Irrwege der automobilen Evolution – Das Flugauto

Die letzten Tage ging es kräftig durch die Medien, es wurde mal wieder ein modernes Flugauto vorgestellt… Eins mit Flügeln, das oben bleiben soll, nicht wie der bedauernswerte 3er BMW, dessen weiteres Schicksal aus diesem Foto nicht hervorgeht.Flug-Auto 3er BMW

Aber wie zu erwarten, geht es hier im Blog weniger um Hitzköpfe, die Weitsprünge unternehmen, eher um die Geschichte der Versuche, mit einem Auto nicht hart aufzuschlagen – und da fange ich mal vorne an:

Typisch, kaum hat die Menschheit das Auto im 2. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts so hinbekommen, dass man mehr oder weniger zuverlässig größere Strecken hinter sich bringen kann, da ist das schon wieder nicht gut genug. Da geht doch was, da muss was Neues her.

1917 tobt der erste Weltkrieg in Europa, in großer Geschwindigkeit werden immer bessere Flugzeuge entwickelt. Was lag da näher, als die Vorteile der beiden Verkehrsmittel zu kombinieren?

Glenn Curtiss, ein Tausendsassa, war nicht nur einige Jahre lang mit 219 km/h der schnellste Mann auf zwei Rädern und als einer der Luftfahrtpioniere Amerikas Inhaber der ersten amerikanischen Fluglizenz, er war auch der erste, der ein Patent auf ein Flugauto erteilt bekommt.Flug-Auto Patent von Curtiss

Und irgendjemand scheint das von Curtiss patentierte Flug-Auto auch mal gebaut zu haben.

Einer seiner Bekannten, Waldo Watermann flog 1937 als erster mit dem von ihm gebauten Aerobile tatsächlich ein Flugauto.

Flug-Auto von Waldo Watermann: Aerobile

Zufriedenstellende Lösungen waren beide nicht, die Flügel waren viel zu groß und die Nutzung auf einer Straße so undenkbar, und auch Jess Dixons Hubschrauber von 1940 lasse ich nicht als Auto durchgehen.

Flug-Auto von Dixon: "Hubschrauber"

Auto lasse ich gelten ab hier: Aerocar I von 1956, der zog seine abbaubaren Flügel dann z.B. beim Einkauf im Supermarkt im Anhänger hinter sich – ein Exemplar kann man derzeit wohl erwerben!

Flugauto: Taylor Aerocar Model 1 N102D S Nr.2

Formschön dann der Aerocar III von 1968, der leider auch nicht in die Serienfertigung ging:

Flug-Auto: Aerocar III

Aber gut wird es erst in diesem Jahrhundert, der Terrafugia und das Aeromobil können mit ihren anklappbaren Flügeln tatsächlich sowohl in der Luft als auch auf Straßen bewegt werden.

Flugauto aus der Slowakei: Aeromobil 3.0

Ein Unbehagen bleibt, mit den jetzigen technischen Möglichkeiten sehen diese Anstrengungen immer noch nach einem Irrweg aus.

Am besten schneidet daher in meiner Bewertung bis auf Weiteres das 1967 konzipierte Fliewatüüt ab:

Flug-Auto: Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt

Wie in einigen Film-Dokumentationen belegt, hat das Gerät – so gar von Puppen gesteuert! – wenigstens funktioniert, (in der Luft zwar als Hubschrauber, dafür konnte es auch schwimmen) und verbrauchte nur Himbeersaft an Stelle fossiler Brennstoffe. Zu sehen ist das Original im schönen PUK in Bad Kreuznach!

Übrigens: Hier das Video zum Flug des 3ers…solide gebaut, der Wagen!

Fotoquellen:
3er BMW: Autozeitung
Waldo Watermanns Aerobile: Wikimedia
Jess Dixons Hubschrauber: Wikimedia
Taylor Aerocar Model 1 N102D S Nr.2: Wikimedia
Aerocar III: Wikimedia
Aeromobil 3.0: heise online
„Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“-Cover: Moviematrix

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