Anleitung: Gebrauchtwagen verkaufen – so klappt es bestimmt…

Bis dato haben wir hier in der Rubrik ja immer an die Käufer gedacht, doch was ist eigentlich mit denjenigen, die ein Auto verkaufen wollen? Die sollten sich auch an ein paar ganz einfache Spielregeln halten, bzw. sich etwas Mühe geben, denn dann erzielt man in der Regel einen höheren Verkaufspreis.

In diesem Beitrag möchte ich euch also ein paar Tipps und Tricks rund um das Verkaufen von Automobilen geben. Wie ich darauf gekommen bin? Bei meiner Suche nach einem fahrbaren Untersatz habe ich Anzeigen gesehen, die nicht unbedingt verkaufsfördernd waren. Ich persönlich habe mir diese Fahrzeuge dann nicht einmal mehr angesehen, denn wie bei zwischenmenschlichen Beziehungen oder aber auch bei einem leckeren Essen isst das Auge mit beim Autokauf.

Wer also seinen Gebrauchtwagen verkaufen möchte, der sollte es nicht in der dunklen Garage fotografieren und auch nicht bei absoluter Dunkelheit davor. Es macht durchaus auch Sinn das Fahrzeug vorher mal zu waschen. Ich beschreibe nun einfach mal, wie ich agieren würde, wenn ich ein Auto verkaufen würde:

Als erstes würde ich das Fahrzeug komplett durchchecken, sprich Ölstand kontrollieren und sämtliche Beleuchtungseinrichtungen checken. Anschließend würde ich die Profiltiefe messen und mich auf die Suche nach Mängeln machen. Ehrlichkeit zahlt sich aus, wer sämtliche Mängel vorab deklariert hat diese bei der Preisverhandlung nur bedingt gegen sich. Also Mängel notieren und natürlich später auch fotografieren.

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Warum später? Weil wir das Fahrzeug zunächst natürlich erst einmal entmüllen, entrümpeln und aussaugen. Schaut dabei auch mal unter die Sitze. Anschließend geht es durch die Waschstraße bzw. in den Waschpark. Es macht durchaus auch mal Sinn, die Einstiege zu reinigen. Anschließend wird das Armaturenbrett gesäubert, von mir aus auch mit etwas Cockpitspray aufbereitet. Was fehlt noch? Richtig! Scheiben putzen! Innen und außen!

Frisch gereinigt möchte man das Fahrzeug schon fast nicht mehr hergeben. Ist es in dem Zustand, eignet es sich am besten für das Fotoshooting. Wie oben schon geschrieben: Ein Auto muss man sehen und nicht erahnen. Man braucht für schöne Auto-Fotos gar keine besonders gute Ausrüstung, denn das Foto macht immer noch der Fotograf und nicht die Technik.

Im Sommer beispielsweise Fotos aus dem letzten Winterurlaub zu zeigen, schafft genauso wenig Vertrauen, wie im Winter ein Foto aus dem letzten Frühjahr. Die Fotos sollten also aktuell sein, denn die Käufer wollen den aktuellen Zustand sehen.

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Das saubere Fahrzeug wird fotografiert, dafür reicht sogar ein Smartphone mit eingebauter Kamera. Macht ruhig die typischen Fotos, die auch die Automobilbranche verwendet. So ein Fahrzeug hat nämlich ein paar Schokoladenseiten: Schräg von vorne links, schräg von hinten rechts, Fotos von der Seite, Foto vom Motorraum, Foto vom Innenraum (Lenkrad, Armaturenbrett und Teil der Sitze sollte zu sehen sein) und gerne auch der Blick in den Kofferraum.

Nun wird es kritisch: Die Mängel müssen auch dokumentiert werden. Die kann man übrigens auch ganz gut egalisieren, in dem man z.B. auch das ausgefüllte Checkheft oder aber die Sonderausstattung fotografiert.

Anhängerkupplung? Schiebedach? Besondere Felgen? Sollte man fotografieren und auch im Text erwähnen.

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Stellt euch doch einfach mal vor, dass ihr das Fahrzeug bewerben solltet, so wie man sich selbst z.B. in einer Single-Börse oder bei einem neuen Arbeitgeber vorstellt. Da schreibt man ja auch nicht einfach nur „Mann, 33 Jahre alt, gut…“ – damit würde man doch nicht zum Ziel kommen. Beschreibt das Fahrzeug, die Technik, die Mängel und die Vorzüge. Kleines Beispiel gefällig?

