Mein aller-erstes Auto: Friedrich – das Goggomobil

Vor einigen Monaten kam sie dann doch in den Glas-Container, die leere Piccoloflasche, die mich lange begleitete und unzählige Umzüge mitmachte, beklebt seit über 35 Jahren mit einem Zettel, auf dem in ungelenker Knabenschrift verewigt stand: „Dies ist die Sektflasche, die ich zu meinem ersten Autokauf bekommen habe!“

Mein erstes und selbst erworbenes Auto war in den späten Siebzigern eine 64er Goggo-Limousine in schönem verblichenen Hellblau mit rotem Kunstlederinterieur, Benzinhahn hinter den Rücksitzen, in gutem fahrbereiten Zustand für 150 DM. Sie hatte einen munteren Zweitakter, der mit satten 250ccm und zornigen 13,6 PS im Heck ausgedehnte erste Driftübungen ermöglichte.

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Goggo-Innenraum1200x800

Nachdem ich mein Auto mit meinen kleinen Geschwistern durch das Dorf nach Hause geschoben hatte – sie schoben, ich hatte die zentrale Aufgabe, das „Kraftfahrzeug zu führen“ -,  gab es zu Hause für alle zusammen eben diesen Piccolo – hat mir damals noch nicht geschmeckt.

Ach ja, Schieben? Ja, Schieben! In der Folge mussten nämlich alle Fahrten im großen Garten passieren, von der sehnlichst erwarteten 18 war ich noch einige Jahre entfernt, die Motorisierung damit sicher ausreichend. Da anfangs keiner der Fahrer die 1,60 m ernsthaft überschritten hatte, war der Fahrersitz immer mit einem dicken Kissen als Rückenlehne versehen, um die Pedale erreichen zu können.

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 Die Bedienung hatten wir schnell im Griff, das Interieur war schnell erklärt…

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Der Garten wurde in der Folge auch dank geduldiger Nachbarn und eines ebensolchen Vaters zu einem Anziehungspunkt für einige weit minderjährige Liebhaber gediegenen 1:25 Duftes und echten Zweitakt-RengDengDengs.

Denn wir konnten in einem Oval (sogar mit einem als Steilkurve zu nutzenden Hang) richtig Autofahren, mit Schalten, Handbremsenbetätigung im Matsch und ähnlichem, also alles, was größere Rallyefahrer auch taten. Zu dieser Zeit war das auf dem Land noch möglich.

Leider war niemand da, den wir hätten überholen können, Wettrennen mit Fahrrädern und einer Velosolex und ähnlichem haben wir nur kurz probiert, war uns zu gefährlich – hurra, ein erstes Aufflackern der Vernunft….

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Die werksseitig empfohlene Reinigung kam leider immer etwas zu kurz. Ich fand mein Goggo zwar toll, ein Liebesverhältnis baute sich jedoch nicht auf…

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Erfreulicherweise wurde der Sprit durch meine Eltern mit-gesponsert, nach dem Kauf war ich gefühlt trotzdem richtig pleite. Eine neue, dringend benötigte 6Volt-Batterie war leider nicht mehr drin, die alte war gerissen (und verlor somit ständig Schwefelsäure) – alle paar Tage musste ich sie ausbauen, in unsere Werkstatt schleppen, mit aqua dest. auffüllen und wieder laden.

Meine enge Beziehung zu meinem Goggo kam zu einem Ende, als ich eines Tages nach dem Herumschleppen der Batterie einen Juckreiz am Unterbauch verspürte, Blick nach unten:

  • Ups, meine Jeans war durchgeätzt, also schnell raus aus der Hose
  • Uups, meine Unterhose war durchgeätzt, schnell raus aus dem Fetzen
  • Uuups, lauter rote Flecken in einem pizzatellergroßen Bereich unterhalb des Nabels – gaaanz schlecht, es juckte furchtbar!

Danach hatte ich keine Lust mehr auf Goggo, 2 Jahre später kam mit sonnigen 16 das nächste Autoabenteuer – immerhin, schöne Erinnerungen an das Goggomobil und die alte Bedienungsanleitung habe ich noch.

 

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