Nissan 370Z Roadster – Cruiser oder Sportwagen? Test / Fahrbericht!

Mit zerzaustem Haar fuhr ich zum Frisör. Es lag a) an meiner zu lang gewordenen Matte und b) an der Tatsache, dass ich vorher das Dach vom Testfahrzeug öffnete und mir eine 328 PS Sturmfrisur verpasst habe.

„Die haben bestimmt noch ein anderes Fahrzeug…“ hörte ich die Rentner-Gilde noch lästern, die Sportlichkeit vom Nissan 370Z Roadster wurde noch einmal mit einem „Da kommen wir ja weder rein noch raus“ bestätigt. Der Nissan 370Z Roadster ist kein weichgespültes Cabrio, welches auf sportlich macht.

Der Nissan 370Z Roadster unterscheidet sich optisch leicht vom Nissan 370Z Coupé. Die Frontscheibe ist etwas flacher und das Stoffverdeck verschwindet innerhalb von 20 Sekunden in seinem Kasten.

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Auf die Gefahr hin, dass ich das Fazit vorwegnehme: Der Nissan 370Z Roadster bietet keinen Kompromiss, er ist ein reinrassiger Sportwagen und zwar einer, der nach dem altem Rezept gebaut wurde: Motor vorne, Antrieb hinten!

Unter der Motorhaube schlummert der 3,7 Liter 6-Zylinder. Die 328 Pferdestärken weckt der Fahrer durch einen Tastendruck auf die Start-/Stopp-Taste und der Motor quittiert den Startvorgang durch ein sonores Klangbild und wenn der Fahrer das Gaspedal nicht nur streichelt, sondern den 6-Zylinder drehen lässt, dann lässt er den 370Z auch fliegen.

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Seitenneigung? Fast nicht vorhanden! Wankbewegungen? Nie gehört! Komfort? Gibt es nicht! Das Fahrwerk ist sportlich abgestimmt, die Sitze lassen sich teilweise elektrisch und teilweise manuell in die gewünschte Sitzposition bringen und die Schaltung? Die ist etwas hakelig, überzeugt aber durch die automatische Zwischengasfunktion, so dass sich jeder Anfänger wie ein Rennfahrer fühlen kann.

Wer die Grenzen der Fahrphysik austesten will, wird sich über das ESP freuen, es greift (nicht zu früh) ein und rettet das Fahrzeug und die Insassen. Wer auf diesen doppelten Boden, also auf das Rettungsnetz verzichten möchte, kann das ESP per Tastendruck ausschalten. Wer dann in den Kurven etwas mit dem Gasfuß spielt, kann die Vorteile vom Hecktriebler ausnutzen und quasi mit der Hinterachse lenken.

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Der Nissan 370Z Roadster ist ein Kurvenräuber und ja, es ist teilweise echt beruhigend zu wissen, dass unter der Motorhaube ausreichend Leistung vorhanden ist, um einen Überholvorgang noch mal schnell zu beenden.

Ab einem Basispreis von 38.900 Euro geht es los, dafür bekommt man einen Roadster mit einer direkten Lenkung, einem sportlich abgestimmten Fahrwerk und einem 328 PS starken V6, der sich sehr drehwillig zeigt.

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Kritikpunkte: Das Lenkrad lässt sich nicht axial, sondern nur in der Höhe verstellen. Die Sitze sind sportlich konturiert, wer jedoch den Kopf an die Kopfstütze legt, der spürt im Rücken die Halterung dergleichen.

Mir persönlich, aber vielleicht bin ich da auch etwas verwöhnt, mangelt es etwas an Klang. Da muss man wohl zum Tuner und eine Sportauspuffanlage montieren, denn mir persönlich brüllt der Nissan 370Z Roadster etwas zu wenig. Unterhalten kann man sich im Innenraum bei geöffnetem Dach bei zügiger Fahrweise sowieso nicht.

Die Rundumsicht ist, vor allem beim geschlossenen Dach, eher negativ zu bewerten. Beim Einparkvorgang hilft aber die Rückfahrkamera.

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Die (mangelnde) Alltagstauglichkeit sehe ich nicht als Kritikpunkt an. Das Kofferaumvolumen liegt bei 140 Liter, das reicht für einen Golfbag und wer die Styroporverkleidung da drunter ausbaut und das Tyre-Fit, den Verbandskasten und das Warndreieck andersweitig unterbringt, der kann sogar zwei Kabinentrolleys in den Kofferraum bekommen. Die Rentner-Gang vom Frisör hatten schon Recht, der Nissan 370Z ist ein Zweitwagen, egal ob als Coupé oder als Roadster.

