Fahrbericht: Nissan Micra 1.2 DIG-S 2014

Nissan spricht beim neuen Micra nur von einem Facelift. Denn der Neue basiert auf der vierten Generation (dem Nissan Micra K13), zeigt sich dennoch optisch und technisch aufgewertet. Auf dem ersten Blick sieht er aus wie ein Nachfolger. Optische Unterschiede sieht man beispielsweise an der Front und an der neu gestalteten Heckpartie. Auch im Innenraum zeigt sich der neue Nissan Micra aufgewertet, wenn gleich er dort auch nicht frei von Fehlern ist. Bei einer ausgiebigen Probefahrt habe ich mir den Kleinstwagen mal genau angesehen.

Das gefahrene Fahrzeug zeigte sich mit einem großen Panorama-Glasdach, dieses macht den Innenraum schön hell und sorgt somit für ein einzigartiges Raumgefühl. Personen bis zu einer Größe von 1,75 Meter dürften im Nissan Micra keine Platzprobleme haben. Größere Fahrer und Mitfahrer bringen das Platzangebot dann zum platzen.
Der Nissan Micra gilt ja als „typisches Frauenauto“, doch wird er diesen Anspruch eigentlich gerecht? Wenn man ein Frauenauto dadurch definiert, dass er klein und wendig ist, dazu noch attraktiv und spritzig, dann ist der Nissan Micra ein Frauenauto. Wer allerdings ein Schminkspiegel als Voraussetzung sieht, der wird sich über die fehlende Beleuchtung aufregen. Ganz und gar nicht aufregend ist der 98 PS starke 1.2 Liter 3-Zylinder.

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Der Direkteinspritzer mit Kompressoraufladung dröhnt nur bei höheren Geschwindigkeiten. In der Stadt ist der Nissan Micra kompakt und leicht zu manövrieren. Während man vorne auf elektrische Fensterheber zurückgreifen kann, müssen die Passagiere auf den hinteren Sitzplätzen noch kurbeln. Auch optional gibt es dort keine elektrischen Fensterheber.

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Attraktiv finde ich die Veränderungen am Exterieur. Der neue Kühlergrill, die neue Haube mit den geänderten Kotflügel und den neuen Scheinwerfern. Der neue Nissan Micra wirkt vorne stimmig und die optische Aufwertung zeigt sich auch am Heck. Dort sind die neuen Heckleuchten mit LED-Technik das Highlight. In den Radkästen drehen sich optional 15“ oder 16“ Felgen.

Stolz ist man bei Nissan auf das neue Infotainmentsystem. Das Display ist mit einer Größe von 5,8“ ausreichend dimensioniert und natürlich steht auch im Nissan Micra das neue „Nissan Connect“ Assistenzsystem zur Verfügung. Nissan Connect? Eine Art „Navi 2.0“ – aufgewertet mit cleveren Funktionen. So kann man z.B. die Route zuhause planen und sich ins Fahrzeug schicken. Das Navigationssystem verfügt mit dem Nissan Connect auch über die „Eco-Routing“ Funktion. In dem Fall wird automatisch die vermeintlich verbrauchsärmste Route gewählt. Sehr angenehm ist auch die Anzeige der Spuren auf der Autobahn. Mit einer farbigen Grafik werden die Nissan Micra Fahrer/innen auf die richtige Spur gebracht.

Nissan gibt den NEFZ-Verbrauch mit 4,3 Liter an. Ich möchte nicht verschweigen, dass man diesen Wert auch verdoppeln kann, wenn man den Nissan Micra in seine Grenzbereiche bringt. Dafür ist so ein Fahrzeug natürlich nicht ausgelegt, aber das Fahrwerk zeigte sich auch auf der Autobahn sehr gutmütig abgestimmt. Kaum Seitenneigung und auch längere Bodenwellen wurden einfach gut abgedämpft.

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Der neue Nissan Micra ist ein Weltauto. Er wird in vier Werken gefertigt und in 56 verschiedene Länder verkauft. Die Fahrzeuge die nach Deutschland importiert werden, kommen aus Indien. Der Nissan Micra ist in zehn verschiedenen Außenfarben erhältlich. Es gibt ihn in drei verschiedenen Ausstattungen: Basis = Visia, Mittel = Acenta und die Top-Version Tekna. Während der neue Nissan Micra noch auf 14“ Stahlfelgen ausgeliefert wird, besticht der Acenta bereits durch die serienmäßigen 15“ Aluminium-Felgen. Die Topversion verfügt über Luxus-Features wie z.B. eine Klimaautomatik, Keyless-Go und elektrisch anklappbare Außenspiegel.

