Elektroauto in Wiesbaden: Unsere Zoe ist da!

Im Stand: Irritiertes Lauschen: „Ist der Motor denn jetzt an?“
Bei langsamer Fahrt: Fragende Gesichter: „Oh, was ist das, noch immer kein Motorgeräusch, nur so ein – Ommmmm, wie in einer Klangschale!?“
In der Beschleunigung: Strahlende Augen: „Toll, das ist ja wie die Taxifahrt  im Fünften Element!“

Was lässt uns so reagieren?

Zoe ist da. Montag stand sie in der Firma vor der Tür, nicht vom Storchen, sondern von der Spedition gebracht!

Anlieferung der Zoe

Zoe in nackten Fakten:

  • PKW. 5 Türer, 5 Sitzer, 55 kW(88 PS), Höchstgeschwindigkeit 135 km/h
  • Rein elektrischer Antrieb. Kein range-extender, Zusatzmotor, o.ä., Verbrauch 14,6 kWh/100km
  • Mit 1.503 kg etwas moppelig (das ist natürlich den schweren Akkus geschuldet, da geht künftig wohl noch einiges…)
  • Die Reichweite nach dem fragwürdigen, aber immerhin zu Vergleichszwecken nutzbaren NEFZ-Zyklus beträgt 210 km – die realistische Reichweite einer vollgeladenen Zoe gibt Renault selbst im Prospekt wie auch im Armaturen-Display mit 150 km (Sommer, im Winter nur 100km) an, mal sehen, wie weit wir kommen
  • Preis: zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten… aber nach Liste sicher über € 21.700, dazu kommt die Batteriemiete, enthalten ist eine wall-box incl. Anschluß.

Wir haben Zoe in der Ausstattungsvariante Zen zwei Wochen zu Besuch und wir fühlen ihr auf den Zahn, sammeln erste Eindrücke, wie ein reines Elektroauto sich im Alltag schlägt, wie weit unsere  Mobilitätsbedürfnisse abgedeckt werden, zeigen Vor- und Nachteile auf.

Dabei werden wir lernen, wie wir uns mit der bislang dürftigen öffentlichen Infrastruktur arrangieren können, hier kann man in den verschiedenen Blogs und Communities der E-Autofahrer ja einiges lesen!

Die vielen Seiten der E-Mobilisten im Internet zeugen von einer gewissen Leidensfähigkeit; diese dürfte weniger masochistische Züge tragen, sondern dem Gefühl entwachsen, als first mover dabei zu sein, wenn sich Mobilität wieder vom Verbrennungsmotor verabschiedet und der Überzeugung, dass man etwas verändern muss.

Jetzt erfährt Zoe also die Gegend rund um Wiesbaden, sie wird im Alltag als Stadtwagen und als Pendlerfahrzeug bewegt.

Zoe

Es geht los, steigen wir ein!

Die Zoe wirkt innen wie außen aufgeräumt, das Armaturenbrett und ein zentrales Display geben alle benötigten Infos. Nicht nur der Antrieb läuft elektrisch/elektronisch, auch sonst dürften hier reichlich Chips verbaut sein. Die Bedienung ist intuitiv. Gelungen. Kein Provisorium, sondern ansprechende Großserienqualität. Ein Automatikhebel in der Mittelkonsole stellt die Optionen Parken, Rückwärts, Neutral und Vorwärts zur Verfügung.

Das Platzangebot ist auf den Vordersitzen gut. Hinten ist es ausreichend, für Kinder kein Thema, Erwachsenen müssen sich etwas arrangieren, gefühlt ist es sicher luftiger und geräumiger als z.B. in der neuen A-Klasse. Die hinteren Türen klingen beim Schließen etwas blechern.

Druck auf den Start-Knopf, die elektronischen Anzeigen ändern sich, das Licht geht außen an und innen aus, sonst passiert nichts. Fast immer kommt dann die Frage (s.o.): „Ist der Motor denn jetzt an?“ Für den, der es zum ersten Mal erlebt, ein befremdliches Gefühl, gesteigert dann, wenn sich Zoe in Bewegung setzt.

