Sicherheit im Test: Übersicht über Verfahren und Prüforganisationen

Bald wird es spannend und handfest – wir gehen zu Mercedes-Benz nach Stuttgart und lassen uns vor Ort einiges zum Thema Sicherheit erzählen. Doch vorher werde ich den eher theoretischen Teil der Kampagne noch mit einem letzten Artikel abschließen.

Nachdem ich euch bereits einiges über die Entwicklung von Sicherheit im Automobilbau und vor allem über zentrale Sicherheitsinnovationen wie Airbag, Sicherheitsgurt oder Knautschzone erzählt habe, dreht sich nun heute alles um die unterschiedlichen Verfahren, Tests und Prüforganisationen, die sich in den Jahren ausgebildet haben.

Am bekanntesten sind hier sicherlich TÜV, Dekra und der Crashtest. Außerdem fallen uns in der Regel auch Elchtest und Euro NCAP in dem Kontext ein.

Wie genau so ein Crashtest abläuft, werden Jens und ich euch in ein paar Wochen anhand der C-Klasse beispielhaft zeigen können.

Sicherheit im Fokus

Heutzutage geht kaum noch ein Neuwagen auf den Markt, ohne dass er viele Sterne in dem Euro NCAP-Test vorweisen kann. Und das ist nicht nur ein Marketinginstrument für die Werbung.

Es ist in unseren Köpfen derart verhaftet, dass ein Auto, welches schlecht abschneidet, gar nicht in die engere Kauf-Auswahl kommt. Doch nicht nur bei Neuwagen steht die Sicherheit bei uns hoch im Kurs. Ohne TÜV-Plakette darf kein Auto auf unsere Straßen.

Und bei Oldtimern gibt es sogar ein spezifisches Gutachten mit technischer Prüfung, das untersucht und belegt, dass das ältere Auto wirklich straßentauglich ist und mit dem H-Kennzeichen ausgestattet werden darf. Andreas hat sich letztens mit seinem BMW 6er darauf eingelassen und so seinen Youngtimer in einen Oldtimer verwandelt.

Prüforganisationen

Wichtige Organisationen, die ich in dem Kontext kurz vorstellen möchte sind TÜV,Dekra und GTÜ.

Der Technische Überwachungsverein – kurz TÜV – ist in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Organisation, die vor allem bei der Autosicherheit eine wichtige Rolle spielt. Wir sprechen von der TÜV-Plakette und sagen, wenn die nächste Hauptuntersuchung ansteht: „Mein Auto muss zum TÜV.“

TÜV-Plakette und Plakette der Abgasuntersuchung (AU)

Dabei ist der TÜV wesentlich mehr. Sein Aufgabenfeeld erstreckt sich nicht nicht nur über die Überprüfung der Fahrtauglichkeit und Straßensicherheit von Autos. Tatsächlich wird fast alles von ihm untersucht. Das Qualitätssiegel „TÜV-geprüft“ gibt es bei Spielzeugen, Maschinen, Lebensmitteln, in der Technik, im Bankwesen und in vielen anderen Branchen.

Die bekannteste Prüfung ist aber sicherlich die Hauptuntersuchung für Autos. Umgangssprachlich hat es das Auto „durch den TÜV“ geschafft, und bekommt die TÜV-Plakette, ohne die es auf keine Straße darf.

Mittlerweile gibt es jedoch noch andere Anbieter, die die periodischen Untersuchungen des Autos, wie HU, Abgasuntersuchung, aber auch Sicherheitsprüfungen oder Gutachten anbieten, wie beispielsweise die Dekra. Dennoch hat sich bisher nichts an der öffentlichen Wahrnehmung geändert – im Sprachgebrauch dominiert weiterhin TÜV.

Der Deutsche Kraftfahrtzeugs-Überwachungs-Verein hat sich von Beginn an auf die technische Prüfung und Überwachung von Kraftfahrzeugen und technischen Anlagen fokussiert.

Die Gesellschaft für Technische Überwachung mbh (GTÜ) agiert seit 1977 und hat sich ebenfalls die technische Überprüfung von Fahrzeugen und Anlagen jeder Art auf die Fahnen geschrieben.

Sicherheitstests

Wenn es um das Thema Sicherheit und Auto geht, schießt mir direkt das Bild eines Crashtests in den Kopf: Ein Auto mit Crashtest-Dummys wird kontrolliert auf ein Hindernis losgelassen und simuliert so einen Unfall und die Kräfte, die auf Wagen und Insassen wirken.

Crashtest bei General Motors

Crashteste gibt es schon seit den 70er Jahren. Ziel ist es, ein möglichst genaues Bild über das Verhalten von Auto und Insassen während eines Unfalls zu erhalten. Dafür werden verschiedene Unfallszenarien möglichst realitätsnah, aber kontrolliert nachgestellt.

In der Regel fährt ein Fahrzeug gegen ein feststehendes starres oder deformierbares Hindernis oder ein weiteres Auto, um so Unfälle in allen möglichen Varianten abbilden zu können.

Klassisches Beispiel dafür ist ein Auffahrunfall. Welchen Kräften sind wir Insassen bei einem Auffahrunfall mit 30 km/h, 50 km/h oder 100 km/h ausgesetzt? Und vor allem. Wo wirken diese Kräfte, also wo ist besonderer Schutz von Nöten?

Auf Basis dieser Erkenntnisse können Sicherheitssysteme im Automobilbau entwickelt werden, die genau dort wirken und schützen.

In Europa besonders verbreitet ist der Euro NCAP-Test (European New Car Assessment Program), ein herstellerunabhängiges Crashtestprogramm. Die Euro NCAP ist eine Gesellschaft europäischer Verkehrsministerien, Automobilclubs und Versicherungsverbände, die 1996 in England gegründet wurde.

Seit 2008 umfasst der Test vier Bereiche:

  • Insassenschutz
  • Kindersicherheit
  • Fußgängerschutz
  • Sicherheitssysteme

Von diesem Test kennen wir die Vergabe der Sternchen als Indikator für die Sicherheit. Seit Februar 2009 wird die gesamte Sicherheit des jeweiligen Autos mit einer einmaligen Vergabe von 1 bis 5 Sternen angezeigt.

Abgesehen vom Crashtest gibt es unterschiedlichste Testszenarien, die die verschiedenen Teile und Bereiche eines Autos unter die Lupe nehmen. Allen bekannt ist seit 1997 sicherlich der sogenannte Elchtest, als in Schweden eine Mercedes-Benz A-Klasse umkippte.

Eigentlich als Fahrdynamiktest bekannt, soll mit plötzlich auftretenden Hindernissen die Fahrstabilität der Autos getestet werden. Im Fall der A-Klasse waren die rasanten Spurwechsel zu viel; sie brach aus und kippte seitlich um.

Elchtest

Der Elchtest ist jedoch zugleich ein perfektes Beispiel für den Sinn solcher Sicherheitstests: Offensichtlich mit einem gravierenden Mangel ausgestattet und so einfach nicht sicher, hat der Elchtest die mangelnde Fahrstabilität eindrucksvoll vor Augen geführt. Mercedes wusste daher wo sie ihre Verbesserungen ansetzen mussten, um das Auto sicher zu machen.

Fotoquellen:
TÜV-Plakette und Plakette der Abgasuntersuchung (AU) – Wikimedia – GeorgHH
Crashtest bei General Motors – Wikimedia – Mate Douglas Waite
Elchtest – Wikimedia – Mercury

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