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Fazit: Der Nissan 370Z Roadster ist nicht nur nach dem besten Sportwagen-Rezept gekocht, er ist auch sehr gut abgeschmeckt.

Er ist allerdings auch ein Gourmet, trinkt gerne und viel. Super Plus darf es sein für den Nissan 370Z und auch wenn der NEFZ einen Verbrauch von 10,9 Liter auf 100 km verspricht, kann man den Wert locker toppen.

Dennoch, der Nissan 370Z ist (auch als Roadster) ein bezahlbarer Sportwagen mit sehr guten Fahrwerten. Von 0 auf 100 km/h geht es in 5,6 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h und dazwischen ist noch Platz für viel, viel Fahrspaß, eine Unterhaltung bei schnellerer Fahrweise mit dem Beifahrer ist allerdings nur bedingt möglich, die Windgeräusche sind einfach zu hoch.

Zu hoch ist nicht der Preis, der geht vollkommen in Ordnung. Wer etwas mehr Alltagstauglichkeit haben möchte und auf das Open-Air Gefühl verzichten kann, der sollte zum Coupé greifen.

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Was schreiben die anderen Blogger über den Nissan 370Z Roadster?

„Die Erscheinung des Nissan 370Z Roadster ist bullig, irgendwie ein bisschen japan-typisch und betont aggressiv sportlich. Runde ausgestellte Kotflügel hinten, zackige Scheinwerfer-Designlinien vorne. Die Farbe Midnight Blue steht ihm dabei besonders gut, weil es ihm eine leicht edle Note verleiht.“ schreibt Thomas Majchrzak und sein Fazit sieht ähnlich positiv aus: „Wir behalten den Nissan 370Z Roadster als spritziges kompaktes Cabrio in Erinnerung, das eine Fahrdynamik bietet, die Leistung und Handling im Vergleich zu Premium-Produkten in Nichts nachsteht. Nissan bietet sogar serienmäßig noch einige Features, die man bei anderen vergeblich sucht. Dazu zählt zum Beispiel die 3-stufige aktive Sitzkühlung – die gerade in einem Roadster immer für eine angenehme Temperatur an Gesäß und Rücken sorgt.“

Sebastian Bauer gilt als Quer-Dynamiker, seine Meinung zum Nissan 370Z Roadster: „Wer glaubt, der Nissan 370Z Roadster könne nur beim Preis punkte, der dürfte eine saftige Überraschung erleben, wenn er die erste Runde mit dem kräftig gebauten Sportler dreht: aus gutem Grund trägt der Z hierzulande auch den liebevollen Spitznamen „die dicke Lady“: die kräftigen Proportionen lassen den Z stämmiger und behäbiger wirken, als er letztlich ist. Stattdessen weiß der Roadster auf den ersten Metern mit seinem direkten und scharfen Fahrverhalten zu begeistern.“

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Der Nissan 370Z Roadster im Zielgruppen-Check:

Nissan 370Z Roadster Kaufberatung für Singles / Paare: Ideal! Genießt die Zeit und mit dem Roadster hoffentlich auch viele Sonnenstunden. So günstig kommt man nicht an einen durchaus potenten Sportwagen mit Open-Air Qualitäten.

Nissan 370Z Roadster Kaufberatung für junge Familien mit 1 Kind: Das funktioniert nicht, denn Kindersitze können nicht (bzw. nur schwer) montiert werden und als reiner 2-Sitzer muss man einfach feststellen, dass der 370Z in dem Fall nur als Zweitwagen geeignet ist. Wie wäre es denn mit einem GT-R?

Nissan 370Z Roadster Kaufberatung für junge Familien mit 2 Kindern: Vergesst es!

Nissan 370Z Roadster Kaufberatung für die Best Ager: Die Rentner-Gang hatte schon recht, man fällt ziemlich tief beim Einsteigen und muss sich somit natürlich auch wieder rausquälen. Um den Kofferraum zu beladen, muss man das Ladegut erst ca. 90 cm hoch heben, um es anschließend wieder ca. 30 cm abzusetzen. Wer seinen zweiten, dritten oder vierten Frühling erleben möchte, der kann das sicherlich auch mit einem Nissan Juke Nismo, ich würde den 370Z nicht für die Generation 50+ empfehlen, sorry.

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