Porsche Panamera S e-hybrid – Sport-Limousine mit Kleinstwagen-Verbrauch?

Auf den ersten Blick sieht der Porsche Panamera S e-hybrid aus wie ein herkömmlicher Porsche Panamera. Doch wer genau hinsieht, der erkennt neben den auffälligen Schriftzügen auch noch die acidgrünen Bremssättel. Bei diesem Porsche packen die Bremsen nicht nur zur Verzögerung kräftig zu, sondern sorgen auch dafür, dass die 9,4 kw/h große Batterie im Heck wieder aufgeladen wird.

Für die Technik-Nerds: Dafür braucht man nicht die herkömmliche Bremsanlage, das funktioniert über die sogenannte Rekuperation! Meine Freundin gibt nichts auf technische Werte, ich brauche ihr also nichts von Hub(t)raum, Leistung oder Verbrauch erzählen. Aber die Farbe der Schriftzüge und der Bremssättel, die fand sie auf Anhieb Klasse. Kein Wunder! Unser Flur erstrahlt zum Teil in der gleichen Farbgebung.

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Meiner Freundin will gar nicht wissen, welcher Motor gerade was antreibt und auch die Anzeige im Display findet sie überflüssig. Ich finde es hingegen spannend, denn man sieht genau die „Strömungen“.

Man sieht, wann die Batterie den 95 PS starken Benzin-Motor, der den herkömmlich angetriebenen 3,0 Liter V6 nicht nur unterstützt, sondern sogar alleine den Vortrieb vom Panamera S e-Hybrid übernehmen kann, speist. In dem Fall liegt der Stromverbrauch bei ca. 16,2 kWh / 100 km und davon hört man fast nichts.

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Das merkt und spürt man schon beim Start. Kein lautes Brüllen, kein Fauchen, kein gar nichts… fast lautlos fahre ich durch mein Wohngebiet und suche im Rückspiegel die Heinzelmännchen, die den Panamera schieben.

Auf der Landstraße müssten diese dann aber schon sehr schnell laufen, denn bis zu einer Geschwindigkeit von 135 km/h lässt sich der Porsche Panamera S e-hybrid rein elektrisch bewegen und das auf eine Distanz bis zu 36 Kilometern.

Die Elektro-Heinzelmännchen müssen also Langstreckenläufer sein und dabei erzeugen sie auch noch ein Drehmoment von 310 Nm. Der Benziner schafft 440 Nm und kumuliert liegt das System-Drehmoment bei 590 Nm.

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Wenn der Fahrer es möchte, kann der Elektro-Antrieb allerdings auch als Ergänzung genutzt werden, in dem Fall unterstützt der Elektro-Antrieb den 333 PS starken 3.0 Liter V6 und sorgt für Beschleunigungswerte von 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Nicht vergessen, wir sitzen hier in einer 4-sitzigen Limousine, die immerhin 2,1 Tonnen auf die Waage bringt.

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Wer zum ersten Mal Platz nimmt im Porsche Panamera S e-hybrid, der fühlt sich wie ein Astronaut auf dem Weg zum Mond. So ähnlich stelle ich mir das Cockpit der Spaceshuttles vor, die ja inzwischen (leider?) in Rente geschickt worden sind.

Eine Klaviatur, die kaum zu überbieten ist, fast jede nur erdenkliche Fläche wurde mit Schaltern, Tastern oder Hebel ausgekleidet. Der technologische Vorsprung muss ja schließlich auch im Innenraum kommuniziert werden, oder?

Ich darf meine Freundin erneut kurz zitieren: „Oh Gott, wer hat das denn verbrochen?“ – In Zeiten von Smartphones und einfachen Bedienkonzepten mit Mehrfach-Nutzungen der Schalter und Wippen (selbst im Konzern) eine berechtigte Frage bzw. Kritik oder?

Muss die Klimaanlage wirklich über 12 Tasten verfügen? Müssten wichtige Tasten wie z.B. die Warnblinkanlage oder die Heckscheibenheizung nicht prominenter angeordnet sein?

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Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 270 km/h. Muss ich wirklich erwähnen, dass man von dem NEFZ bzw. ECE Wert von 3,1 Liter auf 100 km weit entfernt ist, wenn man den Porsche Panamera S e-hybrid versucht, sportlich zu bewegen?

Sicherlich kann man den Wert (irgendwie erreichen) – Fahrfreude sieht allerdings anders aus. Nach der Klavierstunde (irgendwie muss man sich ja mit den Bedienungselementen vertraut machen) hatte ich einen Verbrauch von 11,9 Liter auf 100 km gemessen.

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Man soll den angegeben Wert von 3,1 Litern aber auch gut und gerne verfünffachen können. Wie immer steigt und fällt der Verbrauch mit dem Einsatz des Gasfußes und natürlich wird sich das einpendeln, wenn man das Fahrzeug erst einmal mehrere Tage im Alltag bewegt. Das System selbst arbeitet intelligent und unauffällig, meistens bekommt der Fahrer gar nicht mit was da nun gerade unter seinem Hintern passiert.

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Mal rekuperiert das System und lädt den Akku (den man aber auch am normalen Stromnetz aufladen kann) wieder auf, mal wird er als Turbo-Ersatz genommen. Bei plötzlichen Lastwechseln reagiert das System dann wieder etwas träge, aber versucht ihr mal ein Raumschiff zu einem Spurwechsel zu bewegen, dass wird sicherlich auch keine leichte Aufgabe.

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Die Alltagstauglichkeit sieht bescheiden aus. Zwar stehen im Porsche Panamera S e-hybrid – rein rechnerisch – 335 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung, jedoch verrät schon der erste Blick, dass man hier schon ein Verpackungskünstler sein muss, um diesen auch optimal zu nutzen, vor allem wenn man auch noch das Ladekabel mit sich führt.

