Die neue Mercedes V-Klasse – der Van mit Stern!

Mit der neuen Mercedes-Benz V-Klasse macht der Hersteller aus Stuttgart den Kollegen aus Wolfsburg / Hannover endlich mal Konkurrenz. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass der erfolgreiche VW T5 inzwischen in die Jahre gekommen ist und Volkswagen wird auch demnächst ein neues Modell auf den Markt bringen. Mit der neuen V-Klasse von Mercedes-Benz steht ein guter Mitbewerber um die Gunst der Kunden im Ring.

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Bei einer Fahrveranstaltung durften einige Journalisten und Blogger die neue V-Klasse bereits im Vorfeld näher kennenlernen. Zusammen mit meinem Kollegen Jan Gleitsmann (unten zitiert und verlinkt) habe ich mich für das derzeitige Top-Modell entschieden.

Keine Frage, ein Fahrzeug für die finanziell eher gut situierten Familien bzw. Leasingnehmer, die dafür eine Verwendung haben.

Der V 250 BlueTec in der Edition 1 kleckert nicht, er klotzt und das tut er in fast allen Belangen richtig. Ein paar Schwächen leistet sich Mercedes-Benz mit dem neuen Van trotzdem.

Dennoch, schaut man auf das Cockpit hier, dann erwartet man doch wahrlich kein Nutzfahrzeug, oder?

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Positiv: Die neue V-Klasse fühlt sich an wie ein normaler PKW, fährt sich wie ein normaler PKW und sieht im Innenraum um ein vielfaches besser aus als zahlreiche normale Fahrzeuge.

Von der Verarbeitung, der Haptik und von dem Raumgefühl kann man es wahrlich nicht viel besser machen, hätte Mercedes-Benz jetzt noch an ausreichend Ablageflächen gedacht, dann wäre die Mercedes V-Klasse bereit für das Prädikat: Perfekt! Die Ablageflächen sind es allerdings, die fehlen bzw. zu tief angebracht sind.

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Jan erklärt das z.B. wie folgt: „Mir fehlen in der neuen V-Klasse aber eindeutig Ablageflächen, Staufächer und Gepäcknetze. Sowohl im Fond (da denke ich nur daran, was die Kinder nicht alles mit ins Auto schleppen, sobald man mal eine etwas längere Strecke fährt), aber auch in der ersten Reihe. Eben dort hat man zwar sowohl in den Türentaschen wie auch unterhalb der Mittelkosole großzügige Staufächer, diese erreicht man aber eben nur, wenn man sich wirklich tief nach unten beugt. Beim Fahren finde ich solche Bewegungen nicht wirklich förderlich für die Verkehrssicherheit. In die vier Getränkehalter der vorderen Sitzreihe passen übrigens 1.5 Liter-Flaschen. Die machen auch wirklich Sinn, damit man sich eben nicht so tief beugen muss. Will man sein Handy aber irgendwo in Griffnähe ablegen, so sucht man vergeblich. Allenfalls vor den Drehregler des Infotainment-System kann man es klemmen. Das meines Erachtens wirklich wunderschöne Interieur-Design hat hier auf die Alltagsbedürfnisse nur wenig Rücksicht genommen…“

…und mit der Meinung gehe ich komplett konform. Das Design im Innenraum gleicht der neuen Mercedes-Benz C-Klasse und nur die etwas höhere Sitzposition erinnert den Fahrer daran, dass er in einem 5 Meter Bus sitzt. Fast! Denn der Blick aus den Seitenfenstern bringt natürlich auch den Van mit sich, der sich in den „tiefergelegten“ Außenspiegeln nicht verstecken kann. Die Außenspiegel wurden ungewohnt, aber clever tief angebracht. Das verbessert die Rundumsicht, man kann nämlich nun auch noch drüber hinweg schauen.

