Heute stellen wir vor: KIA SOUL EV

Jetzt ganz ehrlich: dieser Kia Soul ist das erste koreanische Auto, das ich bisher gefahren habe.

Und das dann gleich in der Konfiguration, die man bislang nur bestellen kann, aber noch nicht ausgeliefert wird…

Aus der Werbung kennt man diese eckige Form, er erinnert an einen Range Rover, der von den martialischen Allüren befreit wurde. Man stellt ihn sich eigentlich nicht so groß vor, wie er dann tatsächlich ist, wenn man vor ihm steht. Man steht nämlich vor einer wirklich wuchtigen, großen Kiste, er sieht modern und solide aus, die geschlossene Front irritiert.

Kia Soul EV Frontansicht

Das großzügige Innere hält, was der äußere Eindruck verspricht

Geräumig und unbeengt geht es zu, angenehm luftig ist es vorne wie hinten. Man sitzt aufrecht, die Sitze sind bequem, gut verstellbar, in der von uns getesteten Ausstattung auch hinten beheizbar.

Alles fühlt sich gut an, Knöpfe und Schalter sind in Optik und Haptik in Ordnung. Schön hell, sachlich und zweckmäßig.

Wie auch bei den Konkurrenten gibt es reichlich Mäusekino, hier mit einem gut erreichbaren Touchscreen in der Mitte, an dem es reichlich Spielmöglichkeiten für den Beifahrer gibt, der aber auch einfach als gutes Navi taugt…. Zur Belohnung der Energiesparer können diese zusehen, wie ein Baum zum Wachsen gebracht wird. Nett, aber interessanterweise korrelierte das Baumwachstum nicht mit dem Fahrstil, der dahinter liegende Algorithmus könnte überdacht werden.

Kia Soul EV Touchscreen

Die Klimaanlage funktioniert energiesparend über eine Wärmepumpe.

Der Kofferraum ist etwas klein, jedoch nach unten erweiterbar. Das gibt es häufig und soll das Be- und Entladen erleichtern, ist mir allerdings ziemlich lästig, aber das ist meine Mindermeinung, abgehakt.

Die Sicht nach hinten ist – wie heutzutage üblich- schlecht, die Rückfahrkamera gleicht das allerdings aus.

Befremdlich und nicht intuitiv war für mich lediglich, wie das Auto abgeschlossen wird… Parkbremse einlegen, Fahrhebel auf „P“ und das Verriegeln des Autos scheint eine bestimmte Reihenfolge zu benötigen, ich gestehe, dass es mir nicht immer sofort gelang, dann weigerte er sich und klingelte vor sich hin… bei mir stellte sich hier kein Automatismus ein, ich musste immer ausprobieren.

Tatsächlich zu meckern gibt es im Innenraum wenig, zwei Punkte will ich nennen.

Zum ersten: Warum befinden sich die Knöpfe für die Auswahl der Fahrmodi, bzw. für das Ein- und Ausschalten des Eco-Modus mit besonderer Rekuperation und besserem Sparverhalten immer an Stellen, die man nicht einfach erreicht? Neben den Fahrersitz gehört das nicht, sondern in Lenkradnähe!

Nur dann kann man sich ständig im sinnvollsten Fahrmodus fortbewegen und in besonderen Situationen, wenn man tatsächlich mal einen kurzen Zwischensprint einlegen möchte, aus einem Eco-Modus schnell auf die sportliche Variante – und wieder zurück – schalten. Diese Positionierung des Knopfes ist beim Soul EV kein Einzelfall, das haben wir bei anderen Stromern auch schon gesehen – ich verstehe es nicht.

Zum zweiten: Die schicke Stromladeklappe ist vorne im „Kühlergrill“, die beiden Ladekabel sollen jedoch im Kofferraum unter der Zwischenabdeckung und damit unter transportierten Objekten wie Einkäufen, Not-Kindersitzen etc. abgelegt werden!? Unpraktisch! Unter der Fronthaube wäre genug Platz für 2 Ablagefächer, so dass sich die beiden Kabel noch nicht mal in die Quere kämen.

Aber eigentlich möchte ich doch vom Fahren berichten und nicht Ablagefächer oder Knöpfchen besprechen, und doch: ein Knopf, kein Schlüssel startet das Fahrzeug, ein offener Akkord ertönt, der Soul EV ist abfahrbereit.

