Sicherheitsinnovationen – Übersicht über Airbag, Gurt, Kopfstütze und Co.

Letztens habe ich euch erzählt, dass wir eine Sicherheitskampagne mit der neuen C-Klassen machen werden. Bevors aber soweit ist, möchte ich zurückblicken und schauen, welche unterschiedlichen Sicherheitsinnovationen es gegeben hat, die heute für uns selbstverständlich sind, wie Sicherheitsgurt und Airbag.

Ausgelöster Airbag in einem Seat Ibiza

Ausgelöster Airbag in einem Seat Ibiza

Wie im ersten Artikel der Serie über die „Autosicherheit früher und heute“ bereits erwähnt, gibt es eine Fülle von technischen (Weiter)Entwicklungen, so dass man da schnell den Überblick verlieren kann.

Daher werde ich in diesem Artikel versuchen, eine Übersicht von wichtigen und zum Teil sicherlich auch einschneidenden Entwicklungen zu geben (chronologische Sortierung, keine Wertung!).

Unter der Tabelle findet ihr dann zu ausgewählten Sicherheitsinnovationen nähere Infos.

Ich habe mich dabei an Wikipedia gehalten – und leider nicht alle Infos, die ich dort vermutet habe, gefunden.

Falls also jemand mehr weiß als ich und Wikipedia 🙂 , dann teilt doch bitte euer Wissen und postet in die Kommentare!

Innovation Fremd- oder Selbstschutz Entwicklung
ABS beides seit den 1920ern erste Ursprünge im Flugzeugbau
1969 IAA: Vorstellung der ersten Generation eines ABS
1978: Bosch bringt elektronisches ABS auf den Markt
1978: Mercedes S-Klasse W 116 erstes Auto mit vollelektronisch gesteuertem ABS
Airbag je nach Airbag beides 1951: Patent durch Deutschen Linderer
1981: erstes deutsches Fahrzeug Mercedes S-Klasse W 126
Aufmerksamkeits-Assistent beides
Blinker beides früher Winker
seit den 1950ern elektrische Blinkeranlagen und -leuchten von Bosch
Bremse beides
e-Call Selbstschutz ab Oktober 2015 europaweit verpflichtend in allen Neuwagen
elektrische Sicherungen beides
ESP beides seit November 2011 Pflicht in allen Neuwagen in der EU
Fahnenträger beides Red Flag Act – in England wurde dieses Gesetz erlassen, um Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden: langsame Geschwindigkeit und ein Fußgänger mit roter Fahne voraus
Fahrzeugscheinwerfer beides 19. Jahrhundert: Laternen ohne Farbfilter
20. Jahrhundert: elektrisch betriebene Lampen
1908: Karbidlampen mit Abblendeinrichtung
1925: Zweifadenlampe (kombiniertes Fern- und Abblendlicht) von Osram
1964: erste Einfaden-Halogenlampen
1991: Xenonlicht in der BMW 7er-Reihe
Fussgängerschutz-Karosserie Fremdschutz
Geschwindigkeitswarner Selbstschutz
GPS-Ortung beides seit den 1970ern vom US-Verteidigungsministerium entwickelt
seit Mitte der 1990er voll funktionsfähig
seit den 2000er Jahren Einsatz im Auto
Gurtwarner Selbstschutz 1972: Einbau des ersten optischen Gurtwarners im Volvo 140
Handbremse beides
Hupe beides
Kamerasysteme beides
Knautschzone beides 1952: Patent durch Österreicher Barényi
1959: Mercedes W 111 – erstes Fahrzeugmodell mit Knautschzone
Kopfstütze Selbstschutz 1921: Patent durch Amerikaner Katz
Krad: abgerundete Hebeleien Selbstschutz
Krad: Helmpflicht Selbstschutz seit 1976 Helmpflicht in der BRD
Krad: Protektoren Selbstschutz
Kurvenlicht beides 1918: erstes Kurvenlicht im Cadillac Type 57
1968: erster serienmäßige Einsatz in Europa in der Citroen DS
Nebelscheinwerfer Selbstschutz
Notbremsassistent (Abstandswarner) beides
Scheibenbremse beides 1902: Patent durch Briten Lanchester
2. Weltkrieg: weltweit erstes serienmäßig hergestelltes Kraftfahrzeug: deutscher Tiger-Panzer
1948: erster PKW mit vier Scheibenbremsen in Amerika: Tucker Torpedo
1952: Rennsportwagen Jaguar C-Type
1955: Citroen DS – Scheibenbremsen innenliegend
1955: Austin-Healey 100S – erstes europäisches Serienfahrzeug
Scheibenwischer beides 1903: Patent durch Amerikanerin Anderson
1926: Apparatur mit Elektromotor durch Bosch
1964: Erfindung des Intervallscheibenwischers durch Amerikaner Kearns
seit 1969: Automobilhersteller verbauen Intervallscheibenwischer
Sicherheitsgurt  Selbstschutz 1903: Patent durch Franzosen Leveau
1903: Erfindung eines Fünfpunkt-Sicherheitsgurts durch Renault
1957: Beckengurte als Sonderaustattung in Serienfahrzeugen von Porsche und Mercedes
ab 1959: Dreipunktgurte als Serienausstattung in Schweden durch Saab und Volvo
Volvo PV544 als erster Wagen mit Dreipunkt-Sicherheitsgurt als Serienausstattung
1. Januar 1974: Gurtpflicht in der BRD (Vordersitze)
Sicherheitslenksäule Selbstschutz ab 1959: schüsselförmiges Lenkrad im VW Käfer und Lloyd Arabella
ab 1963: abgewinkelte Lenksäule im Porsche 911 und später im VW Käfer 1302/1303
ab 1967: Maschengitterrohr im VW Käfer und 1968 im VW 411
1980er: Procon-ten durch Audi
Spurhalteassistent beides 2001: erstes Serienfahrzeug mit Spurhalteassistent in Japan – Nissan Cima
seit 2003: Verbauung in Honda-Modellen (Inspire, Accord, Legend)
Überrollbügel Selbstschutz
Warnblinker beides
Warntöne Elektroauto beides
weiches Armaturenbrett Selbstschutz
Zweikreisbremssystem beides seit 1967 Pflicht in BRD

