Die Symphonie der Warntöne

Warntöne sind an sich eine sinnvolle Geschichte: So einige Male schützten sie mich vor einer leeren Batterie. Wenn man etwa in einer Tiefgarage geparkt hat, schaltet man zum Herausfahren das Licht an, welches man aber tagsüber selten benötigt. Beim Abstellen des Wagens würde das Licht sicher weiterbrennen und die Batterie leer saugen.

Welch ein Glück, haben die Ingenieure dafür den Warnton erfunden. In meinem Beetle war es einfach nur ein durchdringender Ton. Ein unspektakulärer Warnton eben, der seine Aufgabe hervorragend erfüllte, egal ob die Scheinwerfer eingeschaltet waren oder der Blinkerhebel nicht in Mittelposition verharrte.

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Aber das geht besser! Es geht anders! „Schöner“ mögen sich vielleicht clevere Opel-Entwickler gedacht haben.

Und so können im Extremfall drei verschiedene Warntöne den Weg in meinen Gehörgang finden: Ein „Tüdeldüdeldüdel“, ein klassisches „Piep-Piep“ und ein Ton, der entfernt an einen Brandmelder erinnert.

Damit möchte mir mein Auto verschiedene Dinge mitteilen: „Das Licht brennt noch!“, „Der Blinker ist eingeschaltet!“ oder „Der Schlüssel steckt noch!“. Es steckt sogar eine ausgefuchste Logik dahinter: Ist der Motor abgeschaltet, der Schlüssel steckt und ich öffne die Tür, meldet sich der Brandmelder. Reihenschaltung geht auch: Wenn der Schlüssel steckt und das Licht eingeschaltet ist, ertönt zunächst das „Tüdeldü“, ist die Fehlerquelle beseitigt, meldet sich wieder der Brandmelder.

Mein Auto warnt mich also davor, dass ich den Schlüssel stecken lasse. Soweit so gut. Aber wenn ich mein Auto verlasse, möchte ich es höchstwahrscheinlich abschließen. Und spätestens, wenn ich die Fernbedienung der Zentralverriegelung (also den Schlüssel) nutzen will, würde mir auffallen, dass dieser wohl noch steckt.

Und: Warum überhaupt die verschiedenen Töne? Mein bisheriger Gedankengang war recht simpel: Ich möchte aussteigen > Irgendetwas piept > Kurz schauen > Licht oder Blinker ausschalten > Fertig! Wird jetzt von mir erwartet, dass ich den Warnton einem spezifischen Batteriekiller zuordnen kann?

Unsere Autos werden wohl immer mehr zu rollenden Synthesizern. Ich bin Autos gefahren, da war der Warnton vom Einparkassistenten vorne eine Oktave höher als hinten. Es gibt Autos mit Sitzsensor, die piepen, wenn der entsprechende Sicherheitsgurt nicht eingesteckt ist. Das kann zu gefährlichen Verrenkungen führen, wenn man versucht während der Fahrt die Einkäufe anzuschnallen, weil es ohrenbetäubend piepst. Oder der Wagen meiner Mutter, der in regelmäßigen Abständen den fast leeren Wischwassertank monierte.

Wo führt das hin? Warnt mich mein Auto demnächst in der Grippesaison vor erhöhter Temperatur? Wird es bald Warntöne geben, wenn ich Pfandflaschen im Kofferraum vergesse (mein Auto würde ständig piepsen)? Unterscheiden die Warntöne dann zwischen Glas- und PET-Flaschen?

Wann gibt es den Warnton, der warnt, wenn der Warnton-Lautsprecher kaputt ist? Bis es soweit ist, wünsche ich mir einen Warnton, der auf kaputte Glühbirnen in den Scheinwerfern hinweist. Das hätte mir vor Kurzem einige Nerven gespart. Aber Nein: Mein Auto piept lieber drei verschiedene Melodien bei anderen Problemen!

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