Neuwagen der Woche: Der BMW 2er Active Tourer als 218d! Ein Van von BMW? Mit Frontantrieb?

Es liest sich eigentlich wie ein April-Scherz, oder? Ein VAN von BMW mit Frontantrieb. Ein VAN? Okay, nach den zahlreichen (erfolgreichen?) SUVs eventuell, aber mit Frontantrieb? Vorbei die Zeit der Vorteile der Fahrzeuge mit Heckantrieb? Will BMW nun jede Nische besetzen bzw. andere Nischen erfinden?

Es ist kein April-Scherz: BMW macht Ernst und bringt den Active Tourer, der zunächst als Concept über zahlreiche Messen gewandert ist, in den Handel!

Hartgesottene BMW Fans müssen nun also wirklich stark sein, denn BMW hat mit dem BMW 2er Active Tourer den ersten Fronttriebler auf die Räder gestellt. Als Freizeit- und Outdoorfahrzeug bezeichnet ist er ein Kompakt-Van, der z.B. gegen die B-Klasse von Mercedes-Benz oder aber den VW Golf Sportsvan antritt.

Womit der BMW 2er Active Tourer überzeugt und was andere eventuell besser können? Werfen wir doch einfach mal gemeinsam einen Blick auf den neuen, kompakten, Familien-BMW.

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Von Innsbruck nach Sölden und zurück ging es für eingeladene Journalisten und Blogger z.B. mit dem BMW 218d Active Tourer. Der 2,0 Liter Diesel-Motor verfügt über eine Leistung von 150 PS und ein maximales Drehmoment von 330 Nm. Damit schiebt der BMW, wenn man es übertreibt, über die Vorderräder. Auch daran müssen sich eingefleischte BMW Fans erst einmal gewöhnen.

Gewöhnlich sind die Abmessungen. Zwar nicht für BMW, aber für normale Kompakt-Vans: 4,34 Meter lang, 1,56 Meter hoch und 2,03 Meter breit (inkl. Aussenspiegel).

Der Radstand beträgt 2,67 Meter und der Wendekreis? Der liegt mit 11,3 Meter noch so gerade im Rahmen. Dank Einparkhilfe und Rückfahrkamera hat man mit dem Fahrzeug aber auch in der Stadt keine Probleme. BMW spielt gar nicht so sehr mit dem Feuer, denn der Markt ist vorhanden, aber natürlich auch hart umkämpft. BMW setzt auf Premium und ist sich sicher, dass der Marktanteil der Premium-Kompaktfahrzeuge in den nächsten zehn Jahren steigen wird.

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Leer wiegt der Selbstzünder 1.378 kg und er darf 620 kg zuladen. Das macht den BMW zum Familientransporter. 4-5 Personen finden Platz und zusätzlich gibt es noch einen Volumen von 468 Liter für das Gepäck.

BMW hat mitgedacht bzw. sich die Vorzüge der Mitbewerber gut angesehen. Der BMW 2er Active Tourer verfügt über eine verschiebbare hintere Sitzbank, die sich dazu noch im Verhältnis 40:20:40 umlegen lässt. Verschiebt man die Bank, hat man entweder im Fond mehr Beinfreiheit oder im Kofferraum mehr Platz für das Gepäck. Legt man die Sitze um, erhöht sich das Volumen auf 1.510 Liter. Die Rückenlehne hinten lässt sich verstellen, somit wir der Active Tourer für vier Personen auch zum bequemen Reise-Fahrzeug.

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Optional gibt es auch noch einen umlegbaren Beifahrersitz, dann passen Ladegüter bis zu einer Länge von 2,60 m in den Active Tourer. Wem das nicht reicht, der packt halt noch bis zu 75 kg aufs Dach oder setzt einen Fahrradträger auf die Anhängerkupplung. Die Anhängelast liegt übrigens bei gebremsten Anhängern „nur“ bei 1,3 Tonnen.

Beim Verbrauch soll er punkten der BMW 2er Active Tourer, vor allem als 218d. Der quer eingebaute Selbstzünder genehmigt sich laut NEFZ 4,3 Liter auf 100 km. In den Tank passen ca. 51 Liter und somit sollten Reichweiten von über 1.000 Kilometern kein Problem sein.

Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Active Tourer innerhalb von 8,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 208 km/h. Auch auf der Autobahn bleibt er bei Tempo 130-140 angenehm ruhig und der Motor zeigt sich kultiviert.

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Die Lenkung arbeitet präzise und dank der Regelung, die von der gefahrenen Geschwindigkeit abhängig ist, hat man bei schnellerer Fahrt das Gefühl einer straffen Lenkung und den Vorteil der Leichtgängigkeit beim Rangieren. Die Kombination aus Lenkung und adaptiven Fahrwerk kann mehr als der hohe Aufbau, denn der BMW Active Tourer baut einfach höher auf als ein Coupé oder eine Limousine, das würde man dann in den Kurven daran merken, bzw. wird man dann von der Sicherheits-Elektronik wieder eingebremst.

Die Bremsen lassen sich fein dosieren, das Fahrwerk wie gesagt in drei verschiedene Modi einstellen und so kann man selbst den Grad der Sportlichkeit auswählen. Da gibt es von meiner Seite aus nichts zu kritisieren, wer sportlicher unterwegs sein möchte, der muss sich halt einen 3er GT oder ähnliche Derivate ansehen.

Auf den Passstraßen in Österreich – und wer die schon einmal gefahren ist, weiß wovon ich spreche – verbreitet der Active Tourer sogar etwas Fahrspaß und damit sind wir ja wieder beim ursprünglichen Claim von BMW: Freude am Fahren.

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Wir haben es getestet: 4 Personen (oder auch zwei Erwachsene und zwei Kinder mit Kindersitze) passen sehr gut in das Fahrzeug, selbst Personen mit einer Größe von 1,85 finden vorne und hinten noch ausreichend Kopf- und Beinfreiheit.

Fünf Personen sehe ich nicht und ein dritter Kindersitz wird hinten auch nur schwer (vermutlich gar nicht) zu platzieren sein. Die Raumausnutzung würde ich dennoch als ideal bezeichnen, auch wenn der VW Golf Sportsvan ein paar Liter Volumen mehr bietet (500-1.520 Liter). Ablagen sind ausreichend vorhanden und der einzige Kritikpunkt wären die kleinen Getränkehalter in der Mittelablage. Dafür passen zwei 1,5 Liter Flaschen in die Türtaschen.

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Serienmäßig verbaut ist ein Radio mit Telefon-Freisprecheinrichtung, das BMW iDrive, ein Regensensor und neben den obligatorischen Sicherheitsfeatures z.B. auch eine Auffahrwarnung.

Ich würde das große Glasdach hinzubestellen und sehe das Head-up-Display (welches sich übrigens auf einer extra Plastikscheibe und nicht in der Windschutzscheibe spiegelt) als Sicherheitsgewinn an, denn damit bleiben die Augen wo sie hingehören. Die Schildererkennung erfolgt in dem Fall über eine Kamera und liefert somit Echtzeit-Daten an.

Auch Navigationshinweise kann man sich in das Sichtfeld einblenden lassen. Sichtfeld? Nicht ganz, etwas muss man den Blick schon noch senken, aber halt nicht so weit wie bis zum normalen Kombi-Instrument.

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Mit dem optional verfügbaren Stauassistenten kann das Fahrzeug über einen adaptiven Tempomaten im Stau dem Vordermann folgen und automatisch abbremsen, bzw. anfahren. Wen wundert es nun, dass die Aufpreisliste bei solchen attraktiven Möglichkeiten dicker ist als das eigentliche Prospekt?

Günstiger? Ist der VW Golf Sportsvan! Ob er auch auch genauso gut ist, dass werden wir wir in den kommenden Wochen erfahren.

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Doch was schreiben die anderen Kollegen über den BMW Active Tourer?

