Faszination Wankelmotor

Manche sehen es gar nicht ein, Sachen so zu machen wie alle anderen… sie denken originell, neu!

Trifft Originalität auf Ausdauer, Dickköpfigkeit und Durchsetzungskraft, können ungewöhnliche Dinge entstehen.

Heute berichte ich von solch einem hartnäckigen und originellen Geist, von Felix Wankel und von seiner bekanntesten Erfindung.

Das Wort „Wankel“ ist den meisten noch irgendwie bekannt – assoziiert werden mag „Wankelmut“, das passt aber sicher nicht zu Felix Wankel! – , dann hört es jedoch oft schon auf.

Das sollte man ändern, denn „Wankel“ ist es wert! Also, ran an den „Wankel“ und wir fangen vorne an:

Die wesentlichen mechanischen Merkmale unserer Verbrennungsmotoren bei Autos und Motorrädern waren schon im 19. Jahrhundert erdacht: Eine dosierte Befüllung von Zylindern mit zündfähigem Gemisch und ihre Entleerung nach einer gesteuerten Explosion, Kolben, die durch diese Explosionen in Längsrichtung beschleunigt werden und diese Kraft über eine Verbindung mit einer Kurbelwelle von einer Hin- und Herbewegung in eine Drehbewegung umsetzen – die dann wiederum über unterschiedliche mechanische Verbindungen die gewünschte Rotation der Räder hervorruft.

Nach diesem Grundsystem funktionieren Hubkolbenmotoren (Ottomotor und Dieselmotor), es werden umständlich Massen hin und her bewegt, es rappelt, vibriert, ziemlich kompliziert.

Geht aber auch ganz anders, und jetzt kommt Wankel ins Spiel!

Felix Wankel wurde 1902 geboren, als das Grundmuster „Hubkolbenmotor“ schon tausende Autos und Motorräder in Bewegung versetzte. Als Autodidakt startete er 1924 in einem Hinterhof eine Versuchswerkstatt, in der ein dreirädriges Auto und verschiedene mechanische Teile entwickelt wurden. Felix Wankel hauste derweil bitterarm in einem Hinterzimmer in der Nähe. Wirtschaftlich zunächst erfolglos, schaffte er sich jedoch in den nächsten Jahren einen Ruf als Spezialist für Abdichtungssysteme und konnte 1936 in Lindau eine eigene Forschungswerkstatt gründen.

Als Berater von BMW, Siemens, Auto-Union, Junkers und vielen anderen wurde er eine der bekannten Persönlichkeiten im deutschen Maschinenbau und Inhaber vieler Patente – die Karriere ging schon in den 20ern einher mit einer bedenklichen Nähe zur aufsteigenden braunen Führungscorona und ihren Schergen, in der Folge wird er spöttisch als „Reichsabdichter“ tituliert.

Über Jahre befasste er sich mit dem Thema der Entwicklung von Pumpsystemen und eines Verbrennungsmotors ohne die vielen beweglichen Teile; nach vielen erfolglosen Versuchen und ersten funktionsfähigen Exemplaren war er Mitte der 50er Jahre fertig und kam 1959 in die Vermarktung:

Der Wankel-Rotationskolben-Motor läuft zuverlässig und solide.

Wankel Läufer

Eine dreieckige Scheibe wird in einer Kammer auf einer Welle durch Explosionen in eine taumelnd anmutende Drehbewegung versetzt, wobei die Welle selbst sich mitdrehen muss – diese Kraft kann dann wie üblich über ein Getriebe und weitere direkte Verbindungen auf die Räder übertragen werden. Die Anzahl der beweglichen Teile bei einem Einscheiben-Motor (entspricht einem Zylinder) ist somit überschaubar, es gibt nämlich nur derer zwei: Den Läufer und die Exzenterwelle; wenig Teile, wenig Gewicht – genial einfach!

Vorstufen der Entwicklung des Wankelmotors

Demo Wankelmotor

 

 

 

 

 

Anfang der 60er entsteht weltweit ein „Wankelhype“, viele Firmen kaufen Wankels Patente, in den folgenden Jahren wird der Motor durch zahlreiche Firmen in Autos eingebaut.

Es entstehen tolle Konstruktionen, wie der Wankel Spider, der NSU RO 80 (nach meiner Bewertung eines der wichtigsten deutschen Nachkriegsautos…), der Citroen Birotor und der Mercedes C111 – und in Japan beginnt bei Mazda ein innige Beziehung zum Rotationskolben in Limousinen und Sportwagen.