Das kann sie zügig, auch wenn sie mit 55 kW nicht übermotorisiert ist, das Gummibandgefühl in der Beschleunigung macht Laune! Anfangs fühlt man sich wie neben einer Klangschale, ein leises sphärisches Geräusch hüllt die Zoe zum Schutz von Fußgängern bis 30 km/h ein, dann schaltet es ab und wird von Abrollgeräuschen und irgendwann vom Fahrtwind abgelöst.

Das Auto liegt gut, bremst gut, wie in anderen modernen PKW hat man Assistenten – bei den meisten bin ich  immer froh, wenn ich dafür den „Aus“-Schalter finde.

Mit zwei Ausnahmen: Sie verfügt über einen Tempomaten, der einfach am Lenkrad bedient werden kann – mehr braucht man bei normaler Fahrt kaum, Gas- und Bremspedal sind nur für besondere Situationen da.

Und sie hat den nützlichen „ECO“-Knopf; ist diese Option aktiviert, riegelt sie bei 98 km/h Höchstgeschwindigkeit automatisch ab, beschleunigt zurückhaltender und rekuperiert stärker. Zu verfolgen ist das auf den Displays, wo nicht nur die Reichweite und Lade- oder Entladezustand, sondern auf Wunsch auch die Energieflüsse im Auto angezeigt werden – letzteres braucht man nicht, meine Kinder fanden es aber saucooool.

Renault Zoe Frontansicht

Ja, die Reichweite. Mutmaßlich das Haupthindernis für eine weitere Verbreitung.

Die Reichweite wird ganz erheblich von der Fahrweise beeinflusst, und erfreulicherweise wurden die von Renault angenommenen Reichweiten bislang zumindest durch mich Gas-Pedalstreichler stets überboten. Für meine Strecke zur Arbeit von ca. 50 km mit zwei weiteren Passagieren, Licht, Scheibenwischer und Radio wurden regelmäßig nur zwischen 40 km und 45 km abgezogen.

Klingt zugegebenermaßen für andere Autos seltsam, wird aber hier aufmerksam beobachtet und als Erfolg gewertet. Und gibt einem mehr Sicherheit; das Misstrauen in überoptimistische Verbrauchsangaben ist hier nicht gerechtfertigt!

Wir bewegen uns dabei auf regelmäßig voller Autobahn und Landstraße, fast durchgängig kann man sowieso nicht schneller fahren als besagte 98 km/h. Wenn man einen Sprint machen möchte: ECO-Knopf aus, „ kick-down“ zum Vorbeihuschen, und dann wieder gelassen weiter. Und seien wir ehrlich: Es bringt zeitlich regelmäßig so gut wie nichts, man sieht sich fast immer in der nächsten Baustelle wieder. Also am besten weiter im ECO-Modus.

Und derzeit sind wir tiefenentspannt unterwegs.

Im nächsten Teil widmen wir uns dann den Härten des Lebens: Wie bekomme ich Strom?

Bis dahin stellen wir eine Frage in den Raum: Zur Beschleunigung betätigen wir mit dem rechten Fuß ein Pedal. Das Resultat: Stromverbrauch. Wie wollen wir das Pedal nennen: Strompedal? Oder gibt es dafür bereits im Deutschen ein besseres Wort? Hilfe wird hier mit den R+V24 Rettungswesten belohnt!

P.S.
Die Zoe wurde uns von Renault Deutschland für zwei Wochen zum Test zur Verfügung gestellt.

P.P.S.
Ein ganz herzlicher Dank geht an die Kollegen vom Facility-Management und vom Raum-Management der R+V, die in Rekordzeit einen Parkplatz mit Lademöglichkeit für den Testwagen zur Verfügung stellten.

Fotos:
Friedrich Hegemann (Auslieferung) und Matthias Schwarze

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