Wie sind ausländische Kennzeichen aufgebaut?

Deutsche Kfz-Kennzeichen sind nach einem festen Standard aufgebaut, den jeder kennt: A(BC)-D(E)-1(23).

Die ein- bis dreistellige Buchstabenkombi am Anfang gibt den Ort der Zulassung an. Danach folgt je nach Verfügbarkeit eine zufällige Kombination aus Buchstaben und Ziffern, die wir gegen einen Aufpreis auch aussuchen können. Doch wie ist das in anderen Ländern?

Ich war schon öfters in anderen Ländern zu Besuch und habe mich stets über die Kennzeichen gewundert, die auf den ersten Blick für mich nicht so viel Sinn machen.

Daher habe ich mich nun mal schlau gemacht und recherchiert: Wie sehen die Kennzeichen wo aus? Und warum sind sie so aufgebaut?

Damit es übersichtlich für euch ist geh ich alphabetisch durch unsere Nachbarländer:

BELGIEN

Kfz Kennzeichen von Belgien

Belgien gibt seit 2010 das Euro-Kennzeichen aus. Ohne einen Wechselzwang werden die Kennzeichen sukzessive ersetzt.

Es besteht aus einer roten Kombination von 7 Ziffern und Buchstaben auf weißem Grund: 1-ABC-234

Wunschkennzeichen, bei denen die Kombination individuell bestimmt werden kann, kosten bei unseren Nachbarn schlappe 1.000€!

DÄNEMARK

Kfz-Kennzeichen von Dänemark

Seit 2009 wird in Dänemark das Euro-Kennzeichen genutzt. 1968 wurde das regionale Kennzeichensystem abgeschafft.

Seitdem gilt dort folgendes Muster: AB-12345

Die beiden Buchstaben zu Beginn wurden in aufsteigender Reihenfolge ausgegeben – von AA bis ZZ.

Sonderfälle:

GR ist für Grönland reserviert.

KZ wird nicht ausgegeben.

In den letzten Jahren gab es einen starken Zuwachs an Fahrzeugen in Dänemark, so dass die möglichen Buchstaben- und Zahlenkombinationen nicht mehr lange ausreichen werden.

Ein Ende dieses Vergabesystems ist daher absehbar. Aktuell wird über ein neues System nachgedacht.

Eine Besonderheit der Kennzeichen mit schwarzer Schrift auf weißem Hintergrund ist der rote Rand.

Wunschkennzeichen aus beliebigen Buchstaben- und Zahlenkombinationen sind erlaubt.

ENGLAND

Kfz-Kennzeichen von Großbritannien

In England ist vieles anders, das trifft besonders auf die Kennzeichen! Generell können die Kennzeichen wahlweise auch als Euro-Kennzeichen vergeben werden.

Das vordere Kennzeichen ist weiß mit schwarzer Schrift, das hintere Kennzeichen gelb mit schwarzer Schrift.

Seit 2001 wird folgendes System praktiziert: AB-12-CDE

Die ersten zwei Buchstaben bilden den Herkunftscode.  Der erste Buchstabe ist der „local memory tag“. Er bezeichnet das Gebiet, während der zweite, der „local identifier“, die Zulassungsstelle anzeigt.

Beispiel: SE

S ist der local memory tag für Schottland und E weist auf eine Zulassung in Glasgow hin. Also quasi eine „von grob zu fein“-Herangehensweise.

Wichtig hierbei ist, dass das Kennzeichen das Auto sein Leben lang begleitet. Anders als bei uns, muss das Kennzeichen nicht wegen Veränderungen wie Umzug, Verkauf etc. verändert werden. Daher zeigt der Herkunftscode lediglich den Ort der Erstzulassung an und nicht unbedingt den aktuellen Heimatort.

Doch nun wird es kompliziert. Die beiden nachfolgenden Ziffern sind der Jahrescode der Erstzulassung. Stichmonate sind hier März und September  – Engländer unterscheiden also halbjährlich:

Jahr März September
2001 01 51
2002 02 52
2003 03 53
 …  …
2010 10 60
2011 11 61
 …  …
2049 49 99

 

Wir ihr seht, ist dieses seit 2001 praktizierte System nur bis 2049 ausgelegt. Wie es in 35 Jahren weitergeht, ist noch unklar.

Die drei Buchstaben zum Schluss dienen der Unterscheidung und werden fortlaufend vergeben.

FRANKREICH

Kfz-Kennzeichen von Frankreich

Seit 2009 werden die französischen Kennzeichen nach dem Standard AB-123-CD fortlaufend durchnummeriert ausgegeben mit schwarzer Schrift auf weißem Grund.

Früher waren die Kennzeichen regional kodiert und zeigten das jeweilige Departement an. Dieser Heimatbezug war sehr beliebt und die Abschaffung führte zu einigen Protesten.

Als Kompromiss besteht die Möglichkeit, neben der blauen Euro-Fläche links auch rechts auf einem blauen Feld, Logo der Region und Nummer eines Departement auf seinem Kennzeichen anzugeben.

Interessant dabei: Region und Departement sind frei wählbar und nicht an den Zulassungsort gebunden.

Wie in England sind auch in Frankreich Kennzeichen und Auto auf Lebenszeit miteinander verbunden.

ITALIEN

Kfz-Kennzeichen von Italien

In Italien fand ebenfalls eine Umstellung statt. Bis 1994 konnte die Herkunft direkt abgelesen werden. Das ist nun schwierig. Jedoch finden sich immer noch alte Kennzeichen im Verkehr.

Beiden System gleich sind die Größen der Schilder: Das vordere Schild ist kleiner als das hintere.

Die Kennzeichen sind vergleichbar mit unseren: Schwarze Schrift auf weißem Grund.

Seit 1994 gilt ein landesweites System nach folgendem Muster: AB-123-CD.

Dabei wird die Letterkombination fortlaufen vergeben.

1999 wurden die Euro-Kennzeichen auch in Italien eingeführt und diese bieten wieder die Möglichkeit der lokalen Einordnung:

Neben dem blauen Euroband am linken Schilderrand können am rechten Rand Zulassungsjahr und Provinzkürzel vermerkt werden.

NIEDERLANDE

Kfz-Kennzeichen der Niederlande

Wie in England und Frankreich sind auch die Kennzeichen in Holland fahrzeuggebunden – sie verbleiben also auf Lebenszeit am Auto und werden nicht für neue Halter neu zugewiesen.

Seit 1978 haben niederländische Kennzeichen schwarze Schrift auf gelbem Grund.

2000 wurden die Euro-Kennzeichen eingeführt. Die alten Kennzeichen konnten unkompliziert umgetauscht werden.

Das System sieht drei durch Striche getrennte Gruppen von ein bis drei Buchstaben oder Ziffern vor.

POLEN

Kfz-Kennzeichen von Polen

Polens Kennzeichen sind ähnlich aufgebaut wie die englischen. Der erste Buchstabe steht für den Verwaltungsbezirk, die Woiwodschaft, und die nächsten ein oder zwei Buchstaben für die Stadt oder den Landkreis, wo das Kennzeichen ausgestellt wurde.

Danach wird unterschieden in ein- und zweizeilige Schilder.

Bei einzeiligen Kennzeichen folgt eine Kombination aus vier oder fünf Buchstaben und Zahlen.

Bei zweizeiligen Kennzeichen umfasst die Kombi vier Buchstaben und Zahlen.

Ein Wunschkennzeichen kostet in Polen etwa 150 Euro und hat einen anderen Aufbau. Auch dort steht der erste Buchstabe für den Verwaltungsbezirk. Aber dann folgt eine laufende Nummer (0 bis 9) und danach drei bis fünf Wunschlettern, wobei höchstens die letzten zwei Ziffern sein dürfen.

Wie bei uns weisen auch die polnischen Nummernschilder schwarze Schrift auf weißem Grund auf.

SCHWEIZ

Kfz-Kennzeichen der Schweiz

In der Schweiz heißen die Kennzeichen „Kontrollschilder“, umgangssprachlich Autonummer oder Nummernschild.

Anders als in den meisten anderen Staaten werden die Kontrollschilder nicht dem Fahrzeug, sondern dessen Halter zugewiesen.

Dies ist die Grundlage für das erfolgreiche Wechselkennzeichen in der Schweiz. Bis zu zwei Fahrzeuge können dort mit einem Kennzeichen genutzt werden.

In der Schweiz sind die Kennzeichen eindeutig lokal zuzuordnen. Seit 1933 besteht folgendes System: AB-123456.

Die beiden Buchstaben geben das ausstellende Kanton an. Die Nummernfolge kann ein- bis sechsstellig sein.

Das vordere Schild ist etwas kleiner als das hintere und zeigt lediglich Kantonkürzel und Nummer, wohingegen das größere hintere Kennzeichen zusätzlich das Wappen der Schweiz und das des jeweiligen Kantons ziert.

Dies alles mit schwarzer Schrift auf weißem Grund.

SPANIEN

Kfz-Kennzeichen von Spanien

Auch in Spanien konnte man früher mit Hilfe der Kennzeichen auf die regionale Herkunft schließen. Seit 2001 werden die Nummernschilder zentral vergeben, in der Reihenfolge aufsteigend.

Das neue System folgt dem Muster 1234-ABC.

Die Schilder sind wie bei uns mit schwarzer Beschriftung auf weißem Grund.

Wie in England, Frankreich und Holland gehört das Schild fest zum Auto. Auch beim Halterwechsel über Provinzgrenzen hinweg bleibt das Nummernschild beim Fahrzeug.

Da die Kennzeichen nur einmalig vergeben werden, kann es nach der Abmeldung nicht erneut verwendet werden.

Dies und die siebenstellige Kombination von vier Buchstaben und drei Ziffern lassen auch das spanische System in absehbarer Zeit ausgeschöpft sein. Wie es dann weitergeht, ist noch nicht bekannt.

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