Der aktuelle VW Golf GTI – Zu Perfekt? Zu Langweilig? Test / Fahrbericht

Gutes bleibt bzw. kehrt immer wieder. Das gilt auch für den VW Golf GTI, der im Jahr 1976 als legendärer 1er GTI auf den Markt gekommen ist und auch in der heutigen Version, dem VW Golf 7 GTI, gibt es noch optische Anlehungen an den Ur-Ur-Ur-Großvater.

GTI bedeutet übrigens Gran Tourismo Injektion. Während der Ur-GTI noch mit 110 PS auskommen musste, hat sich der Wert inzwischen verdoppelt.

Mehr als nur verdoppelt hat sich die Anzahl der Mitbewerber – alleine im eigenen Konzern gibt es weitere sportliche Modelle, die ebenfalls um die Gunst der Kunden buhlen.

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Der aktuelle VW Golf 7 GTI ist 4,27 Meter lang, 1,44 Meter hoch und inkl. Aussenspiegel 2,03 Meter breit. Der Radstand beträgt 2,63 Meter und der Wendekreis liegt bei 10,0 Metern.

Das Leergewicht liegt zwischen 1.382 und 1.402 kg, die maximale Zuladung beträgt 543 kg. Der Kofferraum verfügt über einen Zwischenboden, das Volumen beträgt zwischen 291 und 380 Liter. Klappt man die Rücksitze (60/40 Verhältnis) um, dann erreicht man ein alltagstaugliches Ladevolumen von 1.270 Liter. 96 cm breite und bis zu 1,50 lange Gegenstände lassen sich dann sogar sportlich transportieren.

Die Dachlast beträgt 75 kg und wer sich seinen VW Golf GTI mit einer Anhängerkupplung ausrüsten lässt, der kann ungebremst 690/700 kg und gebremst 1.6/1.8 Tonnen ziehen (je nach Ausstattung).

Der 2.0 Liter 4-Zylinder verfügt in unserem Testfahrzeug über 230 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 350 Nm zur Verfügung. Die Leistung wird bei den GTI-Modellen über die Vorderachse abgegeben. Der VW Golf ist ein 5-Sitzer, allerdings sind die hinteren Sitze vom GTI so schön kontiert, dass ich das Fahrzeug nur für 4 Personen empfehlen würde. Die haben dann – bis zu einer Größe von 1,80 Meter ausreichend Kopf- und Beinfreiheit.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der aktuelle GTI innerhalb von 6 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 250 km/h. Wir sind das Performance-Modell gefahen, dieses verfügt über 10 PS mehr als der normale GTI und hat zusätzlich eine größere Bremsanlage und eine Differenzialsperre an der Vorderachse verbaut.

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Diese mechanische Sperrdifferenzial ist elektronisch geregelt! Das Haldex-System kann eine Sperrwirkung von 0 bis 100% erreichen. Die Sperre verhindert z.B., dass das kurveninnere Rad durchdrehen kann und damit den Leistungsfluss auf die Straße unterbricht. Dank der Sperre sind höhere Kurvengeschwindigkeiten möglich, das Fahrzeug untersteuert weniger und das Eindrehen in die Kurve wird begünstigt – und ja, der GTI macht gerade in Kurven viel Spaß. Der Laptimer ist nicht umsonst an Bord, mit dem GTI kann man sich auch auf einer Rennstrecke sehen lassen.

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Von außen erkennt man den GTI leicht an der geänderten Front, dem geänderten Kühlergrill inkl. GTI Emblem, den GTI-typischen Felgen und dem Sportfahrwerk. GTI-typisch zieht sich ein roter Streifen durch den Kühlergrill, den Scheinwerfern und auch im Innenraum wird der rote Faden aufgegriffen. Er zeigt sich in Form von Kontrastnähten am Lenkrad und in den Sitzen.

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Der GTI bietet ein gutes Platzangebot, eine sehr gute Verarbeitung und lässt sich ganz nebenbei bemerkt auch noch einfach bedienen. Das DSG (Doppelkupplungsgetriebe) arbeitet präzise, die Lenkung ist direkt und das Fahrwerk zeigt sich angenehm abgestimmt.

