BMW i3 – Freude am Fahren?!

Im Artikel letzte Woche hatte ich einen Fahrbericht zum BMW i3 versprochen. Zu klären bleibt nämlich die Frage, ob der BMW i3 sich tatsächlich wie ein BMW anfühlt: kann man künftig auch sagen BMW i – aus Freude am Fahren?

Man denkt bei diesem Slogan eigentlich entweder an muntere Boxer in Motorrädern (zumindest geht mir das so…) oder üblicherweise an eine Kombination von schnurrenden, agilen Reihen-Vier- und Sechszylindermotoren mit sportlichen Fahrwerken, die im Ergebnis den Inbegriff des deutschen „Fahrerautos“ prägten, auch die BMW-Limousinen hatten immer eine sportive Attitüde.

Und dann kommt der i3, dieses seltsam knubbelige Miniraumschiff mit den großen Rädern und ich bin gespannt.

Nehmen wir doch zunächst mal die sachliche Brille

Einsteigen, die Türen schließen mit sattem „Klonk“.  Und dann ist der Start des Elektro-Fahrzeugs – wie bei den anderen auch – immer anders als bei Verbrennern. Es passiert nämlich außer buntem Mäusekino, dem Einspielen synthetischer Geräusche und dem Anlaufen von Lüftung und ggfs. Unterhaltungselektronik… nichts.

BMW i3 - Armaturenbrett

Wir fahren los, es fühlt sich direkt gut an, leichtgängige, direkte Lenkung mit exzellentem Wendekreis, eine überzeugende Straßenlage, drei wählbare Fahrprogramme (mit unterschiedlichen Gewichtungen von Spritzigkeit und Sparsamkeit).

Trotz der Sitzhöhe wie in einem SUV (gut für ältere Semester…) ist der Schwerpunkt auf Grund der unten liegenden Batterien schön tief, die Straßenlage entsprechend gut. Die zahlreichen elektronischen Helfer unterstützen, der Stauassistent verhindert in der Stadt größere Malheurs.

Und hoppla, aufpassen mit dem Fahrpedal! Schon bei leichtem Druck springt der Wagen direkt nach vorn, da wollen wir dem Vordermann doch nicht zu nahe kommen!

Die Charakteristik erinnert mich an einen Tiger, lautlos, vermeintlich etwas langsam – aber tatsächlich jederzeit sofort bereit zu einem unglaublichen Sprint – man wird in den Sitz gedrückt und fühlt sich zumindest bis 80, 100 km/h ähnlich wie in einem potenten Sportwagen.

In engen, eher zügig gefahrenen Kurven mit welliger Fahrbahn wird er vorne etwas leicht, hier zeigt sich, dass beide Antriebe im Heck liegen. Ansonsten liegt der i3 liegt auch bei 120, 130 km/h noch ansprechend, bei 150 km/h riegelt er ab.

Bis dahin ist es sehr schön, mich störten allein die etwas lauten Wind- und Abrollgeräusche, das könnte auch leiser sein – aber nicht vergessen, die hört man natürlich nur deshalb, weil das Motorengeräusch fehlt!

Der Range-Extender ist ein treuer Helfer, ich hatte ihn mir immer so eingestellt, dass die Akkuladung nicht unter 20 % fiel, man hört ihn nur dezent, das System funktioniert wirklich gut.

Die rein elektrische Reichweite, die war mir zu gering. Angesichts der Temperaturen um 0°-5°C nicht verwunderlich, aber ich benötige mehr als gut 100km Strecke!

BMW i3: harte Testbedingungen

i3 – praktikabel für meinen Alltag?

Ja, sehen wir uns das als Alltagsauto an:

Mein Lastenheft mit 5 Sitzplätzen ist sowieso nicht erfüllt, aber seien wir gnädig und betrachten wir den i3 aus der Perspektive einer kleineren Familie: Schick.

Die schrullige Türenkonstruktion taugt nur dann, wenn hinten wirklich nur ausnahmsweise Menschen mitfahren, aber ob man das wirklich so aufwendig lösen musste?

Ansonsten ist vieles Geschmackssache: Uns fiel der Blinkerhebel als seltsam auf, die zahlreichen Elektronik-Features benötigen etwas Gewöhnung und einige Kleinigkeiten mehr – nichts Ernstes, Gewöhnungsthemen.

Daher jetzt der emotionale Blick auf das Fahrzeug – Freude am Fahren?

Ich habe die Frage mit mehreren Freiwilligen untersucht: Mit 15-jährigen Mädels, die von der Tanzstunde nach Hause gebracht wurden; den treuen Helden meiner Fahrgemeinschaft, Auto-Aficionados aus der Firma, einem Automechaniker-Freund, der früher auch bei der DTM bei einem Werksteam schraubte, einem Entwicklungsingenieur von der BMW-Konkurrenz und – neben einigen anderen mehr – auch mit meiner Mutter.

Ich fasse es kurz zusammen, fast alle waren hellauf begeistert, es kamen quikende, schrille Rufe wie Uuuuuiiii, uiuiuiui (Klar, die jungen Tanzstundendamen..), zunächst sprachlose Münder mit einem folgenden gehauchten „Mensch, mach das nochmal…!“ , beeindruckte Rückmeldungen von den Autospezialisten und einiges mehr in dieser Richtung –  meiner Mutter war die einzige, die es nicht mochte, sie fühlte sich wie in einer Achterbahn.

Für alle anderen galt: BMWi, aus Freude am Fahren!

BMW i3Mein Fazit

Ja, dieser i3 macht sicher Freude am Fahren!

Ein mordsflinkes Gefährt, Klasse als Zweitwagen für eine Kleinfamilie. Gut in der Stadt und im nahen Umland. Er ist hervorragend als Technologieträger mit der Nutzung von Carbon für die Fahrgastzelle, der Umstellung der Produktion auf möglichst weitgehende Ressourcenschonung etc., er ist sehr gut und sehr solide gebaut, funktioniert auch beim Zusammenspiel mit dem Range Extender sehr gut und hat einen hohen Prestigefaktor.

Aber, wem ist es aufgefallen? Das Thema Verbrauch ging hier unter! Wo bei den anderen Elektro-Autos immer ein Augenmerk auf möglichst entspannter und stromsparender Fahrt ruhte, wurde das hier nebensächlich, so spritzig ist der Charakter.

Mein Antritt ist das nicht, ich möchte zunächst meine Mobilitätsbedürfnisse relativ bescheiden  erfüllen, und dafür ist er mir zu stark, zu wenig öko…  und zu teuer.

Also BMW: Bitte für mich kleiner, leichter, vernünftiger, ich verzichte auch gerne auf etwas Luxus, das macht mir noch mehr Freude am Fahren.

Und so bin ich gespannt, wie er sich weiterentwickeln wird; BMW hat jedenfalls ein gutes know-how aufgebaut, um in den nächsten Jahren bei den E-Autos ganz vorne dabei zu sein.

Und die Konkurrenz schläft nicht! Bald kommt hier unsere erster Bericht über den neuen KIA SOUL EV, den wir derzeit im Test haben.

P.S.
Der Testwagen wurde uns dankenswerterweise vom BMW-Autohaus Karl & Co in Wiesbaden zur Verfügung gestellt.

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