Neuwagen der Woche: Nissan Pulsar Fahrbericht / Test / Kritik

Bereits im Vorfeld wurde der neue Nissan Pulsar als Preiskracher im Golf-Segment angepriesen und das ist er auch. Er bietet für weniger Geld mehr Platz im Kofferraum und mehr Raum für Fahrer und Mitfahrer. Doch fangen wir vorne an.

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Unter der Haube des Nissan Pulsar Acenta 1.2 DIG-T findet man einen 1.2 Liter Turbomotor mit einer Leistung von 115 PS (85 kW) und einem maximalen Drehmoment von 190 Nm der bei 2.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Geschaltet wird per 6-Gang-Handschaltung, gegen Aufpreis steht die Xtronic-Automatik zur Wahl.

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Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der frontgetriebene Pulsar innerhalb von 10,7 Sekunden, der Vortrieb endet dann bei 190 km/h. Bereits jetzt dürfte fest stehen: Der Nissan Pulsar ist kein Sportwagen! Das Urteil unterstreicht die nicht ganz so direkte Lenkung und das eher komfortabel ausgelegte Fahrwerk. Auch die Schaltwege könnten kürzer sein. Bereits der 5. Gang ist eher lang ausgelegt, das gilt natürlich auch für den 6. – das sind also Spritspargänge.

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Wer den Nissan Pulsar flott fahren möchte, muss ihn auf Drehzahl halten und sich durch die 6 Gänge schalten, aber dann wird es nichts mehr mit dem NEFZ Verbrauch. Durstig soll der Nissan Pulsar eigentlich gar nicht sein: NEFZ sagt, es seien 5,0 Liter auf 100 km. Ich bin ihn während meiner Testzeit ca. 600 km gefahren und hatte Durchschnittsverbräuche von 6,4 – 8,4 Liter auf 100 km.

Lag also stets über dem NEFZ-Verbrauch, hatte aber auch ständig die Klimaanlage, die Sitzheizung, die Scheinwerfer und somit auch die Rückleuchten an und auch meine Fahrweise würde ich als nicht unbedingt spritsparend beschreiben.

Kommen wir doch mal zu den Äusserlichkeiten

Der neue Nissan Pulsar hat einen Wendekreis von 10,2 m und ist 4,39 m lang, 1,52 m hoch und ohne Außenspiegel 1,77 Meter breit. Der Radstand beträgt 2,70 Meter, was dem Innenraum wirklich gut tut und für viel Kopf- und Beinfreiheit sorgt.

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Leer wiegt der neue Nissan Pulsar 1.265 kg, das zulässige Gesamtgewicht liegt bei 1.750 kg. In den Kofferraum passen maximal 1.395 Liter bei umgeklappter Rückbank. Klappt man diese um, bleibt allerdings eine Kante. Das normale Fassungsvermögen beträgt aber schon 385 Liter und ist gut für z.B. vier Klappkisten.

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In der Grillmitte des Pulsar befindet sich die nissantypische Chromspange, die das Markenemblem umrahmt. Die Spitzen gehen dann seitlich in die Falze der Motorhaube über. Von den ausgestellten Radhäusern zieht sich je eine Linie bis zur Rückleuchte in Boomerang-Form. Die große Heckklappe wird durch die Teilung der Rückleuchten ermöglicht, dieses sollte das Be- und Entladen vereinfachen.

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Das Exterieur-Design ist sportlich, sportlicher als die Fahrwerte, die Sitze sind bequem, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass diese bei längeren Touren etwas zu weich sein könnten. Richtig viel Seitenhalt bieten diese natürlich auch nicht. Die Gurthöhe ist einstellbar, die Gurtlänge ausreichend lang dimensioniert. Das Lenkrad lässt sich axial und vertikal verstellen, so findet eigentlich jeder schnell eine geeignete Sitzposition.

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Im Innenraum mangelt es mir an Ablageflächen, es gibt vorne zwar Getränkehalter in der Mittelkonsole und in den Türtaschen und auch unter der Mittelarmlehne Platz für z.B. das Smartphone (dort ist auch die 12V Steckdose verbaut), aber ansonsten sind Ablageflächen eher Mangelware und das Handschuhfach macht seinem Namen auch alle Ehre, denn viel mehr passt da nicht rein.

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Unsere kompakte Schräghecklimousine hatte die Ausstattungslinie Acenta mit einer umfangreichen Serienausstattung. Diese beinhaltet zum Beispiel den Autonomen Notbremsassistenten, die zweistufige Sitzheizung, den Intelligent Key für schlüsselloses Öffnen des Fahrzeugs (geht per Tastendruck an den vorderen Türen sowie an der Heckklappe und dort kann man das Fahrzeug auch wieder verriegeln), eine 2-Zonen-Klimaautomatik, 16″ Leichtmetallfelgen, Lederlenkrad und -schaltknauf. Eine Fahrlichtautomatik und Nebelscheinwerfer sind auch noch inklusive. Gegen Aufpreis, oder in der höheren Tekna-Ausstattung gibt es auch noch LED-Scheinwerfer.

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In der Aufpreisliste stehen beispielsweise auch noch das NissanConnect Infotainment- und Navigationssystem, der Around View Monitor und das Nissan Safety Shield. Die Ausstattungslinie Tekna beinhaltet diese Funktionen serienmäßig und man sollte sich diese Linie alleine schon aus dem Grund unbedingt mal ansehen.

Das Navigations- und Infotainment-System NissanConnect lässt sich mit dem Smartphone des Fahrers verbinden und soll somit viele Internet-Funktionen ins Auto bringen. Integriert ist Google, so bietet es weitere nützliche Optionen wie Wettervorhersagen, Tankstellen oder Infos zu Restaurants. Eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung samt Audio Streaming sowie AUX- und USB-Anschlüsse sind auch dabei.

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Die Internetfunktionen konnte ich nicht ausprobieren, dafür braucht der Fahrzeugbesitzer einen Account und mit dem Presse-Account hat es nicht funktioniert. Die Freisprech-Funktion war tadellos, nur mit dem Audio-Streaming via Bluetooth hatte das System so seine Schwierigkeiten.

Das Nissan Safety Shield (in unserem Testfahrzeug nicht verbaut) umfasst unter anderem einen Autonomen Notbrems-Assistenten, der in drei Stufen bis zur vollständigen Abbremsung vor Kollisionen schützen soll, außerdem eine Bewegungserkennung um zum Beispiel Fußgänger hinter dem Auto zu erkennen, sowie einen Spurhalte- und einen Totwinkel-Assistenten.

Über den Nissan Around View Monitor erhält man über mehrere winzige Kameras einen Blick aus der Vogel-Perspektive, der zum Beispiel beim Rangieren helfen soll. Ich kenne diese Funktionen bereits von anderen Fahrzeugen und diese sind, meiner Meinung nach, den geringen Aufpreis wert. Gerade die 360° Kamera ist sinnvoll beim Einparken, in Parkhäusern und in engen Auffahrten.

Einzelne Einstellungen des Nissan Safety Shields können per Knopfdruck oder über das NissanConnect System personalisiert und einzelne Funktionen einfach deaktiviert werden. Diese personalisierten Einstellungen lassen sich via NissanConnect speichern und jederzeit abrufen.

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Die Preisfrage?

Los geht es beim über die Vorderräder angetriebenen 1.2 DIG-T ab 20.580 Euro, aber je nach Ausstattung kann man diesen Wert natürlich auch nach oben korrigieren. Die Xtronic beispielsweise kostet 1.600 Euro extra. Aktuell startet der Nissan Pulsar bei etwas unter 16.000 Euro mit dem kleinen Benziner. Diesel-Freunde kommen auch auf ihre Kosten, es gibt auch noch einen 1,5 Liter Selbstzünder.

Was sagen die anderen?

Thomas Imhof (autogefuehl.de): „Der Konkurrenzkampf im Golf-Segment ist immens und Nissan war lange weg von dieser heiß umkämpften Bühne. Dass dies nicht mehr länger so ist – dafür sorgt nun der Pulsar. Ein gutes Auto, das den unseligen Tiida vergessen lässt, jedoch den Puls des Kunden zunächst einmal eher beruhigt als beschleunigt. Was ja auch nicht das Schlechteste sein muss.“

Milos Willing (trendlupe.de): „2,70 Meter liegen zwischen den Achsen, so viel wie bei keinem vergleichbaren Modell dieser Klasse. Das gibt dem Pulsar ein überdurchschnittliches Platzangebot vorne wie hinten und bringt jede Menge Beinfreiheit für die Passagiere, selbst im Fond. Zu erwähnen ist auch dass es den Pulsar grundsätzlich nur in der fünftürigen Version gibt.“

Das mit dem Radstand stimmt so übrigens nicht ganz, denn z.B. eine Mercedes-Benz A-Klasse oder aber ein Mazda 3 verfügen über ganz ähnliche Werte. Dennoch, das Platzangebot im Innenraum ist wirklich positiv zu bewerten.

Zuckerbrot und Peitsche? Hier kommt meine Kritik

Wie kann man nur? Wer hat da bei Nissan geschlafen? Ihr baut hier fast ein perfektes, günstiges, Familienauto und vergesst dann einige Basics? Ihr schreibt quasi die Doktor-Arbeit, habt aber in der Grundschule die Hausaufgaben nicht gemacht. Wovon ich spreche?

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Die Gurtpeitschen hinten sind mit Kinderhänden schlecht zu erreichen, vor allem wenn Kindersitze montiert sind. Dann gibt es hinten keine Beleuchtung und auch wenn die elektrischen Fensterheber hinten über keine Automatik verfügen (die gibt es nur für den Fahrer) verlange ich im Jahre 2015 einen Einklemmschutz für die kleinen Finger. Das geht besser! Besser wäre auch ein größeres Display für die Rückfahrkamera bzw. das Infotainmentsystem, da ist inzwischen ja mein Smartphone besser ausgestattet.

Positiv finde ich die Ablesbarkeit der Rundinstrumente und auch das dazwischen eingebaute Farbdisplay lässt sich gut ablesen. Auch die Bedienung an sich ist selbsterklärend. Der Nissan Pulsar trifft in der Kompaktwagen-Klasse auf viele Mitbewerber. Alle kämpfen um die Gunst der Kunden.

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Bei mir war es eigentlich „Liebe auf den ersten Blick“, denn optisch gesehen finde ich den Nissan Pulsar echt klasse und auch mit der Leistung komme ich wirklich zu Recht.

Aber als Familienvater stören mich dann doch die Kleinigkeiten, die mich nun doch dazu bewegt haben, den Nissan Pulsar nicht zu bestellen. Wer allerdings keine kleinen Kinder mehr hat, der findet hier eine durchaus gute Alternative zu VW Golf und Co.

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