Faszination: Morgan Threewheeler

neuer Morgan Threewheeler

Bugatti, Wankelmotor – Höchste Zeit für einen weiteren Artikel aus der Serie Faszinationen: Heute ist Morgan dran.

Morgan in kurzen Fakten

1910 gründete H.F.S. Morgan in Malvern Link in Worcestershire die Morgan Motors Company zur Herstellung von dreirädrigen leichten Automobilen (Threewheeler).

Der Gründer H.F.S. Morgan

Diese hatten vorne einen V2-Viertakter mit Kurbelwelle längs zur Fahrtrichtung, das einzelne Rad hinten, angetrieben durch eine Kette. Die Vorderräder waren einzeln an einer etwas skurril aussehenden, aber sehr gut funktionierenden Konstruktion geführt.

Auf einen T-Rahmen aus Metall wurde – wie damals aus dem Kutschenbau gelernt – ein Eschenholzrahmen gesetzt, der mit Blech beplankt wurde.

Das Fahrzeug sah etwas provisorisch und fragil aus, war bei aller Leichtigkeit jedoch ausgesprochen robust. So machte Morgan schnell mit Sporterfolgen ebenso auf sich aufmerksam wie mit einer für damalige Verhältnisse herausstechenden Zuverlässigkeit.

MorganSuperSports 1932

In Frankreich baute Darmont die Threewheeler in Lizenz. Die Produktpalette fächerte sich auf, in den Dreißiger kamen zunächst Vierzylinder-Threewheeler dazu, 1936 dann der Morgan 4/4 als „normales“ Vierradauto.

Während fast alle anderen Hersteller den technischen Fortschritt wie z.B. Presswerkzeuge zur Herstellung größerer Blechteile einsetzten und selbsttragende Karosserien einführten, baute Morgan unverdrossen weiter Eschenholzrahmen mit Blechbeplankung. In den Fünfzigern wurden die Threewheeler eingestellt, es gab nur noch die leichten zwei- und viersitzigen Roadster.

1969 wurden die Produktpalette erweitert, der in UK sehr beliebte Buick-V8 (unkaputtbar und durstig) wurde in das leichte Auto gehängt… Aus dem flotten Sportwägelchen wurde damit ein eher böses Gefährt, wehe, man senkte den Gasfuß auf feuchtem Untergrund zu sehr!

Mit zahlreichen Modifikationen ging es mit den klassischen Vier- und Achtzylindern weiter bis heute.

Der Morgan 4/4 (in zahlreichen Abwandlungen wie +4, 4-4,…) ist mit echten 78 Jahren Bauzeit das am längsten hergestellte Fahrzeug der Welt – und abgesehen von einem runderen Kühler als in den Dreißiger Jahren und anderen Motoren hat sich wirklich wenig geändert.

Seit einigen Jahren werden wieder Threewheeler gebaut, breiter als früher, ansonsten blieb der Look – schaut Euch hier den Konfigurator an, macht Freude!

Noch eine Besonderheit gefällig? Diese Firma ist nach meinem Kenntnisstand die älteste Automobilfabrik in Familienbesitz.

Warum ich mich seit vielen Jahren an Morgan freue?

Es beginnt in den 70er Jahren: Bei den ersten Oldtimer Grand Prix auf dem Nürburgring reisten sie – meist auf eigner Achse – an, mehrere Threewheeler Supersports, die alten JAP-Motoren fein frisiert, die Fahrer weniger, sie trugen schräge Bärte und Wuschelmähne: Morgan und Fahrer bildeten meist ein stimmiges Bild und waren so verwegen unterwegs, wie sie aussahen!

Diese leichten Gefährte aus den zwanziger und dreißiger Jahren versägten die Ikonen der 50er, sie hielten mit Jaguar XK120 genauso mit wie mit scharf gemachte 356er Porsches, was sie auf der Geraden verloren, holten sie in den Kurven wieder auf – auf 3 Rädern!! Ganz großes Kino, das sich dem damals noch sehr jungen Autor tief ins Gedächtnis brannte!

In den 80ern war ich mit dem Motorrad in England, klar, dass ich auch mal in Malvern Link vorbeifuhr; in weiser Voraussicht hatte ich ein Morgan Buch mit dabei… Und ich konnte das „Automobilwerk“ besichtigen, falsch, auch „Fabrik“ wäre zu hoch gegriffen.

Blick in die Morgan Fabrik

Tatsächlich waren es mehrere Hallen, die eher ungewöhnlich wirkten: Überall standen Fahrzeuge in den unterschiedlichsten Fertigstellungszuständen herum, manchmal hingen ganze oder halbe Holzrahmen an der Wand, immer wieder stand ein Satz Räder herum, hier und da mal ein Sitz. Von alten Spinden lächelten mich Pin-Ups aus den 50er Jahren an, in einem Nebenschuppen fand sich ein Threewheeler, umgeben von 30 Motorhauben, ein System konnte ich nicht erkennen, alles wirkte chaotisch – aber: es funktionierte und funktioniert noch immer! Die Vorderradaufhängung folgt bei einigen Typen auch immer noch der Konstruktion von 1910!

MorganSuperSports umgeben von Motorhauben

Morgans sind Handarbeit. Nicht perfekt, echte Handarbeit. Schreiner leimen Holz zusammen, Spengler dengeln Bleche dran, andere pressen nach Gefühl die Lüftungsschlitze in die Motorhauben, Sattler bespannen Armaturenbretter – british caftsmanship. Und damit ist kein Morgan so groß wie der andere, man kann nicht einfach eine Tür bestellen, man muss sie anpassen lassen.

Als ich dann alles gesehen hatte, am Sekretariat vorbeikam und mich ein älterer Herr mit dem Buch unterm Arm sah, hatten wir ein kurzes Gespräch über Wetter, woher und wohin, dann stellte er sich als Peter Morgan vor, wir nahmen in seinem Büro einen Tee, und ich versprach, mich zu bemühen, das nächste Mal mit einem Threewheeler vorbeizukommen. Peter Morgan ist zwar leider tot, um die Einlösung des Versprechens bemühe ich mich aber weiter…

Die Fabrik kann man immer noch besuchen, ich denke, ein Besuch sollte lohnen!

Bildquellen:
H.F.S. the founder: Gregory Houston Bowden: „Morgan: First and Last of the Real Sports Cars“. London. 1972.
MorganSuperSports 1932: AMC 5, 1983.

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