Die Ladekante ist hoch, aber immerhin öffnet sich die Heckklappe per Knopfdruck auf der Schlüsselfernbedienung. Per Tastendruck an der Heckklappe wird diese auch wieder elektrisch verschlossen.

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Vier Sitzplätze gibt es, Fahrer- und Beifahrersitz sind gut einstellbar und über jeden Zweifel erhaben. Das Fahrwerk zeigt sich adaptiv und kann in den Fahr-Modi „Komfort, Sport oder Sport+“ bewegt werden.

Spätestens im „Sport+“-Modus überzeugt der Panamera S e-hybrid durch sportliche Porsche-Qualitäten, allerdings merkt man das Gewicht, was man auch nicht wegdiskutieren kann. Vermutlich liegt es auch am zusätzlichen Gewicht, welches ja hinter bzw. auf der Hinterachse liegen dürfte. Ein ganz „normaler“ Porsche Panamera Turbo ist auf jeden Fall agiler, aber das hat vermutlich auch keiner bezweifelt.

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Die 8-Gang Automatik, also die Tiptronic S,  übernimmt die Schaltarbeit. Die automatischen Gang-Wechsel werden in der Regel optimal vorgenommen, wer mag kann über die Schaltwippen hinterm Lenkrad manuell Eingriff nehmen. Ganz ruckfrei bekommt die Tiptronic S den Gangwechsel allerdings nicht immer hin, ab und zu wird man also auch im Porsche Panamera S e-hybrid zum unfreiwilligen Kopfnicker.

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Mein Highlight? Nun, immerhin überzeugt der Porsche Panamera S e-hybrid mit im Bestfall nur 71 Gramm CO2 pro Kilometer. Damit erreicht der Elektro-Panamera schon heute Werte, die erst im Jahre 2020 erfüllt werden müssen und bei denen sich andere Kleinstwagenhersteller noch schwer tun.

Die reine Elektromobilität wird sich meiner Meinung nach nicht durchsetzen, aber Porsche beweist hier doch wieder, dass die Symbiose zweier Antriebswelten doch fantastisch zusammen passen.

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Sprichwörtlich verliebt habe ich mich übrigens in das Geräusch vom Spurhalte-Assistenten. Ein „brumm-brumm“ weist den Fahrer / die Fahrerin darauf hin, dass er / sie die Spur gerade verlässt und das auf eine so fantastisch zurückhaltende Art, dass ich Porsche dafür am liebsten den Assistent-System-Oskar verleihen möchte.

Kommen wir zum Fazit: Dieser elektronische Vorsprung durch Technik macht aus dem Porsche Panamera S e-hybrid zwar keinen Super-Sportwagen, aber einen, mit den man lautlos aus der Wohngegend fahren kann, um auf der Landstraße bzw. der Autobahn kräftig Gas bzw. Strom zu geben.

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Aus den „versprochenen“ 36 Kilometern elektrische Reichweite wurden hier im Alltag zwar nur knapp 20, aber das reicht auch schon um das Wohngebiet zu verlassen, bzw. morgens zum Bäcker zu fahren.

Viele Brötchen muss ein Bäcker für den Luxus auf 4 Rädern allerdings verkaufen. Los geht es ab 110.000 Euro und da ist noch keine Wunschkonfiguration ausgewählt, aber irgendwas ist ja immer. Optisch gesehen gefällt mir das über 5 Meter lange Geschoss, auch wenn ich als Designer den Heckwischer weggelassen hätte.

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Verbrauch: Unter Laborbedingungen kann man sicherlich die 3,1 Liter (auf den ersten 100 km, bei voller Akku-Unterstützung) erfahren, jedoch findet man diese Labor-Bedingungen in der Realität nur selten.

Wer vor der eigenen Haustür die Feinstaub-Belastung minimieren und den grünen Daumen zeigen möchte (ohne auf irgendwas zu verzichten), der sollte ein Astronauten-Praktikum im Panamera S e-hybrid absolvieren.

Die netten Nachbarn werden sich bedanken, werden sie auch nicht mehr durch Motorenlärm belästigt. Eventuell werden sie sich auch beschweren, denn schließlich hört man den Porsche Panamera S e-hybrid auch nicht mehr kommen, wenn der Fahrer das möchte.

Als Zielgruppe sehe ich die Personen, die bereits einen Porsche in der Garage stehen haben, nun aber 4 Sitzplätze benötigen, die Werkstatt aber nicht wechseln wollen. Der e-hybrid senkt den Flottenverbrauch und sorgt für ein „gutes ökologisches Gefühl“ – jeder Turbo zieht allerdings vorbei, das sollte man verschmerzen können.

Porsche Panamera S e-hybrid Benzin-Motor Elektro-Motor Systemleistung
Hubraum 3.0 Liter 3.0 Liter
Leistung in PS 333 PS 95 PS 416 PS
Drehmoment in Nm 440 Nm 310 Nm  590 Nm
Verbrauch 3,1 Liter  16,2 kWh
Kofferraumvolumen 335 Liter 335 Liter 335 Liter
Volumen umgeklappte Sitze 1153 Liter 1153 Liter 1153 Liter
Zuladung 410 kg 410 kg 410 kg
Akku 9,4 kWh 9,4 kWh
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h 135 km/h 270 km/h
0-100 km/h 5.5 Sekunden ca. 10.5 Sekunden 5.5 Sekunden
Getriebe 8-Gang Tiptronic S 8-Gang Tiptronic S 8-Gang Tiptronic S
Gewicht 2,1 Tonnen 2,1 Tonnen  2,1 Tonnen
Basispreis:  110.409 Euro 110.409 Euro 110.409 Euro

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