CES 2015: Was zeigen BMW und Mercedes-Benz 2015?

Heute gibt es keinen Fahrbericht sondern eher eine Kolumne. Viele persönliche Gedanken und ein paar Neuigkeiten von der Consumer Electronic Show in Las Vegas. Die CES 2015 hat mich zum Nachdenken bewegt und ich stelle mir die Frage, wie wir uns in der Zukunft bewegen.

Klingt ja fast so, als ob ich normalerweise nicht denken würde, aber dem ist nicht so. Ich habe mich bewusst ein paar Minuten hingesetzt und über die Zukunft sinniert und vor allem ob ich, also ich persönlich, dass genau so haben möchte, wie die Hersteller es gerade skizzieren.

Auf der CES 2015 dreht es sich ja in erster Linie um Consumer Electronic. Sprich Gadgets. Technische Spielzeuge und hier darf ich gestehen, dass ich durchaus jemand bin, der sich schnell für solche Sachen begeistern kann. Ich hatte damals schon den allerersten EEE-PC, dann das iPhone, das erste iPad, die erste Go-Pro und nun ist auch die Peeble-Steel an meinem Handgelenk (das ist eine Smartwatch).

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-10

Mein persönlicher Fernsehkonsum hat sich in den letzten Jahren komplett gewandelt; während ich früher ein regelrechter Fernsehjunkie war, schau ich nun nur noch gezielt Formate, die mich wirklich interessieren und das zu 90% nicht live, also vom Band per Stream. Fernsehen wann ich es will und nicht, wenn das Programm es vorgibt.

Pippi Langstrumpf machte sich damals schon die Welt, wie sie die Welt wollte und an dem Punkt sind wir doch nun angekommen. Wir können Nachrichten konsumieren, wann wir es wollen, wir sind der eigene Programmdirektor und dank diversen Musik-Streamingdiensten hat jeder, der mag Zugriff auf eine riesige Musiksammlung.

Das mag ich, das liebe ich und ich bin wirklich froh, in dieser Zeit zu leben. Doch ich habe auch etwas Angst vor der Zukunft. Angst davor, dass wir nun stets nach weiteren Befriedigungen suchen und uns damit ggf. selbst überfordern.

Sprechen wir z.B. über die Bildschirme, das Wort Fernseher passt ja nicht mehr so richtig, denn wer schaut heute noch das normale TV-Programm?

Es sind Monitore, Displays und die können nun über eine 4K-Auflösung verfügen. Hier auf der CES 2015 in Las Vegas spricht man bereits über eine 8K-Auflösung und das, obwohl viele Fernsehmacher noch nicht einmal in 4K drehen können. Brauchen wir 4K? Brauchen wir 8K? Müssen wir das Gehirn mit noch mehr Signalen überreizen oder ist es einfach nur die „Schneller, weiter, höher“-Mentalität auf der Suche nach dem Ende der eigenen Leistungsfähigkeit?

Mein Ende der eigenen Leistungsfähigkeit kenne ich, nach einer halben Stunde auf dem Fahrrad heute morgen war ich fertig. Das hätte mir auch meine Smartwatch belegen können. Tolle Spielzeuge, waren Handys früher zum Telefonieren da, konnte man bei einer Uhr die Zeit ablesen. Heute können alle Geräte immer alles. Ich kann mit dem MacBook, mit dem iPad und mit meinem Smartphone telefonieren, demnächst halt noch über die Uhr.

Die Hersteller wollen uns das Leben immer einfacher machen, wissen dabei auch, dass sich kaum einer für Bedienungsanleitungen interessiert, also muss das System auch einfacher werden. Die Bedienungskonzepte von Fahrzeugen z.B. – während früher ein paar Drehräder ausgereicht haben, kamen später die Klaviaturen des Todes in die Fahrzeuge. Es gibt Modelle, die haben über 100 Tasten verbaut. Der Trend ist rückläufig, nun reduziert man nicht nur die Bauteile, sondern versucht das System auch wieder einfach werden zu lassen.

