Als Neuwagen bereits veraltet? Der Land Rover Defender – Fahrbericht / Test

Es gibt Fahrzeuge, die in der kompletten Bauzeit rein optisch nur sehr wenig verändert wurden. Das wären z.B. der VW Käfer, die Mercedes-Benz G-Klasse oder der Land Rover Defender.

Der Land Rover Defender basiert auf den Ur-Land Rover, der im Jahr 1948 auf den Markt kam.

Im Jahr 2011 bekam der Geländewagen einen Motor, der immerhin die Euro 5-Norm erfüllt. Der 2.2 Liter Turbodiesel verfügt über einen Rußpartikelfilter.

So richtig sparsam ist der 122 PS starke Diesel allerdings nicht, mit Verbrauchswerten zwischen 10,0 und 11,2 Liter laut NEFZ muss man leben – in der Realität wird es eher mehr. Vor allem wenn man das Fahrzeug mal auf der Autobahn bewegt.

Er schafft – laut Tacho – zwar Tempo 145 km/h, aber das ist alles andere als ein Vergnügen. Die Bremsen schwach, das Fahrwerk schwammig und einen Elchtest würde der Defender vermutlich nicht überstehen.

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Unbestritten sind aber seine Qualitäten Er ist robust und verfügt über eine scheinbar unzerstörbare Technik und die Geländegängigkeit bzw. die Offroadqualitäten dürften über jeden Zweifel erhaben sein. Ohne Zweifel: Die Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen ist ein ausgesprochener Pluspunkt.

Als Neuwagen bereits ein Oldtimer? Nun, ein Oldtimer muss – um ein H-Kennzeichen zu bekommen – mindestens 30 Jahre alt sein. Vor 30 Jahren gab es schon Airbags, im Defender vermisst man diese Luftsäcke genauso wie Assistenzsysteme. Der Defender ist ehrlich und spärlich ausgestattet, doch was nicht vorhanden ist, kann auch nicht kaputt gehen.

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Kein Wunder also, dass der Land Rover Defender als Arbeitsgerät und Nutz- und Zugfahrzeug in der Landwirtschaft eingesetzt wird.

Nach 67 Jahren wird der „Landy“ übrigens in die (wohlverdiente?) Rente geschickt. Der Land Rover Defender wird einfach nicht mehr den strengen Crash-Anforderungen gerecht und der Motor erfüllt auch nicht die EU6-Norm.

Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass der Land Rover Defender unverändert für andere Länder weiterproduziert wird, ähnlich wie es mit dem VW Bus und dem VW Käfer gemacht wurde.

Gefahren sind wir übrigens den 110 Station Wagon. Die 110 symolisiert den Radstand, angegeben wird der Wert in Zoll, denn schließlich ist der Land Rover ein Brite. 2,79 Meter ist der Radstand und somit gibt es im Innenraum ausreichend Platz für bis zu 7 Personen.

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Je nach Ausstattung steht dem Fahrzeug ein Kofferraumvolumen von 590-1.850 Liter zur Verfügung, die Zuladung beträgt mindestens 648 kg.

Der Landy ist also ein Arbeitstier und gegen Aufpreis zieht sogar „etwas“ Luxus ein: Klimaanlage, elektrische Fensterheber und beheizte Frontscheibe.

Wer nicht rastet, der rostet! Der Land Rover Defender verfügt zwar teilweise über Aluminiumbleche, die angenietet sind, jedoch sind sämtliche Stahlteile und auch der Rahmen nicht sonderlich gut gegen Umwelteinflüsse und Spritzwasser geschützt. Einfache Technik, leicht zu reparieren, nicht sonderlich bequem aber hart im Nehmen.

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Nein, mit dem Land Rover Defender möchte man nicht von Hamburg nach München über die Autobahn fahren, man möchte ihn auch nicht täglich in der Stadt bewegen – mit dem Landy möchte man aufbrechen und die große weite Welt entdecken und ich fürchte, er ist einer der wenigen Geländewagen, denen ich eine richtige Weltreise zutrauen würde.

Das Fahrgefühl ist ungewöhnlich, die Pedalerie ist sehr weit links angebracht. Aus dem Fahrerfenster kann man jederzeit die Reifen vorne sehen und das zählt, denn in der Wildnis möchte man wissen über welchen Stock oder Stein man gerade fährt.

Im Großstadt-Dschungel fühlt man sich nicht wohl, der Wendekreis liegt bei über 13 Meter und man muss schon etwas üben, um das 4,79 Meter lange Fahrzeug in eine Parklücke zu bekommen. Mit einer Höhe von genau 2 Metern muss man in einigen Tiefgaragen bereits aufpassen, aber wie gesagt: Der Land Rover Defender gehört weder in die Stadt, noch in die Garage, der gehört dorthin wo er gebraucht und genutzt wird.

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Auf unbefestigem Untergrund lässt er die Insassen nicht im Stich, er wühlt sich einfach raus und dank dem permanentem Allradantrieb fürchtet sich der Landy selbst vor den ausgefahrensten Waldfurchen nicht. Sollte einmal nichts mehr gehen, dann helfen Gelände-Untersetzung bzw. Differentialsperre, um den Vortrieb zu gewährleisten.

Im Offroad-Segment ein Meister seines Fachs und von seinen Fans geliebt und nicht umsonst von Militär, Rettungskräften und Weltenbummlern eingesetzt. Den Zielgruppen-Check können wir uns also ersparen.

Preislich gesehen ist er gegenüber der Mercedes-Benz G-Klasse (die selbstverständlich viel mehr Luxus bietet) allerdings unschlagbar. Für ca. 35.000 Euro bekommt man einen flammneuen Land Rover Defender, noch… denn sein Ende ist ja quasi schon besiegelt.

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Was bleiben dürfte ist eine entspannte Ersatzteil-Lage. Der Land Rover Defender ist ein Nutzfahrzeug durch und durch und gehört nach wie vor zu den geländetauglichsten Fahrzeugen der Welt.

Die maximale Steigfähigkeit beträgt 45°, der vordere Böschungswinkel liegt bei 48.7° während der hintere mit 35.6° angegeben wird. Der Rampenwinkel liegt bei 30° und die Seitenneigung bei 35°. Die Wattiefe wird mit 50 cm angegeben, auf der Höhe sind gerade mal die Trittstufen. Wer tiefere Flüsse durchfahren möchte, sollte unbedingt die Luftzufuhr verlegen, denn sonst droht dem Motor mit einem Wasserschlag der kapitale Totalschaden.

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Kritikpunkte: Die Lenkung ist ungenau und schwergängig, das Fahrwerk schaukelt auf und der Wendekreis sind wahrliche Kritikpunkte, doch das wird einen Landy-Fan nicht stören.

Ihr wollt noch den Einstiegspreis hören? Los geht es ab 31.290 Euro für die kurze Version, unser Testfahrzeug wird, inkl. etwas Ausstattung, etwa 40.000 Euro gekostet haben.

Den Landy wird man lieben oder hassen, ich gestehe, es ist nicht meine Art von Fahrzeug, ich mag ihn nicht sonderlich, aber ich weiß, dass zumindestens unser Andreas sich nun sehr über diesen Beitrag gefreut hat und ich muss gestehen, dass Defender fahren wie eine Zeitreise ist und defintiv entschleunigt und das tut doch auch manchmal ganz gut.

Ich werde – auch wenn ich kein Fan bin – den Defender vermissen, wenn er dann in ein paar Jahren von unserer Bildfläche verschwunden ist. Aber wie auch schon beim VW Käfer geschehen, werden wir früher oder später seinen Nachfolger sehen.

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