Auf der Suche nach dem perfekten Winterauto #01: Mercedes-Benz C180 für 1300 Euro?

Aktuell suche ich für mich selbst ein Winterauto. Im Familienverbund haben wir zwar einen Familienwagen, doch wenn meine Liebste mit diesem unterwegs ist, blicke ich teilweise in die Röhre. Was mir bei dieser Suche teilweise so passiert beschreibe ich nun auch mittwochs in der Gebrauchtwagen-Sektion, denn aus meinen Fehlern dürft ihr schließlich lernen. Gestern Abend durchstöberte ich wieder die einschlägig bekannten Gebrauchtwagen-Börsen und fand ein Fahrzeug…

…was auf dem ersten Blick ein Schnäppchen hätte sein können: Ein Mercedes-Benz C180 Esprit mit noch ein paar Monaten TÜV, einer Sitzheizung, einer Zentralverriegelung, einem Schiebedach usw. – nichts wie hin dachte ich mir heute und erlebte eine Enttäuschung.

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Vorweg habe ich mich natürlich informiert: In passenden Foren / Facebook-Gruppen nach den typischen Mängeln gesucht. Ich hätte mir beim W202 also das Schiebedach näher ansehen müssen, denn da brechen gerne mal die Führungen. Und auch die Federn vom Fahrwerk sind nicht immer in bester Verfassung.

Das Relais für den Wischer und die Heckscheibenheizung macht hin und wieder Ärger und wenn die Vorderachse poltert, dann liegt es in der Regel an den Traggelenken, den Lagern vom Stabilisator oder den Spurstangenköpfen. Die Scheinwerfer können undicht sein, der Tankgeber ungenau oder defekt und dann ist da noch die Sache mit dem Rost! Schloss, Griffleiste Kofferraumdeckel, Türkanten, Zierleisten, Dichtungen, Falzen, Kofferraumbleche usw. – viel zu entdecken also!

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Ich wusste, dass der 1.8 Liter Motor als robust gilt und dass ich mich eigentlich nur auf die Suche nach optischen Mängeln (Rost) und technischen Mängeln machen musste. Doch schon als ich beim Verkäufer (einem Händler) angekommen war, hörte ich: „Das ist ein Bastlerfahrzeug, ohne Gewährleistung, ohne technische Durchsicht…“ – komisch, davon stand in der Beschreibung nichts.

Also öffnete ich zunächst die Motorhaube und sah direkt auf dem ersten Blick: „Wartungsstau“ – die nächste Inspektion war schon fällig.

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Der Ölstand passte und kein Ölschlamm am Öldeckel ließ mich zumindest vermuten, dass der Motor nicht nur Kurzstrecke bewegt wurde. Der Blick auf die Bremsen hingegen zeigte mir, dass der Wagen schon ein paar Tage länger unbewegt stand. Da habe ich allerdings auch schon mal schlimmeres gesehen – aber auch hier müsste man mal die Hand anlegen.

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Der nächste Blick galt den Felgen, da blättert bereits der Chrom ab. Und die Reifen? Die haben auch schon zu viel Profil gelassen. Bis dahin immer noch keine Gründe, die mich dazu bewegt hätten, das Fahrzeug stehen zu lassen. Alles „Kleinigkeiten“, die man halt machen muss, der Teufel steckte hier im Detail:

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Die in der Überschrift noch beworbene „Zentralveriegelung“ funktionierte nicht, der Schlüssel passte auch nicht in das Heckschloss vom Mercedes-Benz C180. Von den beiden, eigentlich umklappbaren, Kopfstützen hinten funktionierte nur eine. Die elektrische Antenne fuhr nicht raus und der Türgriff der Beifahrerseite zeigte in den Innenraum.

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Die Tatsache, dass unterschiedliche Rückleuchten montiert waren, hätte ich auch noch hingenommen. Die Fensterheber und das Stahl-Schiebehebedach habe ich dann schon nicht mehr ausprobiert, denn nachdem ich den Motor startete und ich vorher schon gemerkt habe, dass die Kupplung nicht mehr ganz sauber trennt und die Auspuffanlage scheinbar schon das ein oder andere Loch hat, war für mich klar: Der bleibt stehen, den kaufst du nicht!

