Irrwege der mobilen Evolution – Dampfmaschine als Autoantrieb

Bei dem Video zählt in erster Linie die Tonspur. Einfach im Hintergrund die Dampfmaschine pfeifen und stampfen lassen und weiterlesen.

Unvergessen: der Bömmel!

Ok, hier eine kleine Gedächtnisstütze:

„Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de Dampfmaschin. Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später.“

Hans Pfeiffer konnte es nicht begreifen, daß die Klasse nicht losbrüllte. Auch daran war man offenbar gewöhnt. Der Physiker aber fuhr fort:

„Und wenn die jroße schwarze Raum Räder hat, dann es et en Lokomotiv. Vielleicht aber auch ein Lokomobil.“

Also, jetzt sind alle wieder bei mir.

Der Bömmel hätte es besser wissen können, er war ja alt genug und obendrein Lehrer. Was er unterschlug?

Autos, von einer Dampfmaschine angetrieben, die echten Klassiker. Als Frau Benz damals ihre Ausfahrt unternahm, waren diese schon weit mehr als 100 Jahre auf den Straßen unterwegs. Im Jahr 1771, Napoleon machte noch in die Windeln und das ancien regime feierte seine Orgien, ließ ein Herr Cugnot sein Gefährt auf die Menschheit los:

Fardier de Cugnot

So sah es aus, nicht unbedingt schnittig, aber parkplatztechnisch auch nicht schwerer unterzubekommen als ein Vierspänner. Der Fahrversuch soll schiefgegangen sein, erste Fahrt, erster Unfall… aber es war beweisen: es geht auch ohne Pferd!

Im 19. Jahrhundert verbreiteten sich dann sauriergroße „Lokomobile“ in den industrialisierten Gegenden der Erde. Diese großen fahrbaren Dampfmaschinen wurden in der Landwirtschaft benutzt (Dreschmaschinen, die von Ort zu Ort fuhren) wie auch halbstationär, um über einen längeren Zeitraum an bestimmten Ort als Generator zu arbeiten.

Und Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie kleiner, es gab Dampfwagen – die berühmtesten waren die Stanley Steamer aus den Staaten. Der erste Wagen, der die 200 km/h knackte (1906!), Mordsdrehmoment, nur das typische Lokomotivengeräusch.

Stanley Steamer

Es gab sie immerhin bis 1927 neu zu erwerben – Aber, ein großes AAABER: zu kompliziert, zu unpraktisch… die Idee zog nicht…

Ein ganz besonderer dieser Stanleys ist auf dem Markt, eine Replica des Vanderbilt Cup Racers von 1906:

Jay Leno, einer der bekanntesten Autosammler, hat übrigens den originalen…und wer ein paar Minuten Zeit hat, kann hier sein Video genießen – kurzweilig, mit Technikinfos, Feuer und Dampf!

P.S.:

Bei weiterem Interesse sei ganz dringend ein Besuch im Automuseum Melle bei Osnabrück empfohlen, dort steht nämlich eine Replica!!!

Cockpit der Stanley Steamer Replica im Museum Melle

 P.P.S.: In der Entwicklung gabs ja nicht nur den Irrweg der Dampfmaschine, sondern auch noch einige andere ungewöhnliche Ideen wie zum Beispiel den Propellerantrieb. Bald dazu mehr!

Fotoquellen:
Fardier de Cugnot: Thesupermat, Wikimedia Commons
Stanley Steamer: Huwmanbeing, Wikimedia Commons

 

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