Ein Unfall am anderen Ende der Welt

Im Februar waren meine Freundin und ich in Australien unterwegs, unter anderen auch per „Campervan“. Dabei ist uns genau das passiert, wovor man sich (fast) am meisten fürchtet: Wir hatten einen Unfall.

Wie es dazu gekommen ist oder wer Schuld hatte, lasse ich außen vor. Endergebnis war nach lautem Ausruf eines nicht 100% der Netiquette entsprechenden Wortes ein Campervan quer zur Fahrbahn und mit der Nase relativ tief im roten Sand der australischen Böschung…

Nach der ersten Schrecksekunde, frage ich meine Begleiterin, ob sie verletzt sei, was sie zum Glück verneinte. Dass es sich bei dem Schaden um mehr als einen kleinen Parkrempler handeln würde, war mir ziemlich schnell klar. Zumindest drang kein Qualm aus der Motorhaube und unkontrolliert auslaufende Flüssigkeiten waren keine zu erkennen.

Also erstmal versuchen die Karre aus dem Graben zu fahren: Klappte! Erster Etappensieg.

Eine Menge Sand, die da so nicht hingehört.

Eine Menge Sand, die da so nicht hingehört.

„Diese grüne Flüssigkeit da! Die gehört da sicher nicht hin.“ sagte ich, als ich den Wagen zusammen mit einem Australier begutachtete, der mit seiner Familie unterwegs war und sofort anhielt und Hilfe anbot. Wir waren heilfroh, dass sogar zwei Autos in unmittelbarer Nähe waren, wir waren zwar im dichter besiedelten Bereich unterwegs, aber es gab auch längere Phasen ohne weitere Verkehrsteilnehmer.

Eine Menge Dreck hing im Kühler, also lag ich mit einem völlig fremdem Mann halb vor, halb unter dem Auto und wir kratzten den Dreck heraus. Als ich die Schiebetür der hinteren Abteilung öffnete, damit wir uns die Hände waschen konnten, blickten wir ins Chaos: Natürlich war sämtliches Gepäck herumgeschleudert, Schranktüren geöffnet und unsere frisch getätigen Einkäufe fielen uns quasi entgegen.

Ich mache mein rudimentäres Bewusstsein für Ladungssicherung dafür verantwortlich, dass im Endeffekt nur eine kleine Flasche Ginger-Ale und eine Kaffeetasse zu Bruch gegangen sind. Die Taschen waren zwar nicht dort, wo sie eingeladen wurden, aber zumindest waren keine schweren Sachen in den oberen Abteilungen verstaut o.ä.

Mit unserer hilfsbereiten Begleitung wurde der Plan gefasst, in die nächst größere Stadt (20.000 Einwohner) zu fahren, dort würde sich sicher eine Werkstatt finden.

Unterwegs schaute ich im Sekundenabstand auf die Anzeige der Motortemparatur: Konstant oder steigend? Konstant! Etappensieg Nr. 2.

Ich steuerte die erste Möglichkeit an, die nach Werkstatt aussah, es handelte sich aber um einen Schrottplatz. Naja, die Kiste fuhr ja noch. Also weiter, zweite links rein und dann nach ein paar hundert Metern auf der rechten Seite. Eine kleine, nicht mehr ganz so feine Tankstelle inkl. Werkstatt. Treffer!

Im Normalzustand ist der Kühler senkrecht.

Im Normalzustand ist der Kühler senkrecht.

Nachdem wir uns bei unserem Helfer und dessen Familie bedankt und verabschiedet hatten, wurde seitens der Fachleute der Van inspiziert: Kühler

nach hinten gebogen (hatte ich bereits selbst diagnostiziert), Luftfilter und zuständiger Lüfter Schrott. Lenkung etc. schienen heil geblieben zu sein.

Offenbar nicht so wild, Aufatmen. Auch daran zu merken, dass wir nach der Kurzinspektion erstmal gefragt wurden, wo wir herkamen, was wir gesehen hatten, wie es war etc. pp. Also man würde sich den Van morgen in Ruhe anschauen, aber es sähe so aus, als könne er relativ schnell wieder flott gemacht werden.

„Wo können wir denn hier übernachten, gibt es einen Campingplatz?“ meine Frage an den sehr jungen Chef der Werkstatt. „You can stay here!“ bot er uns direkt an. OK, wir waren beide froh, die Kiste nicht mehr bewegen zu müssen. „You need power?“ Auch das Angebot konnten wir nicht ausschlagen. Kurz vor Feierabend kam er noch vorbei und gab uns den Toilettenschlüssel, australische Freundlichkeit at it’s best!

Zum Glück hatten wir eingekauft, so dass wir uns ein Abendessen im Hinterhof der Werkstatt brutzeln konnten. Vorher wurde noch natürlich der

Vermieter über den Unfall unterrichtet, erst telefonisch, dann habe ich mit dem Handy Bilder gemacht, wir haben den Unfallbericht ausgefüllt, abfotografiert und alles per Mail verschickt.

Wieso, weshalb oder warum wissen wir selbst nicht genau: Aber die Selbstbeteiligung hielt sich (sehr untypisch für Mietwagen) in Grenzen: Während uns der ungewollte Spass einen mittleren dreistelligen Betrag australischer Dollar kostete, hätte ein Unfall mit dem Ersatzwagen mit 3.000 Dollar zu Buche geschlagen.

Später am Abend, nach dem Essen (welches aufgrund der Mückenplage innen eingenommen wurde) trat ich vor den Campervan und konnte fast meinen Augen nicht trauen: Sternenklarer Himmel. Provinz sei Dank fast nirgendwo „Lichtverschmutzung“, so dass wir ohne Probleme deutlich die Milchstraße erkennen konnten. Traumhaft! Wenig später lagen wir im Innenraum und schauten durch die Heckscheibe auf das Himmelsfirmament.

Dank Strom aus der Werkstatt konnten wir uns am nächsten Morgen unkompliziert Kaffee kochen, sehr wichtig nicht zuletzt für die Moral! Allerdings folgte bald die Ernüchterung: So schnell wird der Wagen doch nicht wieder fit, frühestens am Montag, Ersatzteile müssen besorgt werden!

Der Werkstattleiter organisierte uns einen Leihwagen, fuhr uns zur Verleihstation (australische Freundlichkeit eben!)  und wir konnten zwei Nächte in der Hauptstadt Canberra verbringen. Montag Nachmittag war der Campervan tatsächlich repariert und wir konnten unsere Reise weiterführen, wenn auch mit Verzögerung.

Zum Abschied fasste ich das Ereignis zusammen: „Shit happens, nobody was injured, it’s just money and we got another story to tell, when we are back home!“

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