Beweglich wie immer, unabhängig wie nie zuvor – Mobilität im Wechsel der Generationen

Es waren die Selfies der Elterngeneration: Die Fotos „Mensch neben Auto“. Oft verrieten diese Bilder neben dem Stolz aufs eigene Fahrzeug auch viel von dem Mobilitätsverständnis ihrer Zeit.

Als Marc Kudling das Foto von sich als Zweijährigem auf der Motorhaube des Renault 16 seines Großvaters wiederentdeckte, stand für ihn fest: Dieses Motiv möchte er nachstellen. Rund 30 Jahre später suchten sich Opa und Enkel also wieder ein Rapsfeld – davon gibt’s in Schleswig-Holstein ja genügend – und posierten vor einem elektrisch angetriebenen Renault ZOE. Marcs siebenjährige Tochter drückte den Auslöser.

Allerdings besitzt Marc Kudling überhaupt kein eigenes Auto. „Den Renault ZOE habe ich in einem der vielen Car-Sharing-Pools geliehen, bei denen ich Mitglied bin“, sagt er. Was die Frage aufwirft: Wenn Bilder Geschichten erzählen – welche Geschichte erzählt dann ein Mensch-Auto-Bild von einem Menschen, der gar kein Auto hat?

Rückblick

Nach dem Moped- und Kleinstwagen-Boom der 1950er konnten sich im Deutschland der 60er schon viele Menschen „richtige“ Autos leisten. Gleichzeitig erfolgte eine Differenzierung des Angebots – der Begriff „Auto“ wurde in Segmente aufgesplittet.

Manche Autohersteller erfanden dabei neue Konzepte, die ganze Epochen prägten. So etwas gelang Renault mit dem R16. Der war bei seinem Erscheinen 1965 die erste Familienlimousine mit Schrägheck und Heckklappe. 15 Jahre lang wurde er gebaut – während dieser Zeit ahmte praktisch jede Marke sein Erfolgsrezept nach.

Denn in der sich entwickelnden Wohlstands- und Freizeitgesellschaft waren Komfort und Platz für Familie gefragt. Mehrere Kinder, längere Reisen, größere Einkäufe – das ließ sich nach zeitgenössischer Meinung nur mit einem eigenen Auto realisieren. Die fünftürige Limousine war deshalb erste Wahl vieler fortschrittlich denkender Menschen.

Gleichwohl war Marc Kudlings Großvater nicht unbedingt das, was man heute als early adopter bezeichnet. Er gönnte sich erst 1981 den Renault 16 als sein erstes Auto. Oder seinen „ersten Wagen“, wie er im Familien-Fotoalbum vermerkt hatte. Diesen Stolz kann Marc nachvollziehen – den Wunsch nach einem eigenen Fahrzeug in der Garage nicht.

Die erste Erkenntnis aus dem Foto-Duo lautet also: Die Bilder vom Auto ändern sich kaum – DAS Bild vom Auto aber sehr wohl.

Marc Kudling steht stellvertretend für einen Paradigmenwechsel: Eine Generation nach dem R16-Bild zählt für viele Menschen weniger das Auto, sondern die Mobilität, die es ermöglicht.

„Ich bin ohne Auto sogar flexibler und entspannter als mit“, findet er. „Wenn ich einen Schrank transportieren möchte, hole ich mir einen Kombi, wenn abends in der Stadt gerade keine Bahn fährt, ein kleines Car-Sharing-Auto.“ Sein Mobilitätsmix funktioniert auch mit Fernreisen – und wie: „Wenn ich abends von Lübeck losfahre, vier verschiedene Verkehrsmittel benutze und am nächsten Morgen auf die Minute pünktlich in Zürich eintreffe, befriedigt mich das unheimlich.“

Genauso wichtig wie die individuelle Beweglichkeit ist vielen Menschen seiner Generation eine umweltverträgliche Mobilität. „Wenn ich mal Auto fahre, dann möglichst elektrisch. Das löst nicht alle Probleme, ist aber aktuell die beste Option.“

Dazu muss man wissen: Marc Kudling ist Experte der Elektromobilitäts-Szene, bloggt selbst, machte Pressearbeit für Ladetechnik-Hersteller, arbeitete lange für das Portal wattgehtab und gehört heute zum Team des beliebten Newsletters von electrive.net.

Wenn er mit einem Renault ZOE unterwegs ist, wird er übrigens recht selten spontan angesprochen. Der fünftürige Kompaktwagen sieht gefällig, aber halt relativ „normal“ aus. Er ist für Laien nicht als Elektroauto zu erkennen. Beim Stopp an Ladesäulen kommt dann schon mal das eine oder andere Gespräch zustande.

Mit der unvermeidlichen ersten Frage aus dem „Bullshit-Bingo“: „Wie weit kommt man mit einer Akkuladung?“ Das könnte Marc natürlich beantworten – aber die wirkliche Erkenntnis beim Fragenden löst seine Gegenfrage aus: „Wie weit fahren Sie denn täglich?“ Bingo statt Bullshit: 80 Prozent aller Fahrten eines Mitteleuropäers ließen sich mit einem Elektroauto locker machen.

Sein heute 91-jähriger Opa hat seinen Führerschein schon vor Jahren abgegeben. Wie hat er die Mitfahrt im Renault ZOE erlebt? „Er findet es toll, dass er geräuschlos fährt, und fragt viel: Warum fahren nicht mehr Leute mit so einem Auto? Gibt es in zehn Jahren nur noch Elektroautos?“ So schnell geht’s vermutlich nicht, auch wenn Marc mit seiner journalistischen Arbeit viel dafür tut.

Am wichtigsten findet er das eigene Erleben. Sein Tipp: „Erst mal ein Elektroauto fahren – die meisten sind dann total begeistert. Dann kann man schauen, wie es in den Alltag passt. Vor Kurzem haben alle noch gesagt, Elektroautos sind zu teuer und zu kompliziert. Heute legen sie eine steile Wachstumskurve hin.“

Was sicher auch daran liegt, dass sich parallel zum 100% elektrischen Autofahren auch die Nutzungsgewohnheiten ändern: elektrisch, wenn möglich, dazu intensives Carsharing, die Langstrecken mit öffentlichen Verkehrsträgern. Die tägliche Praxis von Marc Kudling zeigt, dass wir die richtigen Konzepte zur richtigen Zeit brauchen.

Denn – und das ist die zweite Erkenntnis dieser Bilder – genau wie bei den Menschen folgt auch bei der Mobilität eine neue Generation.

GASTBEITRAG von Fabian Rangol, Renault

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