Bei der Rundumsicht ist die Mercedes V-Klasse unbestritten gut geplant und optional technisch auf der Höhe. Einparkfunktion, 360° Kamera – in dem ehemaligen Nutzfahrzeug verbaut Mercedes-Benz nun auf Wunsch sämtliche Assistenzsysteme, die man teilweise in anderen modernen Fahrzeugen vermisst.

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Von den Fahrleistungen zeigt sich die neue V-Klasse bestens, Fahrwerk, Antrieb, Automatik top. Das gilt natürlich auch für die Lenkung, die in der Stadt schön leichtgängig ist und bei schnelleren Geschwindigkeiten durch die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung etwas „härter“ wird und somit dem Fahrer das Gefühl einer besseren Kontrolle vermittelt.

Wenn ich euch nun verrate, dass Rallye-Piloten diese Funktion nicht mögen, werdet ihr mir vermutlich nicht glauben, oder? Ich mag das. Bei der neuen Mercedes V-Klasse kommt es aber vermutlich eher auf das Platzangebot an und das ist großartig.

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Die Kollegen von der Trendlupe beschreiben den Innenraum wie folgt: „Das Raumangebot in der neuen V-Klasse lässt kaum Wünsche offen. Verschiebbare Einzelsitze mit je zwei Armlehnen, optional Tisch in der Mitte des Fahrzeuges sowie ein üppig gestalteter Kofferraum. Hier ist das Besondere, dass die Heckklappe der neuen V-Klasse zweigeteilt ist. Bedeutet, dass für kleine Gegenstände nicht unbedingt die komplette Heckklappe geöffnet werden muss, sondern lediglich nur die „kleine“ Klappe. Zu diesem Zweck befindet sich im Kofferraum eine separate Ablagefläche in der zwei Einkaufskörbe integriert sind.“

Okay, das Kofferraumvolumen hätten sie noch angeben können, oder? 1.030 Liter lassen sich im Gepäckraum verstauen, wer die hinteren Sitzreihen / Sitze entfernt, der kann bis zu 4.600 Liter verstauen. Grenzen gibt es trotzdem.

Die Zuladung liegt nämlich zwischen 655 und 905 kg, je nach Modell! Wem das nicht reicht, der kann sich die optionale Anhängerkupplung hinzubestellen, je nach Fahrzeug und Motorisierung beträgt die Anhängelast 2 bzw. 2,5 Tonnen.

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Geschmacksache = Geldsache! Über das liebe Geld erfährt man etwas mehr bei den Kollegen von Autophorie: „Zum Thema Geld; 42.900 Euro und fünfzig Cent sind mindestens fällig. In der von uns gefahrenen Avantgarde Ausstattung, in der viele Extras bereits Serie sind, sind es dann gut mehr als 65.000 Euro, die den Besitzer wechseln. Dazu gehört auch der stärkere Motor V 250 Bluetec, der Zahlen technisch dem Sechszylinder in nichts nachsteht. Durch „Overtorque“ leistet er kurzzeitig sogar 10 kW sowie 40 Nm mehr. Die 190 Diesel-PS reichen allemal, um problemlos voranzukommen. Dass 440 Newtonmeter für einen ordentlichen Antritt sorgen, muss auch nicht weiter erklärt werden. In gemütlicher Atmosphäre genügen dann auch um die acht Liter auf 100 Kilometer, allerdings gehen auch gut elf Liter durch, wenn man sich auf die Suche nach der Höchstgeschwindigkeit begibt (die liegt laut Tacho übrigens bei exakt 200 km/h). An sich ganz ordentlich bei diesen Ausmaßen.“

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Das stimmt, wie gesagt, der 190 PS Diesel (der auch in unserem Edition 1 Sondermodell verbaut war) zeigte sich ohne Fehler. Im Innenraum blieb es sogar bei etwas flotterer Fahrt noch angenehm ruhig.