RO80 in Werner Oswald "Deutsche Autos 1945-1976". Motorbuchverlag 1977

Mazda RX5 Coupe

Bei den Motorrädern gab es Maschinen von Hercules, Suzuki, Yamaha und Norton und als Exotin unter Exoten noch die riesige VanVeen.

Von den Hercules W2000 hatten mein Vater und ich in den Achtzigern je eine (und damit mehr als ein Promille der gesamten Produktion) – die Maschinen waren in der damaligen 27 PS-Klasse, wie eine BMW R45, eine Yamaha SR oder eine Honda CB400.

Sie waren klassenüblich schnell, hatten ein gutes, etwas steifes Fahrwerk und einen Motor, der süchtig machen konnte: Er lief wie eine Turbine, ähnlich wie ein Elektromotor, natürlich nicht mit dem entsprechenden Drehmoment, aber annähernd vibrationsfrei und mit einem Klang, der heute noch bei alten Freunden in bester Erinnerung ist. Tolles Motorrad!

Leider war das aber auch verbunden mit relativ hohem Spritverbrauch und einer auch für damalige Verhältnisse unterdurchschnittlichen Lebensdauer. Mein Vater brauchte nach 20.000 km eine Motorüberholung – die Dichtleisten blieben nicht immer dicht, und es gab nur wenige Spezialisten, die sich dranwagten!

Meine W2000 wurde entsprechend ihrer Vorlieben bewegt und lief damit sauber und zuverlässig, Autobahnen waren nicht ihr Revier, da soff sie Benzin und Öl, aber auf kleineren Landstraßen war es ein Genuss.

Ja, wäre dann für den jungen Herrn Hegemann nicht eine Verdoppelung der zu beherrschenden Kräfte erforderlich gewesen, um schneller über die Alpenpässe zu jagen, hätten wir noch einige schöne Straßen zusammen kennengelernt.

Bei den Wankels zeigten sich allgemein Probleme mit der Sparsamkeit und der sauberen Verbrennung der Abgase…. Themen, die in den Ölkrisen der 70er doppelt wogen!

In einer Analyse sprach der bekannte Motor-Journalist Dieter Korp dem Wankel-Motor den Entwicklungsstand eines Hubkolbenmotors von Anfang der dreißiger Jahre zu, und dieser Rückstand wurde leider nicht aufgeholt.

In der Folge verabschiedeten sich in den Siebzigern fast alle wieder von dem Motorprinzip, bis auf Mazda, dort wurde erst 2011 der letzte Mazda RX-8 gebaut.

Norton ließ von 1983 bis in die 90er Jahre auch noch verschiedene Serien Wankelmotorräder vom Stapel, zu unausgereift, nicht konkurrenzfähig – es schlug fehl.

Norton Classic aus British Classics 2 2012 Foto:Stephan Lindloff

Felix Wankel starb 1988, in Technikkreisen hochgeschätzt und hochgeehrt. Und ausgesprochen wohlhabend. Er war wohl der einzige, der zu seinen Lebzeiten Erfolg mit einem Motor hatte, der seinen eigenen Namen trug… Nikolaus Otto und Rudolf Diesel gelang dies nicht.

Das Kapitel Wankelmotor scheint abgeschlossen, die Faszination lebt weiter!

P.S.
Wer übrigens ein Wankel-Motorrad nichtdeutscher Provenienz zu einem sozialverträglichen Preis in neue, respektvolle Hände geben möchte, kann sich gerne an mich wenden – wir sollten reden!

Fotoquellen:
Übersicht der Entwicklungsstufen aus Dieter Korp „Protokoll einer Erfindung: Der Wankelmotor“. Motorbuch Verlag 1995.
Animierter WankelmotorWikimedia
NSU RO 80 aus Werner Oswald „Deutsche Autos 1945-1976“. Motorbuchverlag 1977.
Maxda RX5 Coupé aus „alle auto‘s 1974“, weernink, uitgeevereij de alk bv, alkmaar.
Van Veen aus „Motorrad Katalog 1977“. Motor-Presse-Verlag 1976.
Suzuki aus „Motorrad Katalog“. Motor Presse Verlag 1975.
Yamaha aus „Motorrad Katalog“. Motor Presse Verlag 1975.
Hercules aus „Motorrad Katalog 1977“. Motor-Presse-Verlag 1976.
Norton aus „British Classics 2“, 2012, Stephan Lindloff.

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