Zu viele Sachen hätte man machen müssen und ganz ehrlich, da macht es eher Sinn in anderen Preisgefilden zu schauen, denn sonst wird aus einem vermeintlichen Schnäppchen eher ein Groschengrab.

Beim obligatorischen Probelauf vom Motor stellte ich dann noch fest, dass dieser im Leerlauf abstirbt. Zunächst dachte ich: „Okay, der war kalt!“ – aber auch nach ein paar Minuten zeigte er diese Phänomen immer noch.

Ein absterbender Motor kann viele Gründe haben, vom falsch eingestellten Standgas über eine verschmutzte Drosselklappe bis hin zum defekten Steuergerät. Es könnten auch die Zündkerzen sein oder einfach die Tatsache, dass der Motor Falschluft zieht.

Bringen wir es auf den Punkt: An dem Fahrzeug gab es einiges zu tun, ein „schnell kaufen und morgen damit schon zur Arbeit fahren“ war nicht möglich. Das wusste auch der Verkäufer, der mir dieses anschließend bestätigte. Nicht falsch verstehen, ich weiß, dass man für den Preis von 1.300 Euro keine Wunder erwarten darf, doch bekommt man für genau diesen Betrag schon Fahrzeuge in einem deutlich besseren Zustand, dann allerdings vermutlich ohne Stern auf der Haube.

Hätte der Motor keine Probleme gemacht, hätte ich den Wagen mitgenommen! Der 122 PS starke 1.8 Liter Benziner in der C-Klasse ist zwar E10 geeignet, aber auch etwas schwach auf der Brust. Mit einem Verbrauch von 9-12 Litern muss man vermutlich rechnen, wenn man nicht immer den Sparfuß dabei hat. Das wäre aber für mich kein Grund, Abstand von diesem Fahrzeug zu nehmen und generell gesprochen war bei diesem  Mercedes-Benz C180 nun wahrlich nicht alles schlecht:

Die Karosserie hatte zwar ein paar Macken und der Lack ein paar Kratzer, dafür war aber auf dem ersten Blick Rost nur im Kofferraum (neben der Batterie) zu entdecken. Das ist gerade bei Fahrzeugen aus dem Jahre 1997 nicht unbedingt üblich, da kann man auch oft mehr stahlfreie Edelrost-Stellen entdecken.

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Der Innenraum war sehr sauber und es roch nicht wie ein Raucherfahrzeug. Der Kilometerstand von ca. 200.000 km schien zu stimmen und im Innenraum sah man dem Fahrzeug diese Fahrleistung nicht an. Das spricht für den Hersteller und den Vorbesitzer.

Was habe ich aus der Aktion gelernt? Beim nächsten Mal lasse ich mich nicht von den schönen Produktfotos täuschen und rufe vorher einmal an, um nach dem Stand der Technik bzw. bekannte Mängel zu fragen. Etwa 100 km bin ich nun umsonst gefahren – aber dafür um eine Erfahrung reicher: In der Realität ist nicht immer alles so schön, wie in den Anzeigen beschrieben!

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Übrigens was man unterlassen sollte, wenn man vorher anruft, ist die Preisverhandlung. Die macht man vor Ort, nach der Besichtigung. Ich hatte hier auf ein richtiges Schnäppchen gehofft und wurde somit leider enttäuscht, auf der anderen Seite bin ich mir bewusst, dass man so einen Mercedes-Benz vermutlich noch nicht für einen Preis von unter 2.000 Euro suchen sollte.

Die Suche geht also weiter, da ich bei der Marke nicht festgelegt bin, bleibt es sicherlich spannend. Um mich persönlich vor „Fehlkäufen“ zu schützen habe ich eine klare Regel definiert: „Findest du mehr als 5 Punkte, die dich stören, dann lass die Finger von dem Auto!“ – mit der Regel bin ich eigentlich stets gut gefahren…

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Falls ihr euch für einen Mercedes-Benz C180 interessiert, könnt ihr hier schauen, wie hoch der Versicherungsbeitrag ist.

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