Wie bei Stromern üblich, passiert hier akustisch sonst nichts, je nach Einstellung kann man unter Umständen das Gebläse der Heizung oder die Klimaanlage hören….

Und los geht`s, wir fahren an

Nur anfangs auch hier ein leises Warngeräusch für Fußgänger, gut, Kia!

Der Motor schiebt gut voran, die 90 kW mit dem Stromer-Drehmoment reichen dicke aus. Die angetriebenen Vorderräder ziehen schön aus den Kurven, ein sicheres Fahrgefühl stellt sich sofort ein. Aufgrund des relativ hohen Gewichts und des niedrigen Schwerpunkts liegt der Soul EV satt auf der Straße, absolut vertrauenserweckend.

Die verschiedenen Fahr- und Rekuperationsstufen bieten für jeden Fahrstil eine passende Einstellung.

Abgeriegelt wird er bei 145 km/h, angesichts des dann stattfindenden Stromverbrauchs dient dieses Tempo wohl im Regelfall nur zu Demonstrationszwecken, auf den von mir zurückgelegten Strecken dazu fast überall rechtlich untersagt und/oder (gleich, ob die Schiersteiner Brücke offen oder geschlossen ist) faktisch unmöglich…

Die Direktheit der Lenkung ist in drei Stufen verstellbar, mir gefiel die weichste Einstellung am besten, bei den flotten Fahrten auf kurvigen Landstraßen und in der Stadt war die direkteste Einstellung hilfreich.

Der Wagen ist im Inneren nicht nur leise, er ist sehr, sehr leise. Und das bleibt auch bei höheren Geschwindigkeiten so, auf die Feinarbeit an der Karosserie und eine gute Dämmung scheint hier besonders viel Wert gelegt worden zu sein.

Meine dazu befragten Fachleute von der Konkurrenz blieben von der Qualität auch in Feinheiten nicht unbeeindruckt! Die Fahrgemeinschaft fühlte sich ebenfalls wohl, die Daumen der Passagier-Probanden zeigten eindeutig nach oben.

Schnee - auch wieder schwierige Bedingungen für den KIA Soul EV

Wir bewegten den Soul EV im echten Alltagsverkehr, regelmäßig mit drei bis vier Leuten besetzt, bei schlechtem, kaltem Wetter, hatten Pendlerfahrten mit Stau und stop and go-Verkehr. Dabei brauchten wir knapp unter 20kw/h für 100 km Strecke, ein bisschen sparsamer hätten wir es noch haben können, viel weniger wäre bei „normalem“ Fahrverhalten nicht möglich gewesen.

Der Wagen hat einen 27 kW/h-Akku, man kann sich also ausrechnen, wie lange der hält. Die Hoffnung, angesichts der Herstellerangabe von 212 km Reichweite unter unseren Bedingungen auf über 150 km zu gelangen, wurde leider enttäuscht.

Die Ladezeiten sind sehr gut, er kann CHAdeMO, also richtig schnell saugen.

Auch hier gilt somit wieder: Der Wagen taugt hervorragend für die weit überwiegende Zahl der Fahrten – wohl dem, der auf der Arbeitsstelle sicher nachladen kann. Da das bei mir nicht so ist, werde ich noch etwas warten müssen – schade, denn im Alltag will ich nicht in die Klemme kommen.

Unterm Strich: rundum ein gelungenes Auto, unprätentiös, praktisch. Ich mag das so. Und mit gut 30.000 € eine echte Ansage an die Konkurrenz! Hoffentlich ist er hier bald auf dem Markt.

P.S.
Vielleicht werden wir in Deutschland auf den Kia Soul EV noch etwas warten müssen – in den USA (bislang nur Kalifornien) wird er Kia aus den Händen gerissen. Green Car Reports dazu:

The carmaker is „changing things around a bit,“ with regard to Soul EV expansion plans, Kia American vice president of product planning Orth Hedrick said in a recent interview with Autoblog Green. He said customer interest in the Soul EV was significantly greater than Kia had originally anticipated, saying officials were „kind of shocked“ by how well it was received.

P.P.S.
Der Kia Soul EV wurde uns von KIA Deutschland für den Test kostenlos zur Verfügung gestellt.

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: