2 Wochen mit Elektroauto: Die Zoe ist weg – was bleibt?

Zwei Wochen durften wir die Renault Zoe nun testen und wir haben Euch bereits von unseren ersten Fahrversuchen und den klassischen Stolpersteinchen beim Elektroauto Reichweite und Laden berichtet. Welcher Eindruck bleibt? Hat sich unsere Haltung zum Thema Elektroauto irgendwie verändert?

Unser Team ist ein in vielen Belangen bunt gemischter Haufen, das gilt auch für das Thema Auto und Autofahren. Vom ökologisch Orientierten, der bereits sein Haus mit Photovoltaik-Anlage ausstattet und nun noch auf der Suche nach dem passenden Elektroauto ist, über den Pendler, der – so weit es geht – für alle Strecken öffentliche Verkehrsmittel und sein Auto daheim nur für Ausnahmesituationen nutzt, bis hin zu begeisterten Bleifuß-Fahrern, die einfach gern Auto fahren, auch wenn es nur der Weg zum nächsten Bäcker ist (was den ersten Typ wiederum nur konsterniert den Kopf schütteln lässt…).

Was passiert, wenn man diese unterschiedlichen Leute ein ungewöhnliches Auto bewerten lässt?

Wie zu erwarten: Die Perspektive bestimmt die Einschätzung!

Begeisternde Aspekte

Tatsächlich sind wir alle ziemlich angetan von der Zoe. Die Gründe für die Begeisterung sind natürlich genauso unterschiedlich wie wir und unsere Ansprüche an ein Auto:

  • Die rasanten Bleifüße unter uns waren enorm begeistert von der Art der Beschleunigung. Im Normal-Modus unterwegs gab es tatsächlich diesen Gummiband-Effekt des kurz-in-die-Sitze-gepresst-Werdens und los geht’s – im Eco-Modus war es erheblich geruhsamer!
  • Die Tatsache, dass man – mit kurzem Arbeitsweg und optimal mit Starkstrom zu Hause und/oder auf der Arbeit ausgestattet – rein theoretisch nie wieder an die Tankstelle muss, ist natürlich auch für alle sehr verlockend!

Ladekabel an der Zoe

  • Ganz ungewöhnlich, aber sehr angenehm ist die leise Fortbewegung – keine lauten störenden Motorgeräusche mehr.
  • Das Interieur-Design hat vielen von uns sehr gefallen – die geraden Linien, die helle Farbe und die verarbeiteten Materialien lassen den gesamten Innenraum puristisch und futuristisch, aber gleichzeitig auch sehr aufgeräumt und übersichtlich wirken.

Futuristischer Innenraum der Zoe - uns gefällts!

Kritikpunkte

Natürlich gibt es auch ein paar Kritikpunkte, die wir anbringen möchten. Auch hier handelt es sich um subjektive Wahrnehmungen, die wahrscheinlich mit dem sonstigen Fahrverhalten bzw. dem bisherigen Gefährt und dessen Ausstattung korrelieren:

  • In der Stadt stören die Außenspiegel, die nicht umklappbar sind. Elektrisch einklappbar muss nicht sein, aber manuell einklappen würd ich sie gerne können. Umgeknickte oder abgefahrene Außenspiegel sieht man oft genug, das muss man nicht riskieren. Sehr angenehm für das Rangieren in engen Parklücken in der Stadt war der Parkassistent hinten, der vor Kollisionen mit unsichtbaren Objekten hinter dem Auto bewahrte. Vorne nicht zwangsweise notwendig, aber sicherlich bequemer.
  • Die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h war den Schnellfahrern nicht schnell genug. Wobei hier natürlich die Frage nach der Notwendigkeit gestellt werden darf: Wenn ich mir schon ein Elektroauto kaufe, liegt mein Fokus wahrscheinlich auf anderen Dingen, als der maximalen Ausreizung von Drehmomenten und PS.
  • Im letzten Artikel haben wir über das Laden der Zoe berichtet. Das war bei uns dank der Starkstrom-Ausstattung im Firmen-Parkhaus kein Problem. Bei manchen Probefahrten kamen wir jedoch in den roten Bereich des Akkus und waren dankbar, dass wir einen sicheren Parkplatz mit Lademöglichkeit hatten und nicht auf die noch nicht optimal ausgebaute Infrastruktur der Ladestationen setzen mussten.

Zoe an der "Tank-Quelle"

  • Ein paar Testfahrer bemängelten die Bremsen als zu stark eingestellt und zu griffig – für ein entspanntes und „gleitendes“ Fahren, vor allem im Stadtverkehr, nicht unbedingt förderlich.

Und zu guter Letzt ein ambivalenter Aspekt. Die Geräuschentwicklung: Immer stärker wird bekannt, wie gesundheitsschädlich Lärm ist. Zum Fußgängerschutz produziert die leise Zoe bis 30 km/h einen dezenten, summenden Sphärenklang, der ihr Nahen ankündigt, um die Fußgänger zu warnen. Eine sehr wichtige Sicherheitsausstattung, kein Ton heißt ja hier nicht kein Auto. Neben dem mangelnden Motorgeräusch sind bei geringen Geschwindigkeiten auch Wind- und Abrollgeräusche kaum vorhanden und werden im Stadtgetümmel sicherlich überhört.

Wir haben uns aber gefragt, warum dieser Schutz ab 30 km/h automatisch abgestellt wird. Ein Test bei uns zeigte, dass es kaum Unterschiede in der „Hörbarkeit“ bei 25 oder 35 km/h gibt. Und in der Stadt ist man ja nun nicht immer mit weniger als 30 km/h unterwegs. Wenn es eine automatische Abschaltung gibt, warum greift die dann nicht erst bei beispielsweise 50 km/h?

Fazit: Was nehmen wir von unserer Zeit mit Zoe mit?

Die Zahl der Elektroauto-Freunde in unseren Reihen hat sich sicherlich erhöht! Die Mankos der etwas beschnittenen Flexibilität und der noch ausbaufähigen Lade-Infrastruktur bleiben, werden aber teilweise überlagert von dem großartigem Gefühl, „sauber“ von A nach B zu kommen.

Außerdem konnten wir feststellen, wie viel Fahrspaß man auch mit einem Elektroauto haben kann. Die Zoe ist mit ihrer begrenzten Reichweite von maximal 150 Kilometern ein richtig guter klassischer Zweitwagen, vermutlich vor allem auf Dörfern und in der Stadt unterwegs.

Der Kollege, auf der Suche nach dem passenden Elektroauto, ist nun ebenfalls einen Schritt weiter: Die Zoe wird es leider nicht werden (einen Ticken zu geringe Reichweite), aber mit jeder Probefahrt schärfen sich die Sinne und man weiß immer genauer, worauf es sich zu achten lohnt und was man möchte/braucht.

P.S.
Die Zoe wurde uns von Renault Deutschland für zwei Wochen zum Test zur Verfügung gestellt.

P.P.S.
Nochmals ein ganz herzlicher Dank an die Kollegen vom Facility-Management und vom Raum-Management der R+V, die in Rekordzeit einen Parkplatz mit Lademöglichkeit für den Testwagen zur Verfügung stellten. Erst so war der Test sinnvoll möglich.

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