Das Ziel ist klar

Mehr Komfort, weniger Ablenkung, eine höhere Sicherheit. Gerade bei dem letzten Punkt lasse ich übrigens alle technischen Fortschritte gelten. Sollte nur ein Menschenleben gerettet werden, bedingt durch die Tatsache dass irgendein elektronischer Helfer eingegriffen hat, hat sich die Technik schon gelohnt!

Das gilt für Fahrer-Assistenzsysteme, aber auch für das autonome Fahren. Ich will vermutlich gar nicht selber mein Lenkrad aus der Hand geben, aber für den Fall, dass ich es selber nicht mehr steuern kann, fände ich es sehr beruhigend, wenn das Fahrzeug mein (und andere) Leben retten könnte.

Auf Messen und bei Concept-Fahrzeugen wird immer etwas übertrieben. Die Übertreibung ist ein Stilmittel der Ironie und so muss man bei manchen Concept-Car Vorschlägen eventuell auch mal das ein oder andere Auge zudrücken.

Auf der CES 2015 waren fast alle wichtigen deutschen Automobilhersteller vertreten. Während die Consumer Electronic Show vor einigen Jahren noch komplett von Fernseher, Computer, und Tablets beherrscht wurde, gibt es nun schon eine eigene Messe-Halle für die Fahrzeughersteller und auch in den anderen Hallen findet man zwischen den Ständen immer mal wieder das ein oder andere automotive Bauteil.

Im heutigen Beitrag möchte ich beleuchten was BMW und Mercedes-Benz so zeigen, am kommenden Freitag sprechen wir dann über Audi und Volkswagen bzw. blicken auch mal über die Grenzen zu Ford, Hyundai und Co.

BMW

BMW zeigt in Las Vegas einen BMW i3. Okay, das wäre nun wirklich keine Meldung mehr Wert. Doch dieses Concept-Fahrzeug kann dank neuer Messtechnologie wie z.B. Laserscannern in einem Parkhaus autonom einparken.

BMW-CES-2015-Foto-von-BMW

Kritiker werden nun direkt sagen: Da funktioniert kein GPS, das kann nicht funktionieren und haben damit sogar bedingt Recht. Die Technik verlangt einen Lageplan, der vorher eingelesen werden muss. Valet-Parking per Smartwatch und genau wie das Fahrzeug sich selbst einparkt, so kommt es auch wieder – per Smartwatch oder per Smartphone wird es gerufen. Nun stellt sich nur noch die Frage, wer das Parkticket in den Automaten schiebt und den Ladestecker einsteckt. Aber dafür gibt es ja auch schon vollautomatische Lösungen via RFID Module und induktive Lademöglichkeiten.

BMW-CES-2015-Foto-von-BMW-02

BMW zeigt aber nicht nur den umgebauten i3, sondern auch das neue Laser-Licht. Licht ist wichtig. Mehr Licht, mehr Sicht, mehr Sicherheit. Das gilt übrigens nicht nur bei den Scheinwerfern, sondern auch bei den Rückleuchten. BMW hat, so wie andere Hersteller auch, die OLED Technologie entdeckt und verwendet diese nun, um Leuchtflächen zu gestalten. Darauf können wir uns in der Zukunft freuen, denn damit werden ganz andere Designelemente möglich sein.

Wie Öffnen und Schließen wir das Auto in Zukunft? Vermutlich auch über die Smartwatch und mit der könnten wir sogar den autonom fahrenden BMW i3 rufen:

BMW-CES-2015-Smartwatch-Foto-von-BMW

Mercedes-Benz

Kein geringerer als Dr. Dieter Zetsche hielt die CES Keynote 2015. Ich mag „Dr. Z“, ich finde ihn unterhaltsam, sympathisch und das schreibe ich, obwohl ich mir auch durchaus vorstellen kann, dass er nicht immer so ist. Im Rahmen der Keynote stellte Mercedes-Benz sein neues Forschungsfahrzeug vor.

