Mitsubishi Colt gebraucht kaufen? Fahrbericht, Test, Kaufberatung…

Die Produktion des Mitsubishi Colt wurde im Jahre 2012 eingestellt. Seitdem gibt es den Mitsubishi Space Star, der das Kleinwagen-Segment bedienen soll. Warum der Mitsubishi Colt, vor allem ein Fahrzeug der letzten Baureihe, als Gebrauchtwagen interessant ist? Das erfahrt ihr jetzt!

Rein praktisch betrachtet bekommt man in einem Mitsubishi Colt alles, was man benötigt und das klar strukturiert. Der Blick auf den Tacho wird nicht durch irgendwelche Design-Elemente abgelenkt, der Fahrer sitzt auf bequemen Sitzen, fasst an ein Lenkrad, welches gut in der Hand liegt und das sogar über Fernbedienungs-Tasten für das MP3-Radio und den Tempomaten verfügt.

Etwas Luxus gefällig? Klar: elektrische Fensterheber vorne, elektrisch einstellbare Spiegel, eine Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer und dafür, dass es einem im Sommer nicht zu heiß wird, gibt es eine Klimaanlage – der Preis? Der war schon als Neuwagen auf Gebrauchtwagen-Niveau und nun als Gebrauchtwagen wird der Mitsubishi Colt erst so richtig interessant.

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Ich würde mich für einen 95 PS starken 1.3 Liter ClearTEC entscheiden. Den gab es damals in der Sonderausstattung wie oben beschrieben für ca. 13.000 Euro. Beim letzten Facelift gab es auch noch die sogenannte „Jet-Fighter-Front“ von der sich Mitsubishi inzwischen leider wieder verabschiedet hat. Gute Designs kommen, gute Designs gehen – in diesem Fall fahren die guten Designs – nämlich in Form des Mitsubishi Colts.

Mit den 95 PS wird der Mitsubishi Colt nicht zum Sportwagen, aber für die Stadt ist der knapp 3,95 Meter lange Colt ausreichend motorisiert. Auch auf der Landstraße macht das Fahrwerk einen guten Eindruck, nur lassen die Sitze in etwas schneller gefahrenen Kurven etwas Seitenhalt vermissen, in dem Fall neigt sich das Fahrzeug dann auch etwas.

In der Stadt überzeugt er durch seinen ruhigen Innenraum und das komfortabel abgestimmte Fahrwerk. Übertreibt der Fahrer, dann schiebt der Mitsubishi Colt über die Vorderachse, aber das tut jeder Fronttriebler, wenn man es übertreibt, egal ob mit 45 oder mit 95 PS. Eventuell liegt es aber auch an den rollwiderstandsoptimierten Reifen, die beim ClearTec Modell verbaut wurden, um Kraftstoff zu sparen. Der Mitsubishi Colt verfügt dafür nämlich auch über ein Start-Stop System.

Ihr merkt schon, eigentlich verfügt das Fahrzeug über viel Luxus zum kleinen Preis.

Doch wie sieht es mit dem Verbrauch aus? Dieser dürfte zwischen 5-7 Litern liegen, je nach Fahrweise. Auf meiner NEFZ-Prüfstrecke habe ich es geschafft den NEFZ-Wert mit einem Verbauch von  4,8 Liter auf 100 km zu unterbieten, der Wert ist also möglich, aber in der Praxis schlecht umsetzbar.

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Das Fünf-Gang Getriebe (manuell) ist gut abgestimmt, die Schaltwege sind kurz und knackig. Gangwechsel können so schnell realisiert werden. Lobend erwähnen möchte ich die Sitzhöhenverstellung für den Fahrer! Fahrer und Beifahrer können sich über ausreichend Platz sowieso nicht beschweren. Hinten geht es dann – der Form und der Fahrzeugklasse geschuldet – etwas enger zur Sache, aber 4 Personen können ohne Probleme mit dem Mitsubishi Colt unterwegs sein.

In den Kofferraum gehen in dem Fall dann auch noch ca. 160 Liter hinein. Unter einer Ablage versteckt sich noch weiterer Stauraum. 2 Getränkekisten kann man ohne Probleme transportieren und wenn man die Rücksitzbank umlegt, steigert man das Volumen auf über 1.000 Liter.

Aufpassen sollten größere Menschen! Die Heckklappe öffnet nicht sehr hoch und hat spitze Kanten.

Kommen wir ganz kurz zu weiteren Fakten:

Der Mitsubishi Colt 1.3 Cleartec, verfügt über fünf Sitzplätze. Hinten sehe ich persönlich aber eher zwei Erwachsene oder drei Kinder. Kindersitze lassen sich montieren, entweder durch ISO-Fix oder durch die normale Gurtbefestigung. Die Gurte sind dafür lang genug. Aufpassen muss man wegen den kürzeren Hecktüren, die das Hineinsetzen der Kinder teilweise etwas erschwert.

