Stau-Maut – Ziele und Kritikpunkte

Anfang der Woche las man überall von der drohenden Stau-Maut. Was hat es damit auf sich? Wer brachte sie ins Spiel und wie steht Verkehrsminister Dobrindt (CSU) zu ihr?

Letzte Woche hat Sina noch über das Modell der Citymaut in verschiedenen Städten geschrieben und diese Woche werden wir mit dem ganz ähnlichen Konzept der Stau-Maut konfrontiert.

Ursprung der Stau-Maut

Der Wissenschaftlerbeirat des Wirtschaftsministeriums ist prinzipiell nicht angetan von Dobrindts Plänen der PKW-Maut. Stattdessen fordern sie eine intelligente Maut. Eine Maut, die nicht pauschal erhoben wird, sondern auf die tatsächliche Nutzung der Straßen ausgerichtet ist. Überspitzt formuliert also eine „Anti-Stau-Maut“, in den Medien hat sich allerdings der Begriff Stau-Maut durchgesetzt.

Je nach Verkehrsaufkommen ist der Preis für die Nutzung unterschiedlich hoch. Ziel ist es, stark befahrene Strecken so zu entlasten.

Abgebildet werden soll die Stau-Maut über satellitengestütze Ortungssysteme; via GPS im Auto werden die Daten (wie Ort und Zeit) erhoben und dann zentral verarbeitet.

Als positive Beispiele werden Highways in den USA, die auf Grund der jeweiligen Verkehrsdichte unterschiedlich bepreist werden, genannt sowie die Citymaut-Konzepte aus London und Stockholm.

Ziele einer Stau-Maut

Grundlage für die Staumaut ist sicherlich das Ziel, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und mit ihr die Umweltbelastung. Wenn weniger Auto gefahren wird, werden weniger Schadstoffe ausgestoßen und so auch der Umweltschutz unterstützt.

Stau-Maut

Weniger Stau, weniger Autos – all das funktioniert natürlich nur mit einer bereits bestehenden Alternative. Und die kann nur öffentlicher Nahverkehr heißen. Eine höhere Auslastung der öffentlichen Verkehrsmittel wie Bus und Bahn ist daher natürlich auch ein Ziel.

Nicht unterschlagen werden dürfen hier das Fahrrad und die Fahrgemeinschaften:

Fahrradfahrer tun mit der täglichen Pendelei zum Arbeitsplatz nicht nur etwas Gutes für die Umwelt, sondern auch für die eigene Gesundheit. Und eine größere Absprache von Kollegen bezüglich einer Fahrgemeinschaft wird natürlich auch angestrebt – nur ein Auto ist immer noch besser als 4 Autos.

Kritik an einer Stau-Maut

Kritik kam natürlich direkt – viele Bürger ärgern sich über eine Doppelbestrafung: Verschwenden sie eh schon diverse Stunden im Stau, so befürchten sie, dann auch noch draufzuzahlen.

Die angemahnte zeitliche Flexibilität können viele auf Grund von festgelegten Arbeitszeiten nicht leisten und nicht überall sind die öffentlichen Verkehrsmittel derartig gut ausgebaut, dass sie eine tatsächliche Alternative bieten.

Nachdem ab Montag über die Stau-Maut heiß diskutiert wurde, schritt Mittwoch Verkehrsminister Dobrindt ein und zeigte sich ebenfalls sehr kritisch: Er sieht in dem Konzept eine Datenschutzproblematik. Um wirklich die höheren Tarife zu Stoßzeiten anwenden zu können, sind Bewegungsprofile der Fahrer von Nöten und das lehnt der Minister ab.

Stau-Maut Datenschutzproblematik

Aus Datenschutzgründen ist das sicherlich ein nachvollziehbarer Einwand. Was mich persönlich verwundert, ist, dass er von jemandem angeführt wird, der vor wenigen Wochen sein Maut-Konzept vorstellte, das auf einer ganz ähnlichen Technik inklusive Scannen von Kennzeichen basierte.

Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) findet übrigens Gefallen an dem Vorstoß der Ökonomen, kritisierte aber die zusätzliche Belastung der Pendler.

Der aktuelle Status ist unklar: Für jedes Maut-Modell gibt es Fürsprecher und Kritiker, Vor- und Nachteile. Das einzige, was momentan sicher zu sein scheint: Eine Maut wird kommen.

Was haltet ihr von der alternativen Stau-Maut?

 

Fotoquelle:
Stau: alexandragl1/iStock/Thinkstock
interaktiver Verkehr: Pixsooz/iStock/Thinkstock

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