Royal Enfield – Überraschung auf dem Land!

Beim schnellen Durchblättern einer Regionalbeilage unserer heimischen Tageszeitung stieß ich auf diese Anzeige, die mich elektrisierte…

Zeitungsannonce der Royal Enfield

„Royal Enfield“! Neue „Royal Enfield Bullets“- und das gerade ein paar Dörfer weiter? Das ist wie ein Quastenflosser, der plötzlich in unserem Bach auftaucht – das musste ich mir anschauen! Was das Besondere an einer „Royal Enfield Bullet“ ist?

Zur Erklärung: Royal Enfield ist der wohl älteste noch existierende Motorradhersteller der Welt, seit 1901 baut dieses Unternehmen ununterbrochen Motorräder. Das zunächst englische Unternehmen begann im 19. Jahrhundert mit der Fertigung von Waffenteilen. Neben der Produktion von Motorrädern wurden auch kurzzeitig Autos gebaut, das endete jedoch bereits 1905.

Mit verschiedenen Typen zwischen 225 ccm und 1.040 ccm verfügte man bis zum 2. Weltkrieg über eine breite Palette an Qualitätsmaschinen.

Das wichtigste Modell kam aber 1933 heraus – die „Bullet“, ein Viertakter-Einzylinder mit 250 ccm bis zunächst 350 ccm, später auch 500 ccm.

Royal Enfield Bullet 500, Prospekt 1938

Neben kleineren Gebrauchsmotorrädern und den schnellen „Constellation“ und „Interceptor“ (die gingen schon bis 180km/h) blieb die Bullet im Programm, erhielt nach dem 2. Weltkrieg eine Hinterradfederung und wurde immer mehr zum Bestseller. Ab 1955 wurde sie in Indien zunächst nur montiert, dann später ganz hergestellt.

Royal Enfield Constellation

In den 60ern ging die englische Motorradindustrie genauso ein wie fast alle deutsche Marken, Royal Enfield konnte sich zwar vor Bestellungen aus den USA für die schnellen Interceptors nicht retten, schaffte es aber nicht, ausreichend zu liefern, so liefen ihnen die japanischen Marken den Rang ab.

Royal Enfield stellte daher 1970 in England die Herstellung ein und ging ganz nach Indien; dort wurde die Bullet in der 1955er Ausführung stets weitergebaut und hatte auf Grund des dortigen (ungesunden) Wirtschaftsprotektionismus jahrzehntelang keine Konkurrenz – der eigene indische Markt war ja groß genug!

Einige wurden nach Europa importiert, aber wie das mit den weitergebauten Oldtimern so ist, die Qualität ging ab den 80er, 90er Jahren massiv zurück, und parallel erfolgten erste Öffnungen des Marktes für andere Unternehmen.

Royal Enfield Bullet 350

Nach einigen unvermeidlichen Halb-Insolvenzen hat Royal Enfield wohl die Kurve gekriegt und legt mit den neuen Bullets wieder los. Und genau die haben mir sehr gut gefallen, für eine Probefahrt war mir zu kalt, äääh, hatte ich nicht die richtige Kleidung mit, aber sie sehen echt gut aus.

Die neuen Bullets haben eine gediegene 50er/60er Jahre-Optik; Einspritzmotoren, Scheibenbremsen von Brembo und weitere europäische Anbauteile verheißen zusammen mit der soliden Grundkonstruktion eine sichere und hoffentlich pannenfreie Fahrt und ergeben sowohl bei den klassischen Tourern wie auch als Cafe Racer (Continental GT) ein stimmiges Bild.

Wie erfreulich, dass die Geschichte von Royal Enfield weitergeht – und vielleicht schafft die Bullet, das am längsten produzierte Motorrad der Welt, auch noch die 18 Jahre, um die 100 vollzumachen! In ihrer Nische könnte es ihr gelingen.

P.S.
Da schreit nach einer Fahrt zum Ace-Cafe – und dann weiter!

P.P.S.
Die Werkstatt von Matthias Schumacher barg noch einige andere Überraschungen…, davon aber später! Die Ungeduldigen klicken einfach hier.

Bildquellen:
Royal Enfield Bullet 500
Royal Enfield Constellation
Royal Enfield Bullet 350 – Motorrad Katalog 1980
Royal Enfield Classic 500 – Prospekt 2014/2015
Royal Enfield Continental GT – Prospekt 2014/2015
Royal Enfield Bullet 500 – Prospekt 2014/2015

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