Nicht zu hart, nicht zu weich, der GTI lässt sich sportlich fahren, verfügt aber noch über ausreichend Restkomfort, um das Fahrzeug auch längere Strecken über die Autobahn zu bewegen. Laut wird es im Innenraum ab Geschwindigkeiten von ca. 180 km/h.

Im Innenraum zeigt sich der aktuelle VW Golf GTI auch gerne sportlich und hier findet man bei Schaltfahrzeugen auch das Relikt aus vergangenen Tagen: Den Schaltknauf! Wie damals schon in bewährter Golf-Ball Optik. Diejenigen, die sich für ein Modell mit DSG entscheiden, müssen auf dieses Retro-Gefühl leider verzichten.

Fahrer und Beifahrer sitzen auf sportlich kontierten Ledersitze und die hohen Seitenwagen schmiegen sich an den Körper, dabei bieten sie – vor allem in zügig durchfahrenen Kurven – viel Seitenhalt. Die Lordosen-Stütze lässt sich – genauso wie der Sitz – manuell einstellen. Da sich das Lederlenkrad (welches mich entfernt auch an das erste VW Golf GTI Lenkrad erinnert) axial und vertikal verstellen lässt, ist eine optimale Sitzposition schnell gefunden. Kleinere Fahrer werden sich über die Gurthöhenverstellung freuen.

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Der VW Golf GTI verfügt über eine hohe Alltagstauglichkeit und lässt sich gleichzeitig noch mit viel Fahrfreude bewegen.

Wer auf den tagtäglichen Ausfahrten nicht nur das Ziel vor Augen hat, sondern auch den Weg – wenn also der Weg das Ziel ist, dann darf man Zugreifen. Das Ladevolumen liegt wie bereits erwähnt bei bis zu 1.270 Litern und selbst mit Kindern hat man im GTI keine Probleme. Hinten links und rechts gibt es ISOFIX-Halterungen und die Gurtlängen sind auf allen Plätzen ausreichend lang dimensioniert.

Die Fensterheber verfügen über den notwendigen Einklemmschutz. Sprich: Sollte ein Gegenstand (im schlimmsten Fall die Hand, der Kopf oder andere Gließmaßen) sich einklemmen, wird dieses von der Automatik erkannt und das Fenster wird wieder geöffnet.

Nein, das ist kein Key-Feature vom GTI, aber ein Beleg dafür, dass auch der sportliche Golf immer noch ein Golf ist, der nicht umsonst der Begründer einer eigenen Klasse ist.

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Die Verarbeitung ist hochwertig, die Haptik im Innenraum ebenfalls. Soft-Touchoberflächen, Lederapplikation und eine gute Ergonomie. Der Rund-um-Blick passt und die Instrumente lassen sich gut ablesen, beim Einparkvorgang helfen die Parksensoren und optional gibt es eine Rückfahrkamera, auf die ich nicht verzichten wollen würde.

Ihr möchtet gerne eine weitere Meinung lesen? Kein Problem, wie wäre es mit einem Beitrag von Sebastian Bauer?

„Ein echtes Schmankerl auf diesen Straßen ist die Progressivlenkung, mit der alle GTI serienmäßig vom Band rollen: diese sorgt für eine kurze Übersetzung auf den ersten Grad Lenkwinkel, womit man sehr einfach und lässig um die Serpentinen zirkeln kann. Dazu ist die Lenkung im Dynamic-Mode schön straff abgestimmt. Und die Sperre? Die macht einen ganz vorzüglichen Job! Untersteuern ist dem Golf GTI sozusagen komplett fremd, sofern man es nicht völlig übertreibt. Man bremst spät an lenkt in Richtung Scheitelpunkt, geht aufs Gas. Binnen 50 Millisekunden verteilt die Sperre das Drehmoment abhängig von Gripniveau und Richtungswunsch (ausgedrückt in Form des Lenkwinkels) zwischen den Vorderrädern und der GTI fräst sich regelrecht in den Kurvenradius.“

Sebastian hat als Querdynamiker natürlich auch gemerkt, dass man das ESP nicht komplett abschalten kann. Sollte man auch nicht. Hobby-Rennfahrer gehören auf die Rennstrecke und nicht auf die Straße und somit finde ich es persönlich gut, dass Volkswagen immer noch ein paar Sicherheitsreserven in petto hat.

