Cité de l’Automobile – Musée National – Collection Schlumpf

Die Schlumpfsammlung – schon lange wollte ich darüber schreiben, nach dem letzten Artikel über Bugatti war es einfach fällig… –  und wie in einem Auto-Blog zu erwarten, folgen keine näheren Ausführungen über Produkte der Firma Schleich, sondern über ein Automuseum.

Das Automuseum. Die Mutter aller Automuseen: Cité de l’Automobile – Musée National. 

Neulich war ich wieder da! Und bereits Tage davor hatte ich schon dieses Kribbeln im Bauch…

Also, der Rest der Familie ist im schönen elsässischen Freilichtmuseum abgesetzt, und dann hurtig nach Mulhouse.

Ein kühn gestaltetes Entree empfängt einen und dann tritt man ein in die heilige Halle… Ja, es ist nur eine Halle, aber eine doch ziemlich großzügig dimensionierte.

Denn man steht in einer von vielen Trennwänden befreiten alten Fabrik, die jetzt auf mehr als 17.000 qm die beeindruckendste Sammlung alter Automobile beherbergt, die ich kenne.

Einen kurzen Schlenker zur Entstehung und zum Namen

Die zwei Brüder Hans und Fritz Schlumpf waren nach dem zweiten Weltkrieg bedeutende Textil-Industrielle im südlichen Elsass. Ab 1960 wird zunächst Fritz, dann auch Hans vom Sammelfieber gepackt, und sie kaufen binnen weniger Jahre über zahlreiche Strohmänner einen Bestand von alten Autos zusammen – aber eben keine normalen Gebrauchtwagen, sondern nur das Beste, was es auf dem Markt gibt:

Hispano-Suiza und Voisin, Uraltautos aus dem 19. Jahrhundert, oder auch Massenprodukte und Rolls-Royce, Edel-Mercedes oder Highend-Lancias – aber im Wesentlichen Bugattis, Bugattis und noch mehr Bugattis.

Das Ganze sickert an die Öffentlichkeit und nun möchten die Brüder Schlumpf ein Museum eröffnen. Daraus wird nichts, denn in den 70ern waren die Brüder Schlumpf pleite und flohen in die Schweiz – die arbeitslosen Arbeiter öffneten die Lagerhallen und dann kam erst das ganze Ausmaß der Sammelleidenschaft ans Tageslicht:

Die Brüder Schlumpf hatten mehr als 400 der edelsten Objekte der Automobilgeschichte zusammengetragen, in der Berichterstattung damals kursierten auch noch andere – weit höhere – Zahlen!

Und das war der Kern dieses nationalen französischen Automuseums; seit 1982 kann die Sammlung als „normales Museum“ besucht werden.

Und die Präsentation ist gelungen, hunderte alten gusseiserne Straßenlaternen und die Fahrzeuge geben in der Halle ein tolles Bild ab.

Gelungener Rundgang

Man startet in den Anfängen im 19. Jahrhundert und kommt dann auf dem empfohlenen Weg immer weiter in die Moderne.

Klingt so nüchtern, tatsächlich gibt es so viel zu entdecken und zu bestaunen  – die unterschiedlichen Antriebskonzepte und Sitzanordnungen gerade in den ersten 20 Jahren der Autoentwicklung,

Autos aus dem 19.Jahrhundert

kleine Massenprodukte neben handwerklich vollendeten Edelkarossen, „lahme Kisten“ neben Vollblütern.

Bunte Mischung von Autos

Zu bewundern sind auch die unterschiedlichsten Karosserien, stilbildend und zeitlos – in der Haupthalle stehen Ferraris, Mercedes,

Mercedes und Minerva

zahlreiche Bugattis…

Bugatti und Mercedes

bis hin zu Gebrauchswagen rund um den 2. Weltkrieg.

Gebrauchswagen der 30er, 40er und 50er Jahre

Dazwischen technische Exoten wie z.B. der französische Tracta

Tracta

als einer der ersten Frontantriebssportwagen oder der englische AC Sociable,

AC Sociable

ein doch insgesamt sehr ungewöhnliches Konzept –  na, der fuhr eben auch.

Dazu kommen mehrere kleine (Bugatti Veyron, die Lieblingsstücke der Familie Schlumpf) und zwei abgetrennte größere Bereiche, hierzu nun mehr:

In der einen Querseite der Halle sind die Renner ausgestellt, Vor- und Nachkrieg. Hier sieht man die zu ihren Zeiten schnellsten Rennwagen

Französische Rennwagen

der Welt bis hin zur halbwegs aktuellen Formel1.

Formel1-Sammlung

Gegen Ende des Rundganges kommt man dann auf der anderen Querseite in die Halle der Meisterwerke – wohlgemerkt, schon das, was davor zu bewundern war, reicht für fünf Weltklassemuseen!

Die Halle der Meisterwerke

Man tritt ein – die Halle der Meisterwerke ist etwas abgedunkelt und in diesem Raum bewegen sich alle unwillkürlich etwas langsamer, andächtig, man spricht gedämpfter, denn hier stehen die Meisterwerke:

Voisin, Rolls-Royce Phantoms in Reihe, Hispano-Suiza, Isotta, Maybach, etc. und natürlich Bugattis: 55er Coupe und Roadster, kleiner Royale, 57er und die beiden großen Royale – letztere auf Podesten, so dass die Wirkung dieser riesigen Luxus-Fahrmaschinen noch weiter verstärkt wird.

Mercedes

Maybach

Meisterwerk: Bugatti Royale

Bugatti Coupe Napoleon

Schatz reiht sich an Schatz

Irgendwann dann doch ein Blick auf die Uhr… oooh, jetzt aber hurtig, die Familie…

Also ab in Richtung Ausgang …doch da steht noch ein Royale,

Bugatti Royale Esders

und einige Bugatti 57 in verschiedenen Typen und Erhaltungszuständen… also SMS für eine halbe Stunde Verlängerung und dann weiter genießen.

Da mein treuer Strohhut sich nach vielen Jahren doch dem bedenklichen Zustand des Vergehens (der Weg von der Patina zum Verfall ist unumkehrbar!)  annäherte, konnte mir auch im Museumsshop noch geholfen werden, und so trage ich jetzt mit großer Freude immer mal wieder mein Andenken an einen denkwürdigen Tag in einer denkwürdigen Umgebung.

Strohhut

Zusammengefasst: Was woanders als einzelner Wagen den Glanzpunkt eines großartigen Museums darstellt, ist hier nur ein Hingucker unter Dutzenden, Hunderter der edelsten Ausstellungsstücke.

Und ich werde bald wieder hinfahren – es gibt noch so viel dort zu sehen!

Hier zum Stöbern der Link zur Schlumpf-Webseite.

P.S.: Auf französisch heißen die kleinen blauen Wichte nicht Schlumpf, sondern: Schtroumpf!

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: