Faszination Bugatti

„Bugatti“, den Namen hat ja jeder schon mal irgendwo gehört…und sei es von der Nutzung des edel aufgeladenen Namens für Schuhen, Brillen, Kleidung oder Parfüm. Und natürlich kennt auch der Nicht-Auto-Fan die absurd starken, extrem schnellen und sehr kostspieligen modernen Autos aus dem VW-Konzern.

Bugatti, dieser Name trägt einen besonderen Nimbus, der bei vielen wirkt!

Wie entwickelte sich der Ruf dieser Marke, dass noch 50 Jahre nach ihrem Ende die kühl kalkulierenden VW-Strategen für die absoluten Spitzenprodukte auf ihren Ruhm setzen?

Am Anfang stand der Mailänder Carlo Bugatti, einer der bekanntesten Designer von Möbeln des Art Nouveau, seine Objekte waren hochbegehrt in Europa wie in Amerika – und finden sich heute in vielen Museen.

Bugatti Möbel im Landesmuseum Mainz

In seinem Haus verkehrten Künstler wie der Maler Segantini und die Komponisten Leoncavallo und Puccini. In dieser ebenso exzentrischen wie elitären Umgebung wuchsen Carlos Söhne Rembrandt und Ettore auf.

Der hochtalentierte Rembrandt wurde einer der bekanntesten Tierbildhauer des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, er nahm sich leider 1916 das Leben.

So genial und eigenwillig wie Vater und Bruder als Künstler, zeigte sich Ettore als Ingenieur.

Schon seine ersten Versuche zeigten sein überragendes technisches Verständnis: Mit 21 Jahren wurde er im Elsass technischer Leiter der Auto-Fabrik von de Dietrich, nach mehreren vergleichbareren Stationen machte er sich 1910 als Automobilfabrikant selbständig und produzierte zunächst für Peugeot den von ihm entwickelten „Bebe“, einen flotten und leichten Wagen.

Nach dem ersten Weltkrieg ging es richtig los: Bugatti machte Furore mit leichten Sport- und Rennwagen wie den Typen 13, 23 und 30, nutzbar sowohl auf der Straße wie auch direkt ohne weiteren Umbauten im Renneinsatz – die Weiterentwicklung Typ 35 und dessen Derivate wiederum wurden ab 1924 die absolut erfolgreichsten Rennwagen und die Blaupause für viele Nachahmer.

Bugatti T35 T37

Bugattis Ideal war das leichte Vollblutpferd, le pur sang. Neben dem Thema Gewichtreduktion vergaß er daher nie die technische Ästhetik.

Bugatti T50

Ettore widmete sich dazu auch den Luxusmodellen, der kleine Royale hatte die Ausmaße eines Rolls-Royce, der große, echte Royale war um einiges größer, gehört zum beeindruckendsten an Auto, was je gebaut wurde – und war ein Ladenhüter (immerhin konnten die mächtigen, extrem solide konstruierten Motoren dann in Schienenwagen der französischen Bahn eingebaut werden, wo sie noch jahrzehntelang ihren Dienst taten).

Bugatti Royale Esders

Bugatti Royale Coupe Napoleon

Bugattis Selbstinszenierungen als Grandseigneur auf einem Vollblutpferd seiner eigenen Zucht vor seinem Schloß in Molsheim und neben seinen Autos passten zum Anspruch.

Und meist konnte er sich leisten, seine Autos zu „verteilen“ – wer dem schwierigen Charakter nicht gefiel, der konnte mit soviel Geldscheinen winken wie er wollte, einen Bugatti bekam er nicht.

Dann, gerade als die Konkurrenz in die Schlagweite der Bugattis kam, trat ein weiterer Bugatti auf den Plan: in Ettores Sohn Jean verschmolzen die technische Begabung des Vaters mit dem künstlerischen Talent des verstorbenen Onkels.

In der Folge zeichnete auch er bereits mit Anfang 20 verantwortlich für die Typen 55 und 57, Inbegriffe der starken, schnellen Sport- und Tourenwagen der 30er Jahre, ausgestattet mit ebenfalls von Jean gezeichneten Karosserien, die zum überzeugendsten gehören, was jemals auf den Straßen zu sehen war:

1939 verunglückte Jean, bald danach starb Ettore, sein anderer Sohn Roland versuchte noch bis in die sechziger Jahre, die Marke weiterzuführen – es misslang.

Circa 7.950 Bugattis waren entstanden, alle gesuchte hoch- und höchstpreisige Sammlerstücke. Ich bin offensichtlich nicht der einzige, der Ettores und Jeans Werke bewundert.

1998 ließ sich VW die Rechte an dem Namen Bugatti wohl einiges kosten, für eine Marke, deren erstes Leben eigentlich mit dem 2. Weltkrieg endete. Und bis heute belebt VW die Tradition der Marke Bugatti als Hersteller der elitärsten Sportwagen.

Bugatti Veyron

Mich beeindruckt Bugatti, seit ich als kleiner Junge mit dem Bugatti-Royale Cabrio-Automodell meines Vaters spielen durfte, die Mischung aus Technik und Ästhetik zieht mich seitdem in ihren Bann. Und einige Objekte finden sich im Haus verstreut…

Anmerkung 1:
Meine Mutter, hoch kunstsinnig und ästhetisch stilsicher, hat mit Autos überhaupt nichts am Hut – einmal bekam ich in den 80ern von ihr eine Postkarte mit einem Foto eines Bugatti 57, einziger Text: „Traumhaft!“

Bugatti Postkarte

Anmerkung 2:
Unbedingt mal in Mulhouse im Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf vorbeischauen!

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