Bei den Sicherheitsassistenzsystemen hatte unser Testfahrzeug z.B. den Totwinkel-Warner, den Kollisionswarner und den adaptiven Tempomaten verbaut. Dieser arbeitet radargestützt und hält selbstständig den Abstand zum Vordermann und passt dabei auch die eigene Geschwindigkeit an.

Der GTI kostet als Performance ca. 30.000 Euro, dafür bekommt man ein Fahrzeug mit dem „jedermann“ sportlich fahren kann, ohne dass er überfordert wird.

Das Fahrzeug lässt sich leicht fahren, wer es wirklich schafft mit dem Fahrzeug zu untersteuern, der sollte wahrlich über eine Rennfahrerkarriere nachdenken.

Der GTI ist und bleibt Kult – auch wenn der Begriff GTI schon seit längerer Zeit nicht mehr für die motortechnische Überlegenheit steht, denn da gibt es den 300 PS starken VW Golf R. Der kostet allerdings ca. 10.000 Euro mehr, ob sich der Aufpreis lohnt?

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Der VW Golf 7 GTI (230 Performance) im Zielgruppencheck:

VW Golf 7 GTI für Singles / Paare? Na, da gibt es aber sicherlich emotionalere Fahrzeuge als den VW Golf GTI, denn eines darf man nicht vergessen: Der GTI bleibt ein Golf. Für Paare oder gar für Singles bietet der natürlich mehr als genug Platz, doch attraktiver könnte eventuell ein VW Scirocco sein oder habt ihr schon einmal über einen Seat Leon Cupra nachgedacht?

VW Golf 7 GTI für Familien mit einem Kind? Kein Problem! Der GTI bietet ausreichend Platz, selbst für den Kinderwagen.

VW Golf 7 GTI für Familien mit zwei Kindern? Da könnte es dann schon etwas enger werden, vor allem wenn zwei Kindersitze montiert werden und ggf. noch ein Kinderwagen in den Kofferraum wandern muss.

VW Golf 7 GTI für Best Ager? Mein Vater fuhr einen GTI. Da war er auch schon im Best Ager Alter und er hat ihn geliebt, er würde auch den Neuen lieben, denn der ist optisch und haptisch nicht überfrachtet, lässt sich einfach bedienen und handhaben. Heute würde er ihn nicht einmal mehr tunen – sprich modifizieren – denn die eigenständige Optik vom aktuellen VW Golf GTI würde ihm zusagen. Darunter die Front – die entfernt an die W12 Studie erinnert – die großen 18″ GTI Felgen und die Duplex-Auspuffanlage.

Fazit: Ich stamme von meinem Vater ab, er hat Benzin im Blut und mag es gerne etwas schneller und lauter. Laut ist der VW Golf GTI leider nicht, der Klang dürfte gerne etwas kerniger sein.

Der GTI ist – was ich nicht bin – perfekt! Eventuell sogar zu perfekt? Ist diese Perfektion langweilig? Ich frag ja nur!

NEFZ sagt 6,0-6,4 Liter Verbrauch auf 100 km, ich sage: 8,8 Liter bei viel Fahrspaß – ob der VW Golf 7 R mehr Fahrspaß bietet? Das könnt ihr hier bald nachlesen!

Hier haben wir übrigens noch einen Versicherungsvergleich anhand regionaler Unterschiede für euch als Infografik. Also: Was kostet mich die Kfz-Versicherung für einen Golf 7?

Falls ihr euch für den VW Golf 7 GTI interessiert, könnt ihr hier schauen, wie hoch der Versicherungsbeitrag ist:

PLZ:

   

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