Familien benötigen Platz! Scheckheftgepflegter VW Caddy aus erster Hand, der ideale Familientransporter mit zwei Schiebetüren und einer großen Heckklappe. Fahrer und Beifahrer freuen sich über die elektrischen Fensterheber und die Sitzheizungen. Alle Passagiere freuen sich über die Klimaanlage, die auch im Sommer das Fahrzeug gut runterkühlt und im Winter die Scheiben schnell beschlagfrei macht. Der 1.6 Liter Diesel Motor ist sparsam und günstig im Unterhalt. Die abnehmbare Anhängerkupplung wurde genau wie die 3. Sitzreihe (7 Sitzplätze) nur sehr selten benutzt. Der VW Caddy ist technisch in einem guten Zustand. An der Beifahrertür und an der Heckstoßstange sind, wie auf den Fotos zu erkennen, leichte Kratzer. Der Innenraum ist gepflegt. Geraucht wurde in dem Fahrzeug nicht. Aktuell sind Winterreifen aufgezogen, die zu einer Probefahrt herzlich einladen, für den Sommer gibt es noch 4 passende Reifen (auf Stahlfelge) dazu. Das Fahrzeug ist angemeldet und kann nach telefonischer Terminabsprache Probe gefahren werden.

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So würde ich unser Fahrzeug beschreiben und es liest sich so sicherlich einladender als: VW Caddy, AHK, NR, 7 Sitze, KLIMA, TÜV NEU, oder? Ich würde auch nicht mit vordefinierten Textbausteinen arbeiten.

Garniert werden muss die Anzeige natürlich auch mit sämtlichen Daten, die man teilweise auch in den Fahrzeugbörsen übernehmen kann. Die Erstzulassung ist wichtig, die Leistung, der Antrieb, die Art von Getriebe und natürlich die Angabe vom Kilometerstand. Steht der Wagen dann erst einmal online, dann heißt es „ruhig bleiben“.

Ich kenne das Geschäft etwas, kaum steht die Anzeige drin wird man „bombardiert“. Mir selbst ist es mal passiert, dass ich gerade die Anzeige veröffentlicht hatte und schon klingelte das Telefon. Der Grund dafür sind Programme, die Fahrzeuge nach bestimmten Schlüsselbegriffen aussuchen und dann direkt dem potenziellen Aufkäufer melden. Die Jungs sind auf Zack, wollen aber möglichst wenig bezahlen.

Also werden die z.B. sagen: „14.000 Euro ist viel zu teuer, ich gebe 9.500!“ – nun bloß nicht anfangen zu grübeln, ruhig bleiben und abwarten. Diese Aufkäufer haben Interesse an dem Fahrzeug, das ist gut, denn dann haben es auch andere Käufer. Schließlich möchten die ein gutes Geschäft machen und der Gewinn liegt da natürlich im Einkauf. Online stellen würde ich das Fahrzeug auf zwei oder drei Plattformen gleichzeitig, denn dann ist er auch schnell vom Hof (wenn die Nachfrage und der Preis stimmt).

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Wie ermittelt man eigentlich den Preis? Wer einen Gebrauchtwagen verkaufen möchte, kann sich entweder über die Schwacke- oder DAT-Liste einen Preis suchen oder sich einfach am Markt orientieren. Sucht doch einfach mal euer Fahrzeug in den einschlägig bekannten Verkaufsplattformen, dann habt ihr schnell raus, was zu günstig und was zu teuer ist.

Fakt ist: Private Anbieter sollten günstiger sein als die Angebote vom Händler. Der Grund liegt auf der Hand, der Händler gibt noch Gewährleistung, bzw. ist dazu verpflichtet. Wer zu günstig war, erkennt das meistens daran, dass das Fahrzeug bereits am ersten Tag verkauft wurde.

Lasst euch nicht auf Preisverhandlungen am Telefon ein. Die potenziellen Käufer sollen sich das Fahrzeug ansehen und sich von der „Qualität der Ware“ überzeugen. Dass etwas verhandelt werden muss, das liegt auf der Hand. Pfiffige Verkäufer kalkulieren das mit ein oder legen später noch etwas oben drauf, wie z.B. die Dachgepäckträger mit der Ski-Box oder dem Satz Alufelgen.

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Achtung: Beim Verkauf nicht den Verkaufsvertrag vergessen und ggf. besorgt ihr euch auch einen „Stift“ mit dem man Falschgeld entdecken kann. Bei größeren Bar-Summen macht es ggf. Sinn, das Geld zusammen mit dem Käufer zur Bank zu bringen. Wer nichts zu verbergen hat, wird diese Maßnahme sicherlich auch verstehen. In dem Verkaufsvertrag gehören alle „Absprachen“ und natürlich auch die Mängel.

Nun wünsche ich euch viel Erfolg beim Autoverkauf. Die hier in diesem Artikel gezeigten Fotos sind übrigens alle mit einem (nicht mehr ganz so aktuellem) Smartphone entstanden, man muss also nicht über eine Profi-Ausrüstung verfügen, um ansprechende Fotos zu erstellen.

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