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Das Kofferraumvolumen beträgt 265 Liter, umgeklappt beträgt das Volumen 605 Liter bis zur Scheibenunterkante und 1132 Liter bis zum Dachhimmel beladen. Der Kofferraum ist gut nutzbar. Im Vergleich zum Vorgänger hat Nissan auch einige Fehler ausgemerzt. Die Gurtlänge hinten ist jetzt ausreichend für die Befestigung von Kindersitzen. Die Gurtpeitschen hingegen sind leider nicht steif und es sind auch keine Haltegriffe vorhanden, die den Einstieg erleichtern könnten.

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Mit einem Einstiegspreis von 11.250 Euro ist der neue Nissan Micra etwas teurer als der direkte Vorgänger, in der Basisversion steht der 1.2 Liter Benziner mit 80 PS zur Verfügung. Ich würde zur Kompressor-Version mit 98 PS raten. Auch wenn man hier wahlweise auf ein manuelles Schaltgetriebe oder ein Automatikgetriebe zurückgreifen kann, würde hier das manuelle Fünfgang-Getriebe meinen Vorzug bekommen. In unserem Fahrzeug war das Schaltgetriebe etwas hakelig, das mag aber auch dem Umstand geschuldet sein, dass es vielleicht ein Vorserienmodell gewesen ist. Das „Klavierlack-Finish“ im Innenraum ist recht anfällig für Fingerabdrücke, lässt man aber die Hand am Lenkrad dann kann man von dort das Fahrzeug gut bedienen.

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Fazit: Wer mit dem Platzangebot auskommt, der darf sich den neuen Nissan Micra durchaus mal ansehen. Mit einem Wendekreis zwischen 9 und 10 Metern wird der überschaubare Micra zum Cityflitzer und genau da gehört er hin, sein Revier ist die Stadt.

Was sagen die anderen?

Meine Freundin ist das Fahrzeug auch für ein paar Tage gefahren, sie war angetan vom Anzug des Nissan Micra und vor allem vom Infotainmentsystem: „Das Radio war toll, endlich mal ein Gerät, welches man sofort und ohne Probleme bedienen kann. Auch die Verbindung von Smartphone / iPhone und Micra stellte für mich kein Problem dar.“

Jan Gleitsmann fuhr ebenfalls das gleiche Modell. Auch Jan bat ich um ein Zitat: „Für mich der Micra das perfekte Studentenauto. Zur Not kann man auch zu fünft kurze Strecken zurücklegen, mit der umgeklappten Rücksitzbank hat man genug Platz, um umzuziehen oder alle Wäsche mit in die alte Heimat zu nehmen. Als Zweitwagen für Familien bietet sich eher der Nissan Note an.“

Sarah Sauer ist eine junge, aufstrebende Journalistin und ich bin froh auch von ihr ein Statement zum neuen Nissan Micra bekommen zu haben: „Mit dem neuen Nissan Micra sind all diejenigen gut bedient, die ein reines Stadt- und Landauto benötigen: klein und wendig, gutes Infotainment-System inklusive Navigation. So praktisch dafür sein kompaktes Format ist, muss auch klar sein: Die Besitzer sollten keinesfalls größer als 1,80 Meter sein, sonst wird es unkomfortabel für Knie und Kopf – vorne wie hinten. Apropos Komfort: Dafür, dass unser Testwagen mehr als 18.000 Euro kostet, fallen eine fehlende Innenbeleuchtung hinten sowie fehlende Haltegriffe oder Garderobenhaken sowie kaum vorhandene Verstauungsmöglichkeiten eher negativ ins Gewicht. Der Beifahrersitz hat auf seiner Rückseite ein Netz – wieso nicht auch der Fahrersitz? Zudem hat im hinteren Bereich nur noch eine kleine Flasche Platz im Getränkehalter. Wirklich Platz bietet einzig der Kofferraum, insbesondere dann, wenn die zweigeteilte Rücksitzbank umgeklappt wird. Kein Auto für lange Reisen also, zumal der dreizylindrige Motor bei hoher Geschwindigkeit recht laut wird, aber ein Auto für Großeinkäufe und „mal eben zu Oma fahren“.“

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