Der fünftürige Kleinwagen verfügt über eine Länge von 3,94 Meter, ist 1,70 Meter breit (ohne Außenspiegel) und 1,55 Meter hoch. Damit dürfte er in jede normale Garage passen. Mit einem Radstand von 2,50 Meter bietet er den Insassen den meisten Platz.

Dank einem Leergewicht von nur 1.050 kg beschleunigt der 1,3 Liter Vierzylinder Benziner den Mitsubishi Colt Cleartec innerhalb von 10,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit ist bei ca. 180 km/h erreicht.

Ich empfehle eine Reisegeschwindigkeit von ca. 130 km/h auf der Autobahn. Bei dieser Geschwindigkeit ist die Geräuschentwicklung noch positiv leise und man kann sich im Innenraum sehr gut unterhalten. Das maximale Drehmoment liegt bei 4.000 Umdrehungen pro Minute an und es beträgt 125 Nm.

Der Wendekreis liegt bei ca. 11 Metern und fällt damit etwas aus dem Rahmen, denn in der Regel schafft es ein Kompaktwagen in 10 Metern. Wenden in drei Zügen klappt aber ohne Probleme, auch wenn man nach hinten gerne etwas mehr Übersichtlichkeit vertragen könnte. Die Anhängelast beträgt ungebremst/gebremst 500 kg/1.000 kg und auf Grund der Dachlast von 50 kg könnte man dort auch noch einen Fahrradträger montieren.

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Genug der Zahlen, jetzt wird es emotional!

So ein Fahrzeug muss ja gefallen! Doch schaut man beim Automobilkauf oft nur auf das Äußere! Das geht mir übrigens genauso. Ein kluger Mann sagte mir jedoch: „Ich sitze doch als Fahrer im Auto, da muss der gut aussehen, bzw. zu mir passen…“ – da ist was dran, oder?

Im Innenraum wirkt der Mitsubishi Colt nüchtern und aufgeräumt. Man könnte ihm günstige Werkstoffe nachsagen, doch jetzt mal unter uns: Was erwartet man denn für den Preis? Ich hatte euch ja gerade schon von der reichhaltigen Ausstattung erzählt, von dem gut abgestimmten Fahrwerk (für die Stadt) und von dem Platzangebot im Innenraum. Dafür musste man bei anderen Herstellern bereits als Neuwagen einen saftigen Aufpreis bezahlen.

Für Neuwagenkäufer sicherlich negativ: Der Mitsubishi Colt ist nicht gerade wertstabil. Darauf achten sollte man, wenn man sich für ein Sondermodell ab „Invite“ interessiert, denn da waren ESP und Kopfairbags schon serienmäßig verbaut. Wenn man sich für ein anders Modell entscheidet: Auf ESP würde ich nicht verzichten wollen. Wisst ihr eigentlich was das ESP ist und was es macht?

Unter ESP versteht man das Elektronische Stabiliätsprogramm. Hier wird durch das Abbremsen von einzelnen Rädern eine Quer- bzw. Längsstabilisierung realisiert. Verhindert werden soll das Schleudern des Fahrzeuges um die eigene Achse.

Für diese Fahrdynamik-Regelungen gibt es viele verschiedene Abkürzungen wie z.B. ESP, DSC, VSC, PSM, MATC oder DSTC. Seit 2010 sind ESP Systeme für alle neuzugelassenen Fahrzeuge (egal ob PKW oder LKW) in der EU gesetzlich vorgeschrieben. Zu den typischen Komponenten (einige Hersteller binden inzwischen noch weitere ein) gehören das ABS (Antiblockiersystem), die automatische Regelung der Bremskraftverteilung, die Antriebsschlupfregelung (ASR genannt) und die automatische Regelung des Giermoments.

Zahlreiche Sensoren kümmern sich um die Daten, so gibt es z.B. einen Lenkradwinkel-Sensor, einen Giersensor, Sensoren, die pro Rad die jeweilige Drehzahl ermitteln usw. Die gesammelten Daten werden durch Steuergeräte aufbereitet und ausgewertet. Sollte nun das Steuergerät errechnen, dass das Fahrzeug in einen kritischen Fahrzustand kommen könnte, greift die Elektronik ein. Ganz neue Systeme (nicht im Mitsubishi Colt verbaut) bremsen nicht nur einzelne Räder ab, sondern greifen noch über gezielte Lenkeingriffe bzw. einstellbare Dämpfer ein.

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Schauen wir uns einmal kurz die aktuellen Preise (Stand 01/2014) an. Für einen Jahreswagen mit einer Laufleistung von ca. 10.000 km wird aktuell ein Preis von 7.000-8.000 Euro aufgerufen, dafür bekommt man dann teilweise sogar schon das 35-Jahre Sondermodell. Wer also auf der Suche ist nach einem kleinen, kompakten Stadtfahrzeug mit etwas Ausstattung, der sollte sich auch mal den Mitsubishi Colt ansehen!

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