Keilriemenfahrt 2014 in Worms

Keilriemenfahrt Programm

Und hier kommen mal wieder ganz alte Sachen, diesmal nicht im Museum, sondern in Aktion:

Die Keilriemenfahrt naht und ich werde versuchen, mir mal wieder einen gemütlichen, besonderen Tag zu gönnen!

Am 26.+ 27.04.2014 findet in der Nähe von Worms wieder die alljährliche Ausfahrt der Uralt-Motorräder statt, und es gibt ein Starterfeld, das seinesgleichen sucht. Bewegt werden dürfen nämlich grundsätzlich nur Motorräder, die vor dem Weltkrieg gebaut wurden – und zwar dem Ersten, also bis 1914! In einer Sonderklasse dürfen dann doch auch „jüngere“ Fahrzeuge – weit entfernt vom „Youngtimer“ – bis Baujahr 1924 an den Start.

Diese Veranstaltung kann ich nur empfehlen.

Also, wie läuft es ab:

Zunächst ins „Fahrerlager“, hier kann man die alten Schätze im Start-Ziel-Bereich aus nächster Nähe betrachten, in einer offenen Atmosphäre mit jedem ins Gespräch kommen und die Fahrer zu ihren Maschinen befragen – sie erklären meist gerne! Die Szene ist sehr familiär, viele kennen sich schon länger untereinander und das merkt man hier.

Gezeigt werden hier viele Maschinen, die unrestauriert geblieben sind und tapfer und mit großer Würde die Spuren ihres oft hundertjährigen Lebens tragen, ebenso aber auch Motorräder, die so aussehen wie frisch aus der Fabrik – oft geht es nicht anders, wenn der Fundzustand zu schlecht ist, muss man es eben richtig neu machen…

Die Spanne der Motorräder ist weit und reicht von einfachsten Zweitaktern bis zu 8-Ventiler- V2- und Vierzylinder-Reihen-Motoren mit Kette, Riemen oder Kardan – ja, das gab es allen schon vor hundert Jahren! Gebremst wurde auch schon – mit Tronmmelbremschen, Holzkeilen, die in eine passende am Rad befestigte Scheibe wurde, Felgenbremsen und/oder Motorbremse.

Es gibt Marken, die als Namen auch heute noch bekannt sind, wie Peugeot, Motobecane, NSU, Wanderer oder Rover und auch viele Namen, die ein „Nichteingeweihter“ bis dato nicht kannte: Achilles, Allright, The James oder Radior.

Und viel zu schnell geht es los. Die Motorräder starten nacheinander auf die Strecke, werden jeweils einzeln sachkundig kurz vorgestellt und dann angeworfen. Das passiert bei einigen relativ modern über Kickstarter, häufig über Tret-Kurbeln, oft aber auch über Anschieben.

Die Geräuschkulisse ist originell, es gibt kleine dezent schnurrende Zweitakter ebenso wie schlürfende, röchelnde, schmatzende oder spautzende Viertakter. Da regelmäßig weder eine geräuschdämmende Wasserkühlung noch eine höher entwickelte Auspuffanlage vorhanden ist, bekommt man akustisch einiges vom Motor mit und man kann der Ventilsteuerung beim gemächlichen Arbeiten zusehen, das erinnert eher an Nähmaschinen.

Dann rauschen sie ab, die bärenstarken Maschinen mit meist zwischen 2 und 7 PS, werden gebändigt von tollkühnen FahrerInnen, die – oft ergänzt durch stilechte Kleidung und Accessoires – einen authentischen Eindruck von der Fortbewegung vor 100 Jahren abgeben…

 

Wichtig: Uralt-Motorräder brauchen Platz

Die FahrerInnen sind den Umgang mit ihren Gefährten gewohnt und fahren, da die meist sehr dezente Wirkung der Bremsen bekannt ist, entsprechend vorausschauend – trotzdem sollten Besucher im Start- und Zielbereich etwas Platz lassen, denn die Gefährte sind oft nicht ganz so handlich und einfach zu beherrschen wie modernes Gerät.

Die Strecken laufen auf kleineren Straßen durchs hügelige Rheinhessen, manchmal dürfen die Fahrer ihren Stahlrössern mit den Tretkurbeln ein wenig helfen. Die Streckenführung ist hier zu sehen, auch bei den Pausen lohnt sich dabei zu sein.

Mein Rat

Danach den Tag gediegen und genussvoll ausklingen lassen: Erst zum Winzer für eine kleine Weinprobe, ein, zwei Kistchen mitnehmen, einen schönen Schoppen (natürlich nicht der Fahrer!) und dann zu Hause den besonderen Tag Revue passieren lassen und genießen – und im Netz vielleicht ein bisschen schauen, ob nicht irgendwo solch ein Uralt-Krad einen neuen Besitzer sucht, damit man im nächsten Jahr selbst mitfahren kann?

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