Sarah (Ausfahrt.TV): „Der neue BMW 2er Active Tourer hält, was er verspricht. Er ist in der Tat ein Premium-Kompaktwagen, top geeignet für Familien oder junge Paare, die, wie es der Name bereits andeutet, gerne aktiv unterwegs sind.“

Benny (Bimmertoday): „Dass es sich beim BMW 2er Active Tourer um ein Erstlingswerk und die ersten Gehversuche der Münchner in einem für sie neuen Segment handelt, merkt man jedenfalls an keiner Stelle. Mit dem Van erschließt BMW eine Zielgruppe, die bei der Marke bisher kein zu ihren Wünschen passendes Fahrzeug gefunden hat und wohl oder übel zur Konkurrenz gehen musste. Mit Blick auf die auch in dynamischer Hinsicht erreichte Performance, das moderne und sehr flexibel nutzbare Interieur sowie die gute Verarbeitung spricht der neue 2er Active Tourer außerdem auch Kunden an, die bisher andere BMW-Modelle gefahren sind.“

Thomas (Autokarma.de) veröffentlicht seinen Beitrag zwar noch, gab uns aber schon mal ein Statement: „Ist dieser BMW noch ein BMW? Viele BMW-Enthusiasten werden nicht müde, diese zentrale Frage beim 2er Active Tourer zu stellen. Die Antwort nach den ersten Kilometern: Ja, er ist es. Natürlich hat er Frontantrieb, aber in der Klasse kompakter Vans rangiert die Frage des Alltagsnutzens weit höher als die der Sportlichkeit. Das zeigt sich vor allem im Vergleich 218d und 225i – denn im Test hat man den Eindruck: der kleine Diesel ist der perfekte Antrieb für den Active Tourer, wenn es um Reichweite, gepaart mir Bequemlichkeit und Kraft geht. BMW legt die Messlatte im für die Münchner neuen Segment durchaus nach oben – der Neue kombiniert Praktikabilität mit einer hochwertigen Ausstattung und guten Fahreindrücken. Der Imagetransfer aus Bayern auf den Neuen wird klappen, weil BMW sich trotz anderen Antriebs dann doch treu bleibt.“

Fazit: Die Hauptmärkte vom BMW Active Tourer sollen Europa und China sein. Meiner Meinung nach wird er seinen Weg machen und ich darf gestehen, der Frontantrieb steht dem Fahrzeug gut (und schafft ja auch erst den Platz im Innenraum).

An die kurzen Überhänge, das abgeschnittene Heck und die VAN-Form muss man sich vermutlich erst noch gewöhnen, aber das Fahrzeug sieht aus wie ein BMW und fährt sich auch so. Bauteile von Mini sind vorhanden (Head-Up, Baukasten) und von daher musste BMW ja nicht bei Null anfangen, sie konnten von den Erfahrungen der Mini-Kollegen profitieren.

Für diejenigen, die gerne einen Heckantrieb haben wollen, kann ich sagen, dass es den BMW Active Tourer früher oder später auch als Allrad-Version geben wird. In dem Fall wird die Kraft dann – je nach Bedarf – von der Vorderachse auf die Hinterachse übertragen.

BMW verbaut im 2er Active Tourer übrigens auch einen 1,5 Liter 3-Zylinder Benziner, den man ähnlich auch im BMW Mini oder aber auch im BMW i8 finden kann.

Der Active Tourer macht einen guten Eindruck und ich sehe, neben den Familien, durchaus auch die Best Ager in der Zielgruppe. Die sind dann zwar weniger aktiv, freuen sich dafür aber umso mehr über die höhere Sitzposition.

Günstig ist der Active Tourer natürlich nicht, aber das steht auf einem anderen Blatt Papier.

Ist der neue BMW 2er Active Tourer revolutionär? Nein, dafür hätte BMW nicht nur sich selbst, sondern auch das Fahrzeug-Segment neu erfinden müssen – der Active Tourer greift viele Merkmale der Mitbewerber auf und packt diese in die gewohnte BMW Umgebung und das hat der Hersteller aus München gut macht.

Gefertigt wird der F45 (so heißt er intern) übrigens in Leipzig. Made in Germany spielt in manchen Märkten ja immer noch eine übergeordnete Rolle.

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