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-1

Den Mercedes-Benz F015 Luxury in Motion – eine autonom fahrende Luxuslimousine mit Elektroantrieb, vier Plätzen, viel Platz und viel viel Technik. Man könnte fast denken, dass Mercedes-Benz hier alle Visionen, alle Möglichkeiten der zukünftigen Mobilität, verbaut hat und in eine „interessante“ Hülle gepackt hat. Ich darf gestehen – und diese Freiheit nehme ich mir raus – dass ich die Front und das Heck gelungen finde, mich persönlich aber das komplette Design nicht ganz so anspricht. Aber das ist Geschmacksache und über Geschmäcker soll man bekanntlich nicht streiten.

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-2

Technisch gesehen bietet das Concept-Car „laut Planung“ alles, was man sich derzeitig so vorstellen kann: Völlig autonom von A nach B, ohne Fahrer einparken, zahlreiche Assistenzsysteme, die sich nun teilweise auch durch Gestensteuerung bedienen lassen.

Das Auto wird vom Fahrzeug, also von einem Stück mit dem man fährt, zu einem Bauteil, was einen fährt. Das Fortbewegungsmittel wird zur persönlichen Straßenbahn nur mit der Tatsache, dass man dabei in seinen eigenen Wänden sitzt und die Route dabei auch noch ganz individuell gestalten kann.

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-11

Da die Concept-Designer von Mercedes sich ja in der Regel immer 15 Jahre in der Zukunft bewegen, könnten wir hier auf den Fotos die S-Klasse aus dem Jahre 2030 sehen, denn dieses Gefährt ist ungelogen länger als die aktuelle S-Klasse. Das wirkt nicht so? Das liegt an einem ganz einfachen Trick: In den Radkästen drehen sich hier 26″ Felgen und je größer man die Rad-Reifen Kombination macht umso kompakter sieht ein Fahrzeug aus.

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-12

Die Frage, die sich mir aber unweigerlich stellt: Wollen die Nutzer das wirklich und wenn ja, wer soll sich das leisten können? Konzipieren die Automobilhersteller an den Wünschen und Bedürfnissen der potenziellen Kunden vorbei oder bin ich einfach ein veralterter Petrol-Head, der sein Steuer nicht aus der Hand geben möchte?

Muss man nun einfach mal loslassen und sich dem technischen Fortschritt hingeben? Muss man mal den Blick über den Tellerrand wagen? Beruhigend ist für mich da die Tatsache, dass wir noch lange nicht angekommen sind in der automobilen Zukunft – aber wir waren auch noch nie so kurz davor.

CES-2015-Mercedes-Benz-F015-Concept-Luxury-in-Motion-Fotos-von-Jens-Stratmann-17

Was bleibt?

Die Frage wer im Schadensfall haftet. Wenn ich z.B. im Auto sitze und einen Bekannten / Verwandten / Kollegen mitnehme, kann es passieren, dass die Staatsanwaltschaft mich wegen fahrlässiger Körperverletzung anzeigt, wenn ich einen Unfall baue. Das passiert automatisch, wenn der Beifahrer sich verletzt hat und ins Krankenhaus geht. Diese Verfahren werden oft eingestellt, hin und wieder zahlt man eine kleine Geldbuße und gut ist.

Wer haftet denn, wenn „der Fahrer“ auf einmal das Auto war. Vor allem wenn der richtige Fahrer sich – wie in der von Mercedes-Benz gezeigten Studie – komplett abgewandt hat vom Geschehen, sich umgedreht hat und z.B. mit drei weiteren Kollegen arbeitet oder Karten spielt?

Das werden noch interessante Jahre, denn genau für solche Fragen müssen nun erst einmal die Rahmenbedingungen geschaffen werden und da wird die USA schneller mit durch sein.

Meine Prognose? Das autonome Fahren kommt!

Beim Einparkvorgang, vermutlich auch für die Landstraße und ganz sicher für die Autobahn. In der Stadt wird der Mensch zunächst wieder übernehmen müssen, denn da sind die Anforderungen für die Technik derzeitig noch viel zu groß. Spannend bleibt das Thema und auch das Thema werden wir demnächst ganz besonders beleuchten, wenn wir über das Thema Sicherheit sprechen.

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: