Der Nissan Bluebird und das Autobahn-Denkmal!

Komischer Titel, oder? Dieser Beitrag wird auch etwas anders, etwas persönlicher. Denn ich habe zum zweiten Mal etwas in meinem Leben gemacht, was man „eigentlich nicht machen sollte“. Ich habe nicht den Kopf, sondern das „automobile Herz“ entscheiden lassen. Wie ich nun meinen „Winterwagen“ gefunden habe und was ein Autobahn-Denkmal ist, lest ihr jetzt.

Kennt ihr eigentlich einen Nissan Bluebird?

In Deutschland kam der Vorgänger vom Nissan Primera im Jahre 1972 auf den Markt. Sein eigentliches Debüt feierte der Datsun (so hieß die Marke damals noch) 1600 im Jahre 1967 auf der Tokyo Motor Show. Unter der Haube schlummerte damals ein 1.6 Liter 4-Zylinder mit 80 PS. Ein Jahr später wurde das Modell von der 2. Generation abgelöst. Von 1973-1977 fertigte man den Datsun 180A, der auch schon als Bluebird bezeichnet wurde. Unter der Haube? Ein 1.8 Liter 4-Zylinder Benziner mit 88 bzw. 89 PS. Die Europapremiere fand damals in Genf statt, das Facelift feierte im Jahr 1975 in Frankfurt auf der IAA seine Premiere.

Ihr seht schon, die Messen, die auch heute noch relevant sind, gab es damals auch schon. Die 3. Generation nennt man Datsun 180B, diese wurde im Jahr 1980 von der 4. Generation abgelöst. Die hieß dann Datsun Bluebird. Unter der Haube fand man entweder einen 1.8 Liter Benziner mit 88 bzw. 90 PS oder einen 2.0 Liter Diesel mit 60 Pferdestärken. Zu Preisen ab 13.795 DM gab es damals eine Limousine, einen Kombi und ein Bluebird Coupe.

Die 5. Generation firmierte dann schon unter dem Namen Nissan. Der Nissan Bluebird hatte dann einen 2.0 Liter Motor mit 102 bzw. 1005 PS unter der Haube, doch auch Selbstzünder mit 58 bzw. 67 PS wurden noch angeboten. Ab dem Jahre 1987 waren die Benziner ausschließlich mit einem geregelten Katalysator erhältlich. Das gilt natürlich auch für die 6. und letzte Generation vom Nissan Bluebird. Den gab es als Stufenhecklimousine mit 4 Türen, als fünftüriges Schrägheckmodell oder als Kombi. Unter der Haube gab es den 2.0 Liter Benziner mit 105 PS, den 1.8 Liter 16V mit 129 PS (Nissan Bluebird Grandprix) oder den 2.0 Liter Diesel mit 67 PS. Zu Preisen ab 22.995 DM ging es im Jahr 1988 los.

Die Bluebird Reihe endete im Jahre 1990 mit der Einstellung im Oktober. Er wurde vom Nissan Primera abgelöst.

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Bei der Suche nach einem „Winterauto“ für mich und meine Bedürfnisse habe ich einen Faktor nicht beachtet: „König Zufall“! Nachfolgende Geschichte ist komplett wahr:

Ich kam von der letzten Gebrauchtwagen-Schau (Ihr erinnert euch? Der Mercedes-Benz?) zurück und war immer noch etwas enttäuscht. Die Tochter meiner Nachbarin war vor Ort und wir kamen kurz ins Gespräch. Ihrer Mutter gehört das Haus neben uns. Das Haus steht leer, die Mutter wohnt inzwischen gut betreut. „Das Haus ist nun übrigens verkauft…“ sagte sie und teilte mir weitere Informationen zu den neuen Besitzern mit. Ich freue mich also auf nette, neue Nachbarn und fragte ob ich bei irgendwas helfen könnte. Wie ein Blitz schoss mir auf einmal ein Gedanke durch den Kopf: „Was ist denn mit dem roten Auto in der Garage?“

Ich muss gestehen, dass ich die ältere Damen zwar früher mal mit dem Wagen hab fahren sehen, doch aus den Augen aus dem Sinn. Der Wagen stand nun bereits ein paar Monate abgemeldet in der Garage. Er war seit 22 Jahren quasi in „Erstbesitz“ und meine Nachbarin wollte sich von dem „Wagen ihres Mannes“ nicht einfach so trennen. „Möchten Sie den haben? Meine Mutter würde sich sicherlich freuen, wenn der nicht…“ – „…der wird nicht verschrottet!“ hörte ich mich sagen und man wurde sich schnell handelseinig. Ich habe das Fahrzeug blind gekauft. Ich wusste zu dem Zeitpunkt weder was für ein Motor, noch wie alt und auch an die Farbe konnte ich mich nur noch entfernt erinnern.

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So ähnlich hatte ich damals schon mal ein Auto gekauft, ich fuhr es elf Jahre lang. Hab also durchaus gute Erfahrungen gemacht mit derartigen Käufen, doch dieses mal ist es kein Vorführwagen. Dieses mal ist es ein Youngtimer. Der Nissan Bluebird hat den 2.0 Liter Benziner unter der Haube, ein paar Kratzer im verblichenen Lack und ansonsten? Zeigt er sich fast im Bestzustand! Von der Ausstattung träumen heute einige Kleinwagenbesitzer: Lenkradverstellung, höhenverstellbarer Gurt, elektrische Fensterheber vorne und hinten (die kann man beim aktuellen Nissan Micra nicht für hinten bestellen), Zentralverriegelung, elektrisch einstellbare Spiegel, Drehzahlmesser, Sitzhöhenverstellung, Kofferraum mit Fernentriegelung, umklappbare Rücksitze – ihr merkt schon, ich komme ins Schwärmen!

Ein Mann ein Wort, der Nissan Bluebird (inzwischen hat er den Spitznamen Birdy bekommen) wird nicht verschrottet, er wird angemeldet, gefahren und in Ehren gehalten, denn er hat erst knapp über 100.000 km auf dem Tacho. Kleinere Mängel hat er natürlich auch, einige sind optischer, andere technischer Natur. Doch wir reden hier über ein 23 Jahre altes Fahrzeug, welches sofort – nachdem ich die Batterie aufgeladen hatte – ansprang. Die ersten 200 km musste der alte Motor noch etwas „husten, poltern“ und sich mal etwas strecken. Wir kennen das von uns, wer den ganzen Tag auf dem Sessel saß, muss sich auch einmal strecken. Nun läuft er rund, hält sein Standgas und nimmt auch ordentlich Gas an.

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Was für ein Fahrspaß!

Ganz ohne elektrische Helfer ging es durch die Stadt, über Land und natürlich auch auf die Autobahn. Ab Geschwindigkeiten von 130/140 km/h wird er dann doch etwas lauter. Inzwischen hat man auch bei Nissan schon etwas an der Innenraumdämmung getan. Früher war halt doch nicht alles besser, denn durstig ist der Nissan Bluebird natürlich auch.

Ich befürchte, so eine Perle wie ich nun habe, findet man nicht mehr so häufig. Wer sich dennoch für das Fahrzeug interessiert, der sollte wissen, dass es nicht mehr viele Modelle und dementsprechend auch nicht mehr viele Ersatzteile für das Fahrzeug gibt. Verschleißteile wie Bremsscheiben für vorne, Bremsbeläge für die Trommeln hinten, Stoßdämpfer oder eine Auspuffanlage gibt es allerdings noch und sogar von Zuliefer-Betrieben. Bei spezifischen Teilen kann der freundliche Nissan-Händler noch auf die Ersatzteil-Tauschbörse setzen, denn irgendwo schlummern dann doch noch die Ersatzteile.

Ein typischer Mangel bzw. eine bekannte Fehlerquelle beim Nissan Bluebird ist das Getriebe. Hier kann ich hoffen, denn vor 30.000 km kam in „meinen“ Nissan Bluebird ein Austauschgetriebe hinein.

Blind und ohne Probefahrt ein Auto kaufen? Sollte man nicht tun, auch wenn ich beim zweiten Mal wieder verdammt viel Glück gehabt habe.

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Kommen wir zum Autobahn-Denkmal

Dort sind die Fotos entstanden. Kein Witz! Die Brücke die ihr hier im Hintergrund sehen könnt, ist eine Straßenbrücke, die von 1938 bis 2012 die A2 überquerte. „Die Brücke aus der Frühzeit des deutschen Autobahnbaus ist bedeutend für die Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse […], da sie einen wichtigen technischen Entwicklungsschnitt im Spannbetonbau dokumentiert.“ – so steht es im Denkmalbescheid! Wer die Brücke mal besuchen möchte (man kann diese auch begehen) muss auf der A2 in Richtung Berlin fahren, direkt nach Beckum kommt die Raststätte „Vellern“ und dort findet man das ungewöhnliche Denkmal. Unter der Brücke fuhr auch schon früher mein Nissan Bluebird, nämlich immer dann, wenn meine ehemalige Nachbarin ihre Tochter in Düsseldorf besucht hatte.

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Ich habe der Dame gerade einen freundlichen Weihnachtsgruß geschickt und das möchte ich nun auch hier tun. Ich wünsche euch ein besinnliches Weihnachtsfest 2013. Da der Weihnachtsmann allerdings auch keine Pause machen darf, erscheint am kommenden Mittwoch hier auch wieder ein Gebrauchtwagen-Artikel. Es geht um richtig große Schlitten, die man gebraucht kaufen kann und am kommenden Freitag habe ich dann noch einen passenden Neuwagen-Artikel für euch. Lasst euch reich beschenken und immer auch mal an die Anderen denken, dann ist an alle gedacht.

Ein ganz anderes Problem habe ich nun! Der Nissan Bluebird ist mir als Winterauto viel zu Schade, die Suche geht also weiter…

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