiche vom Mercedes-Benz W201: Im Novemeber 1982 kam der Mercedes-Benz 190 auf den Markt. Im Jahre 1988 gab es dann die Modellpflege, auch MOPF genannt. Ab dann gab es das Fahrzeug mit den (attraktiveren) Stoßstangen und Seitenbeplankungen.

In den letzten Jahren gab es noch ein paar Sondermodelle und im Jahr 1993 wurde der Mercedes-Benz 190 dann von der C-Klasse abgelöst, auf W201 folgte die interne Baureihe W202. Jetzt, im kommenden Januar wird bereits der W205 in Detroit vorgestellt, Kinder wie die Zeit vergeht!

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Fotos: © Johannes Schloerb / fuenfkommasechs

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