Ridesharing – Alternative zum Taxi? Mit App und Chauffeur durch die Stadt

Am 11. Juni versanken einige Innenstädte im Verkehrschaos. So zumindest planten es Taxifahrer in mehrereren europäischen Großstädten. Sie wollten aus Protest den Verkehr lahmlegen. Ihr Gegner: Das so genannte Ridesharing über Smartphone-Apps.

Eigentlich klingt es ganz einfach. Ich lade eine App auf mein Smartphone und kann dann bei Bedarf einen privaten Fahrer kontaktieren, der mich durch die Stadt kutschiert. Am Ende zahl ich was und das wars.

Klingt nach Taxi? Das finden die Taxifahrer auch und sehen ihr Geschäft von den Firmen, die Fahrer und Mitfahrer zusammenbringen, bedroht. Sie argumentieren mit der fehlenden Ausbildung und Überprüfung privater Fahrer, mit der Transparenz durchs Taxameter und der regelmäßigen, technischen Überprüfung der Fahrzeuge.

Taxi

Uber, Wondercar und Lyft, die Anbieter der Apps, sehen sich wiederum nur als Vermittler und gehen hier nicht von einer kommerziellen Personenbeförderung aus.

Zum Vergleich: Ein Taxifahrer muss neben Führerschein und Fahrpraxis ein Führungszeugnis, einen Auszug aus dem Flensburger Punkte-Register und einen Personenbeförderungsschein vorweisen. Auch Ortskunde wird bei ihm abgefragt. Dies wird bei den privaten Fahrern so nicht überprüft.

Wo liegt der Vorteil für den Fahrgast?

Apps sind ja nicht mehr neu. Und Taxis können auch über Apps wie myTaxi oder taxi.de geordert werden. Die App allein macht also nicht den Unterschied, bleibt noch der Preis.

Uber und Co. locken mit günstigeren Preisen als die von den Städten festgelegten Tarife der Taxifahrer. Bei Wundercar beispielsweise ist die Fahrt selbst kostenlos, der Fahrgast bekommt jedoch gegen Ende der Fahrt von der App einen Vorschlag für ein freiwilliges Trinkgeld. Zahlt er dieses Trinkgeld, bekommt Wundercar einen Anteil davon.

Die Stadt Hamburg, einer der drei Orte neben Berlin und Dublin, an denen Wundercar bisher Fahrer vermittelt, ist der Meinung, dass die Wundercar angeschlossenen Fahrer entgeltliche Personenbeförderung durchführen, ohne im Besitz einer Genehmigung nach dem PBefG zu sein. Daher hat die Hansestadt die Vermittlung untersagt.

Legale Alternative?

Nicht nur in Hamburg sieht man die Dienste kritisch. Ein Berliner Taxiunternehmer hat erfolgreich beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen den Limousinenservice (UberBlack) von Uber erwirkt. Doch Uber kann weiter arbeiten, da der Berliner Unternehmer die einstweilige Verfügung nicht vollstreckt.

Das Uber Ridesharing-Angebot (UberPop) war bisher noch nicht Gegenstand eines Gerichtsverfahrens. Trotzdem operieren die Ridesharing-Anbieter in einer Zone zwischen kommerzieller Personenbeförderung und Vermittlung privater Mitfahrten ohne Entgeld. Das macht die Frage „legal oder nicht“ schwierig zu beantworten und auch zukünftig dürfte es hier noch Beschäftigung für Juristen geben.

Ist das die Zukunft?

Interessant bleibt zu beobachten wie sich Mobilität verändert. Carsharing stellt die Anschaffung eines eigenen Autos in Frage, Fernbusse machen der etablierten Bahn Konkurrenz und Taxis werden durch private Fahrer in Frage gestellt.

Bisher sieht es nicht nach Verdrängung, sondern nach Alternativen aus.

Ich wage zu behaupten, dass sich Ridesharing nur etablieren kann, wenn es preislich attraktiver, ähnlich verfügbar und ähnlich komfortabel und sicher wie Taxifahren ist. Für den ländlichen Raum kann ich es mir momentan gar nicht vorstellen.

Was meint ihr? Nutzt ihr eines dieser Angebote als Fahrer oder Mitfahrer?

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