Aufkleber-Wahnsinn …

 …oder warum müssen manche Zeitgenossen anderen Verkehrsteilnehmern unbedingt mitteilen, wie ihre dicken Kinder heißen?

Ihr kennt das auf jeden Fall: Eine Ampelkreuzung, leider nicht anders zu umfahren… und was passiert? Vor euch steht ein fetter SUV. Auf dessen Heckscheibe prangen in Großbuchstaben die Namen der Kinder des vor euch fahrenden Verkehrsteilnehmers.

Jacqueline, Chantal und Kevin sind angeblich on Board. Ein geübter Blick in den Fahrgastraum offenbart die Realität: Weder Kindersitz, noch genervte Jungterroristen sind erkennbar.

Warum also dieser Blödsinn? Was soll der Quatsch mit den Namen?

Warum glaube ich als Fahrer, dass die anderen Leute unbedingt wissen wollen, wer meiner kleinen Killertruppe so alles angehört? Ich kann diese Frage nicht beantworten.

Ich habe nur einen R+V24-Aufkleber auf meiner Heckscheibe. Aber auch ich frage mich so manches Mal „Warum?“. Mein Motiv ist aber stark genug! Ich denke, alle sollten wissen, bei welcher abgefahrenen Firma dieser coole Typ in seiner megastarken Karre arbeitet. 🙂

70er Show

…und ich habe auf der Frontscheibe aus reiner Vorsichtsmaßnahme einen Aufkleber meiner Parking-App kleben, nur um nicht aus Versehen mal abgeschleppt zu werden. Das Thema hatte ich in meinem Spezialartikel (https://magazin.rv24.de/2013/11/12/mobilecity-und-easypark-mit-apps-schlauer-parken/4569) ausführlich beschrieben.

Ich kann heute beim besten Willen keinen Trend in Richtung „Aufkleber“ erkennen. Das Folieren von Fahrzeugen und die Nutzung zu Werbezwecken mal dabei unberücksichtigt. Die Namenaufkleber ebenfalls mal außen vorgelassen oder dem unbedingten Bekenntnis zu Sylt, ist die Sache so gut wie tot.

In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts sah die Sache aber anders aus.

Als Jungspund, aufgewachsen in der DDR der 70er Jahre, waren Aufkleber (und die prangten eigentlich nur auf den Westaustos) ein lohnendes Ziel. Ich habe damals nix unversucht gelassen, möglichst viele Aufkleber von diesen Westkarren rückstandsfrei abzupulen und gegen andere Sachen einzutauschen oder in einem Aufkleber-Trophäen-Album zu sammeln.

Unklar ist aber auch in damaliger Zeit, warum man sein Allerheiligstes mit Markenbotschaften völlig beziehungsfreier Art verunstaltet hat.

Texaco, Castrol, Shell-Aufkleber auf seine Heckklappe zu kleben, ohne auch nur im Geringsten eine Beziehung zu diesen Firmen zu unterhalten, ist wirklich rätselhaft. Wollte man hässliche Rostbeulen abdecken? Vielleicht kann der geneigte Leser hier aufklärend wirken.

Einen „Atomkraft – nein Danke“ oder ein „Herz für Kinder“-Aktionsaufkleber auf die Heckscheibe zu pappen, waren noch irgendwie nachvollziehbare Handlungen und enthielten als Botschaft diverse Bekenntnisse. Man bekannte sich zum Frieden, zur Nachrüstung oder gegen Kanzlerkandidaten. Aber auch parteilpolitisch wurde per Klebefolie Farbe bekannt – pro SPD, CDU, Grüne usw.

Ebenfalls wurden gesundheitliche Themen aufgeklebt, z.B. “Rauchen? Find ich beknackt”, eine durchgestrichene Zigarette, „Drogen? Ich glaub, ich spinne“ oder „Alkohol? Bin ich bescheuert?“. Gleichzeitig konnte man sich natürlich auch zum Rauchen oder Trinken bekennen: Eine Zigarettenmarke propagierte “Let’s go West!”, Alkoholhersteller waren ebenfalls mit Logos und Sprüchen vertreten.

Kleine Linkliste zum Thema

http://chantalismus.tumblr.com

http://klebe-x.de

http://www.historiclassic.de

…oder einfach mal googlen!

PS: Wir sind nicht böse, wenn Ihr uns Eure nicht benutzen Aufkleber zusendet!

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