 

Besonders wichtig und heute einfach nicht mehr wegzudenken sind folgende technische Weiterentwicklungen, die ich euch näher vorstellen möchte:

ABS
Das AntiBlockierSystem ist heutzutage Standard und wird daher von uns kaum noch als etwas Besonderes wahrgenommen. Ein Auto ohne ABS? – Wer kauft denn sowas?

Ich persönlich finde es spannend, dass die Technik ihre Ursprünge im Flugzeugbau hat: Damit die schnellen Flugzeuge bei der Landung in der Spur bleiben konnten, wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits daran herum getüftelt. Die Massenmotorisierung nach dem 2. Weltkrieg und die steigenden Unfallzahlen unterstützten den Ausbau in Richtung Auto.

Vereinfacht gesprochen, verhindert das ABS das Blockieren der Rädern und hält das Auto so in der Spur, es bleibt steuerbar. Dafür sitzen Sensoren an den Rädern, die stetig Signale an ein Steuergerät senden; das Steuergerät wiederum regelt die Bremse. In Situationen, in denen das Auto droht, auszubrechen, werden die Bremsen der einzelnen Räder durch das Steuergerät angesprochen – ein Wechsel von Anziehen und Lösen der Bremsen.

Während der Vollbremsung wird also durch das ABS in Sekundenschnelle kleinteilig gegengeregelt.

AIRBAG
Ein Auto ohne Airbag kann ich mir ebenfalls kaum vorstellen. Heutzutage geht es ja eher um die Anzahl der unterschiedlichen Luftkissen, als generell um deren Existenz.

Zentral beim Airbag sind die Beschleunigungssensoren. Sie können Geschwindigkeitszu- und -abnahmen messen und so direkt Verzögerungen melden.

Im Falle eines Unfalls (ruckartiger Aufprall auf / gegen etwas inklusive enormer Verzögerung bzgl. der Geschwindigkeit) öffnet sich der Airbag innerhalb von 20-50 Millisekunden und schafft eine Pufferzone zwischen Mensch und Auto. Das Luftkissen verhindert den Zusammenprall der Insassen mit starren Elementen wie Lenkrad, Armaturenbrett, Karosserie etc.

Alles begann mit dem Fahrer- und Beifahrerairbag – sie schützen den Fahrer vor dem Aufprall mit dem Lenkrad und den Beifahrer vor dem starren Armaturenbrett. Bei einer Kollision landen Kopf und Brustkorb im Luftsack und verhindern so, dass enorme Kräfte auf den Oberkörper, vor allem die Wirbelsäule, einwirken.

Weitere Airbagsysteme sind u.a.:

  • Seitenairbag
  • Kopfairbag
  • Knieairbag
  • Gurtairbag
  • Fußgängerairbag

Hat jemand von euch schon einmal einen Unfall und somit auch Kontakt mit einem geöffneten Airbag gehabt und mag davon berichten? Ich bin bisher unfallfrei gefahren und habe daher keine Erahrungen mit Airbags. Man hört aber immer wieder, dass das Aufprallen auf den Airbag auch nicht gerade schmerzfrei sei.

KNAUTSCHZONE
Früher wurden die Autos möglichst starr konstruiert. Durch diese steife, beinahe unverformbare Karosserie sollten die Insassen geschützt werden. Doch im Falle eines Unfalls konnte die Karosserie keine Energie aufnehmen, sondern gab diese direkt an die Insassen weiter.

Dann kam die Idee einer Zone auf, die die Kräfte des Aufpralls abfedern sollte – durch die Verformung der Karosserie sollte Energie absorbiert werden. Diese Knautschzonen hat nun jedes Auto in unterschiedlichen Ausprägungen an Front, Seite und Heck.

Interessant ist in diesem Kontext auch die Aufteilung der Autos in drei Zonen – von außen nach innen – quasi vom weichen Rand zum harten Kern, wobei Bereich 1 und 2 die Knautschzonen ausmachen:

  • 1. Bereich: Äußerste, elastische Karosserieelemente wie Frontschürze, die Kollisionen bei geringen Geschwindigkeiten (wie Parkrempler) abfedern
  • 2. Bereich: Tragende Struktur des Autos („crashtubes“), die bei Kollisonen bis zu 20 km/h Widerstand leisten und kostengünstig zu reparieren sind
  • 3. Bereich: sogenannter Überlebensraum, der maximal steif konstruiert ist
Knautschzone ("Crumple zone in damaged car")

Knautschzone („Crumple zone in damaged car“)

KOPFSTÜTZE
Bei dem ruckartigem Aufprall im Falle eines Unfalls und der damit verbundenen plötzlichen Veränderung der Fahrbewegung wirken enorme Verzögerungskräfte auf die Insassen. Vor allem der Kopf und der Halsbereich werden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Ähnlich wie die anderen Sicherheitsinnovationen hatte die Kopfstütze ihren Durchbruch auch in der Zeit der Massenmotorisierung nach dem 2. Weltkrieg. Damals sahen Kopfstützen jedoch anders aus als heute: Sie waren nicht im Sitz integriert, sondern wurden aufgesetzt.

Mittlerweile sind sie fester Bestandteil der Sitze und durch ihre Verstellmöglichkeiten kann jeder Mitfahrer, egal welcher Größe, sich die Kopfstütze genauestens auf sich ausrichten.

Aktuell halten aktive Kopfstützen mehr und mehr Einzug in unsere Autos; sie neigen sich während des Aufpralls nach vorne und können so den Kopf früher wieder auffangen – unterstützen also den Hals.

Sicherheitsgurt ("Illustration of a three-point seatbelt.")

Sicherheitsgurt („Illustration of a three-point seatbelt.“)

SICHERHEITSGURT
Das Sicherheitsfeature schlechthin. Ich bin davon überzeugt, dass unzählige Menschenleben durch das Anschnallen gerettet werden konnten!

Mein Auto hat so einen Gurtsensor und piept, wenn jemand unangeschnallt im Auto sitzt – eine super Sache! Ich bin da nämlich ziemlich pingelig und kann nicht verstehen, wenn sich Leute bewusst nicht anschnallen.

Der Sicherheitsgurt kann mittlerweile auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurückblicken und hat viele Ausprägungen und Einsatzgebiete. Die Vielfalt der Gurte wird je nach der Anzahl der Punkte, an denen der Insasse mit der Karosserie verbunden ist, klassifiziert: Vom Zweipunktgurt bis Sechspunktgurt.

  • Zweipunktgurt: Gurt im Flugzeug
  • Dreipunktgurt: Klassischer Gurt im Autos
  • Vierpunktgurt: Typische Sportgurte
  • Fünf- oder Mehrpunktgurt: Kennen wir von Kindersitzen und aus dem Rennsport

Der Sicherheitsgurt hält die Insassen in ihren Sitzen, sie können also beim Aufprall / Unfall nicht länger durch das Auto – oder im schlimmsten Fall aus dem Auto – geschleudert werden.

 

Wie sind eure Erfahrungen mit den unterschiedlichen Sicherheitsfeatures im Auto? Stimmt ihr mit mir überein, dass es sinnvolle Dinge sind, die ihr nicht mehr missen möchtet? Oder setzt ihr eher auf Fahrpraxis und Erfahrung statt den elektronischen Helferlein?

Und bitte nicht vergessen: Falls ich irgendetwas nicht erwähnt habe, bitte ergänzen!

Fotoquellen:
Airbag: Wikimedia – Arpingstone
Knautschzone: Wikimedia – KMJ
Sicherheitsgurt: Wikimedia – PMcM

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