Neuwagen der Woche: Der neue Renault Twingo – Test / Fahrbericht / Fotos

Der Renault Twingo ist seit 1993 auf dem Markt und kommt nun in der 3. Generation zu den Händlern. Er ist jetzt kein 3-Türer mehr sondern ein 5-Türer mit 3,59 m Länge, 1,55 m Höhe und 1,64 Meter Breite. Der Radstand ist 13 cm gewachsen und beträgt nun 2.49 Meter, der Wendekreis liegt bei 8,60 Metern.

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8,6? Wie haben die das denn hinbekommen? Nun, die Räder können nun vorne im Winkel von ca. 45° eingeschlagen werden, das liegt an der Tatsache, dass der Motor nun im Heck sitzt. Motor hinten, der Antrieb auch – eigentlich das ideale Rezept für kompakten Fahrspaß, oder?

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Der 71 PS starke 1.0 Liter Saugmotor im Heck des neuen Twingos besitzt ein maximales Drehmoment von 91 Nm bei 2850 Umdrehungen pro Minute. Ernüchterung macht sich breit.

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Laut NEFZ soll der Twingo 4,2 Liter auf 100 km verbrauchen, in der Realität waren es fast 3 Liter mehr – zumindest bei unseren Fahrten konnten wir uns nicht dem NEFZ-Wert annähern, besser als 5,2 Liter auf 100 km konnten wir nicht fahren. Wie immer wird jedes Fahrzeug, das man auf Drehzahl hält auch durstig. Hält man ihn nicht auf Drehzahl, wird man im Stadtverkehr und auf der Landstraße nicht gut mitschwimmen können.

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Das zulässige Gesamtgewicht vom neuen Twingo III liegt bei 1360 kg, leer wiegt der Franzose 940 kg. Den Kofferraum könnt ihr über die 79 cm hohe Ladekante mit maximal 980 Litern und Gegenständen von bis zu 2,20 m Länge beladen, wenn ihr die Rücksitzbank und den Beifahrersitz umklappt.

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Nur dann wird der neue Twingo auch richtig Alltagstauglich, ansonsten bleibt der Kofferraum eher klein. Die Rücksitzbank lässt sich 50:50 umklappen, in der Expression-Variante nur komplett. Maximal zuladen dürft ihr 420 kg, davon 80 kg auf das Dach.

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Der Twingo bietet Platz für 4 Personen, das ist fair und ehrlich, denn mehr Platz wäre da sowieso nicht gewesen. Die Beinfreiheit ist okay, die Sitze verfügen hinten über ISO Fix-Halterungen und die Gurtlängen sind ausreichend um Babyschalen anzugurten. Der Beifahrerairbag lässt sich abstellen.

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Von 0 auf 100 km/h beschleunigt ihr mit dem kleinen Benziner innerhalb von 14,5 Sekunden bis zu einer maximalen Geschwindigkeit von 151 km/h oder bis der Sprit alle ist: der Tank fasst 35 Liter.
Nun zum Preis: Der Basispreis vom neuen Renault Twingo mit der von uns getesteten Motorisierung liegt bei 10.990 Euro, mit ein bisschen zusätzlicher Ausstattung steigt dieser Preis natürlich an.

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Unser Testwagen liegt bei ca. 15.000 Euro. Apropos zusätzliche Ausstattung. Den Renault Twingo gibt es in den Austattungslinien Expression, Dynamique und Luxe. Zusätzlich zur Luxe-Serienausstattung gab es in unserem Testfahrzeug noch mehr: Das Multimediasystem R-Link Evolution mit 7“-Touchscreen-Display und TomTom-Navigation, eine Rückfahrkamera mit akustischer Einparkhilfe hinten, eine Klimaautomatik und ein Licht- und Regensensor.

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Beim neuen Twingo könnt ihr außen ganz nach eurem Geschmack Karosseriefarbe, Außenspiegel, Zierleisten, Streifendesigns und Leichtmetallfelgen miteinander kombinieren; innen unter anderem die Lüftungsdüsen, Lenkradeinsätze, das Flexicase-Ablagesystem und Armaturenbrettfassung. Optisch finde ich ihn ja ganz gelungen, doch wie fährt er sich?

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Wenn er fahrdynamisch nur das halten würde, was er optisch verspricht, dann wäre er ein Renner. Leider bremst einen das ESP unweigerlich aus, abschalten lässt es sich leider auch nicht. Die Lenkung verfügt über eine elektromechanische Servolenkung. Diese ist mir bei langsamen Geschwindigkeiten aber nicht direkt genug. Da habe ich teilweise das Gefühl, dass ich in ein Sofakissen greife. Das Fahrwerk ist mir zu straff abgestimmt, ab und zu kommen Stöße durch. Die Bremsen packen gut zu und das, obwohl an der Hinterachse noch getrommelt wird.

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Richtig gelesen: Die angetriebene Hinterachse verfügt über Trommelbremsen! Vorne sind es Scheibenbremsen die den neuen Renault Twingo verzögern dürfen. Der Bremspunkt muss langsam gefunden werden, irgendwann klappt es dann. Die Trommelbremsen passen aber auch hervorragend zu der H4 Beleuchtung und dem Türschloss. Retro halt. Gut aber nicht unbedingt trendy, dafür halt günstig. Was fehlt dem Twingo? Mehr Leistung!

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Was fehlt ihm noch viel mehr? Ein Seitenwindassistent! Den gibt es im neuen Smart forfour mit dem er sich ja die Baugruppe teilt. Auf der Autobahn kann es bei Seitenwind nämlich schon sein, dass man mal Spurrillenwetthüpfen spielt. Wer häufiger über die Autobahn fährt, der macht sich lieber auf die Suche nach einem anderen Gefährt. Wer nicht gerne sportlich von A nach B kommen möchte, sondern eher ein kompaktes Fahrzeug für die Stadt sucht, der darf sich den Renault Twingo durchaus mal ansehen. Dass man an den Motor nur noch rankommt, wenn man 6 Schrauben löst und dass sich die Service-Klappe vorne nur umständlich öffnen lässt? Geschenkt! Derjenige der einen Renault Twingo kauft, der lässt in den ersten Jahren sein Fahrzeug von der Werkstatt pflegen und danach? Tja, so ein Automobil-Leben kann schon hart sein.

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Fazit? Viel Fahrspaß und Platz darf man nicht erwarten, da waren die Vorgänger besser. Dafür punktet der neue Twingo durch sein Design, seinen kleinen Wendekreis und durch den Preis. Er ist günstiger als der neue smart forfour und muss sich auch nicht hinter den Mitbewerbern verstecken. Die ehemaligen Twingo Fahrer, die den Twingo z.B. auch wegen der verschiebbaren Rücksitzbank geliebt haben, die werden enttäuscht sein. Die ist gestrichen worden. Trotz Isolation heizt sich der Kofferraumboden gut auf, wer dort also seine gekühlten Einkäufe hinstellt, muss sich auf was gefasst machen.

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