Damit der Fahrer nicht nach „hinten schreien“ muss, gibt es optional eine „Sprechanlage“. Oben im Bereich der Innenraumbeleuchtung ist ein Mikrofon verbaut. Das Signal wird über die hinteren Lautsprecher wieder ausgegeben. Eigentlich eine tolle Sache für große Fahrzeuge, doch warum funktioniert diese Art der Kommunikation nur einseitig? Der „Pilot“ darf Ansagen machen, die Passagiere dürfen schweigen. Eventuell ändert Mercedes-Benz das ja noch oder es lag an der Tatsache, dass wir mit Vorserienfahrzeugen unterwegs waren.

Toll finde ich die Displays und die Ablesbarkeit der Instrumente. Das Fahrzeug lässt sich sowieso sehr leicht bedienen, auch für Umsteiger von anderen Marken ist das kein Problem.

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Noch schnell zum Abschluss ein paar weitere Fakten:

Der Wendekreis beträgt 11,8 Meter, von 0 auf 100 km/h geht es innerhalb von 9 Sekunden (Mercedes-Benz V250 BlueTec) und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 206 km/h. Die Breite der neuen V-Klasse beträgt 1,92m, die Höhe 1,88m, die Länge 5,14m und es wird auch noch weitere Radstände (und Längen) geben. Unser Modell hatte einen Radstand von 3,20!

Um den Seitenwind kümmert sich das angepasste und modifizierte ESP und die Downsizingkur kommt auch dem Verbrauch zu Gute. 6 Liter sagt Mercedes-Benz (und NEFZ), wir sagen 7,4 und sind davon mehr als nur begeistert, denn in der Regel verdoppeln wir den NEFZ Wert an Fahrveranstaltungstagen locker.

Den Basispreis der neuen V-Klasse (42.000 Euro) kann man auch fast locker verdoppeln, aber eigentlich positioniert sich Mercedes-Benz richtig. Auch preislich gesehen gibt es nur einen Konkurrenten und das ist der aktuelle VW T5, der zumindest bei den drehbaren Sitzen im Fond immer noch einen Joker im Ärmel hat – bei der neuen V-Klasse muss man die Einzelsitze erst hinausnehmen und andersherum hineinsetzen.

Die V-Klasse gibt es aber auch mit zwei 3er-Sitzreihen, die aus dem Van auch ein Familientransporter der ganz besonderen Güte machen können. Die elektrischen Schiebetüren und die elektrische Heckklappe (die übrigens zweigeteilt ist) sind in dem Fall das i-Tüpfelchen.

Darf ich euch noch schnell den Handschmeichler vorstellen? Das hier ist der Joystick inkl. Drehrad. Mit diesem Bauteil steuert ihr das Infotainmentsystem. Links oben gibt es noch den Agility-Schalter, der die Kennlinien von Lenkung und Gasannahme verändern, wobei man auch darüber aus der V-Klasse keinen Sportwagen machen kann. Unten links befinden sich die beiden Taster für die elektrischen Schiebetüren. Über das große Feld können Texteingaben gemacht werden.

Dieser Handschmeichler ersetzt quasi das Touchscreen. Wer bei der gewohnt – guten – Bedienung bleiben möchte, kann das tun. Das Rad wird nicht neu erfunden, es bleibt bestehen! Das gilt auch für die Sprachsteuerung, die in den letzten Jahren – auch bei Mercedes Benz – immer besser geworden ist.

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Ich mach es kurz: Sitze, Komfort, Platzangebot, Haptik, Optik, Motor, Technik, Systeme = Top! Ablagen = Flop!

Top ist natürlich auch der Preis, somit bleibt die V-Klasse der Traum von vielen Familien, die ansonsten natürlich perfekt in die Zielgruppe passen würden. Ansonsten? Aktive Menschen mit einem erhöhtem Platzbedarf, Businesskunden, die gerne ihr rollenden Büro haben oder halt Shuttle-Service. Wer reist nicht gern unter einem guten Stern?

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