Pioniere der Aerodynamik: Edmund Rumpler

Versetzen wir uns die in die Zeit nach dem ersten Weltkrieg: Tausende Europäer hatten im Krieg Erfahrungen gemacht mit modernster Technik, der Modernisierungsschub durch den Vater aller Dinge war in vollem Gang.

Zum einen hatten sich die Herstellungsmethoden massiv verändert, Großserienfertigung an Fließbändern hatte Einzug gehalten. Zum anderen gab es zahlreiche Erkenntnisse aus dem Bereich der Flug-, Waffen- und Fahrzeugtechnik, die auf die „Zivil-Produkte“ übetragen wurden.

Da der Versailler Friedensvertrag den Bau von Flugzeugen in Deutschland verbot, mussten sich insbesondere die hochqualifizierten Ingenieure neue Betätigungsfelder suchen und sie sahen schnell, dass ihre Kenntnisse und Erfahrungen für die Weiterentwicklung von Automobilen hervorragend nutzbar waren.

Der Gründer der ersten deutschen Flugzeugfabrik Edmund Rumpler (1872-1940) hatte in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts bereits bei verschiedenen deutschen Autoherstellern gearbeitet und 1903 für die Adlerwerke die Schwingachse erfunden.

Ab 1910 baute er dann zunächst die Rumpler-Taube, hauptsächlich konstruiert von Ignaz Etrich, später im Krieg zahlreiche verschiedene Typen, darunter auch Wasserflugzeuge mit Schwimmern statt Rädern.

Rumpler-Etrich-Taube, ein Kriegsgerät mit wunderschöner Ästhetik

Was lag näher für ihn, als direkt nach dem Krieg wieder in die Entwicklung eines Autos einzusteigen?!

Das Ergebnis war der Rumpler Tropfenwagen, ein absolut futuristisches Fahrzeug der Extraklasse! Er wurde 1921 auf der Berliner Automobil Ausstellung vorgestellt und machte sofort Furore.

Rumpler Tropfenwagen, eine Flugzeugkabine auf Rädern

Offensichtlich war das Fahrzeug geprägt von den Erfahrungen aus dem Flugzeugbau: Es sah aus wie eine Flugzeugkabine auf Rädern.

Die Grundform war einem Tropfen nachempfunden, bei der auch zum ersten Mal gewölbte Glasscheiben im Automobilbau eingesetzt wurden. Der Cw-Wert lag bei damals unglaublichen 0,28, ein Wert, den Serienfahrzeuge erst in den 90er Jahren wieder erreichten.

Frontansicht des Tropfenwagens von Rumpler

Seiner Zeit weit voraus

Alle Räder waren einzeln aufgehängt, auf Grund des Mittelmotors war die Gewichtsverteilung hervorragend! Der Fahrer saß vorn in der Mitte, dahinter war Platz für vier weitere Passagiere. Verschiedene Karosserieformen, auch offenen Tourenwagen waren im Angebot.

Anfangs hatte er einen kleinbauenden wassergekühlten Sechszylinder-W-Motor mit 35 PS, später einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 50 PS. Die Höchstgeschwindigkeiten stiegen von zunächst 95 km/h auf später bis zu 115 km/h, damit war er einer der schnellsten Serienwagen seiner Zeit und lief mit seiner überragenden Aerodynamik Wagen mit vergleichbarer Leistung leicht davon!

Beispielsweise schaffte der Maybach 22/70 aus den gleichen Jahren mit 70 PS nur 105 km/h, der Horch Typ 10 M 25 kam mit 50 PS nicht über die 95 km/h hinaus. Kein Wunder, sie waren windschnittig wie ein Kleiderschrank…

Natürlich gab es zu dieser Zeit auch zahlreiche andere Versuche, die Aerodynamik zu verbessern, aber das betraf in dieser Konsequenz fast nur Fahrzeuge für Rekord- und Rennwettbewerbe.

Und wie so häufig scheiterten auch Rumplers geniale Ideen auf Grund einer mangelhaften Umsetzung.

Eine anfällige Motorenmechanik, der fehlende Kofferraum, eine mangelhafte Lenkung – all das sprach sich sofort herum. Der Wagen war ein kommerzieller Mißerfolg, mehr als 100 Exemplare konnten bis 1925 nicht abgesetzt werden, zumeist wurde er als Taxi in Berlin „verheizt“.

Und das nicht nur auf Berliner Straßen – hier ein Exkurs für cineastisch und automobilhistorisch Interessierte: In Fritz Langs beeindruckendem, expressionistischem Science-Fiction-Fim „Metropolis“ von 1926 (damals der teuerste Film der Welt, er zog die UFA in den Ruin) konnten die Rumpler-Wagen auch noch nach dem Produktionsende futuristische Autos glaubwürdig verkörpern. Und zum Ende des Films geht nicht nur das alte Metropolis unter, auch mehrere der Rumpler-Wagen gehen in Flammen auf. Mein Herz blutet, wenn ich das sehe…

Metropolis - ein Rumpler-Scheiterhafen

Es gibt heute noch zwei der Tropfenwagen, einer im Deutschen-Museum in München, einer in Berlin im Deutschen Technikmuseum. Anschauen lohnt!!

P.S.:
Später baute Rumpler auch Laster mit aerodynamischer Karosserie, kommerziell leider auch Fehlschläge.

P.P.S.:
Um zu ermessen, welch grandiose Leistung Edmund Rumpler vor bald 100 Jahren mit der Aerodynamik seiner Autos ohne die Nutzung eines Windkanals schaffte, könnt ihr mal auf dieser schicken Vergleichsseite schauen, wo euer Wagen denn so liegt… den Cw-Wert des Tropfenwagens schaffen auch heute nur ganz wenige!

Bildquellen:
Rumpler Tropenwagen im Windkanal – Fundort: Focus, Bildrechte: SDTB, C. Kirchner
Rumpler Taube – Wikimedia Bundesarchiv
Rumpler Tropenwagen Seitenansicht- Wikimedia MartinHansV
Rumpler Tropfenwagen Frontansicht – Deutsches Museum München
Filmausschnitt Metropolis – IMCDB

 

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