Irrwege der mobilen Evolution – das Kettenmotorrad

Wie komme ich eigentlich ohne Straße schnell von einem Punkt zum anderen?

Manche laufen (das mag ich), manche fliegen Hubschrauber (sehr laut und teuer), manche fahren mit dem Mountain-Bike (auch sehr schön) und manche mit einem Motorrad. In den 20er und 30er sucht man nach Wegen, Geländegängigkeit und Motorräder zu verbinden.

Und was lag da näher, als sich hierbei an einem Panzer zu orientieren – die tauchten im ersten Weltkrieg auf und revolutionierten die Kriegsführung.

Das wesentliche Merkmal neben der Panzerung war der Antrieb über Ketten mit einer Geländegängigkeit, die bis dahin Radfahrzeugen nicht möglich war.

Nachteil: So ein Panzer ist doch eher unschier, damit auf eine Alm oder zum Jagdgebiet zu fahren ist schon ziemlich aufwendig…

Aber da das Antriebskonzept über Kette an sich ja nicht schlecht funktionierte und der menschliche Tüftlertrieb vor nichts haltzumachen pflegt, wurde also ein Panzer mit einem Motorrad „gepaart“…

Kettenmotorrad Moto-chenille Mercier 1937

Hier, ein Anlauf war in den 30ern, die Firma Mercier baute ein Motorrad mit einer angetriebenen Kette statt eines Vorderradantriebs – und ein solches Kettenmotorrad wird grade auf dem Markt angeboten, ausgestattet mit einem sportlichen 350er Jap-Motor.

Das Objekt steht gerade zum Verkauf, für den der schon alles hat, eine interessante Gelegenheit…

Beim Betrachten dieses Objektes fragt man sich, wie man ein Vorderteil mit einer – über den Daumen geschätzt – einen Meter lang aufliegenden Kette um eine enge Kurve wuchtet und wie es sich auf einer geteerten Straße bewegen mag.

Gemeinhin wird auch versucht, den Schwerpunkt gerade bei Zweirädern doch eher auf Nabenhöhe oder etwas darunter zu plazieren.

Die hier vorhandene leichte Kopflastigkeit der Mercier wird die mangelnde Bodenhaftung nicht unbedingt ausgleichen. Jede Kurve dürfte beim Hineinlegen auf der Kette eine interessante Aufgabe darstellen.

Das schreit doch nach einer Probefahrt!

Hier noch ein Folgeexemplar aus 1939 mit einem 2-Takter-Leichtflugzeugmotor.

Kettenmotorrad Moto-chenille Mercier 1939

Wofür taugt sowas bloß? Wahrscheinlich nur dazu, einen ganz bösen Berg auf einer geraden Strecke zu erklimmen.

Immerhin darin dürfte es modernen Crossmotorrädern überlegen sein…bei denen endet das nämlich so [Video]!

Besser können es die Trialer, so etwas bewundere ich wirklich! Und besser dürfte es auch ein seit den 70er erhältliches Objekt hinbekommen:

Der, die oder das ROKON: Mittlerweile wahrscheinlich ausgereift und sehr bergfreudig. Mit diesem Motorrad mit Allradantrieb dürfte auch der Hillclimb funktionieren – nicht schnell, aber mit sicherem Ankommen!

Rokon aus einem Motorradkatalog von 1978

 

Fotoquellen:
Moto-chenille Mercier 1937:
prewarcar.com 
Moto-chenille Mercier 1939:
Flickr, Cédric Janodet

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