Neuwagen der Woche: Audi A3 Sportback e-tron – Der erste Plug-in Hybrid Audi!

Da ist es nun also: Das erste Plug-in-Hybrid Fahrzeug von Audi. Genauer gesagt der Audi A3 Sportback e-tron und nein, ich bin nun nicht der hundertste, der sich über den Namen lustig macht. In einem Nachbarland, wo man französisch spricht, könnte man sich darüber amüsieren (Kothaufen), aber wir sind ja hier in Deutschland und Namen sind doch eh Schall und Rauch.

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Äusserlichkeiten

Rein äußerlich unterscheidet sich der neue A3 Sportback e-tron kaum von seinen konventionellen fünftürigen Geschwistern. Der Unterschied liegt in winzigen Details wie zum Beispiel dem neuen Chrom-Grill oder den neu designten vier Ringen, hinter denen sich übrigens auch die Ladebuchse versteckt.

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Der 4,31 m lange und 1,42 m hohe e-tron hat einen Radstand von 2,63 m. Das Leergewicht ist mit 1.616 kg im Vergleich zu den eigenen Serienbrüdern recht hoch, was aber der 125 kg schweren Lithium-Ionen-Batterien mit separatem Kühlkreislauf zuzuschreiben ist.

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Der Innenraum ist geräumig und man findet e-tron-Schriftzüge an den Einstiegsleisten, dem Wählhebelknauf und an der Armaturentafel. Im Cockpit findet sich anstelle eines Drehzahlmessers das Powermeter, welches neben der Gesamtleistung des Systems den Antriebsstatus und den Ladezustand der Batterie anzeigt. Wer nicht auf seinen Drehzahlmesser verzichten möchte, kann sich einen digitalen einblenden lassen.

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Der Antrieb

Der Hybrid-Antrieb leistet zusammen 150kW / 204 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Er beschleunigt den A3 e-tron innerhalb von 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und der Benziner schafft bis zu 222 km/h Spitze. Rein elektrisch kann man 130 km/h schnell fahren. Nach der ECE-Norm für Plug-in-Hybride verbraucht er auf 100 Kilometern in der Theorie nur 1,5 Liter, das entspricht einem CO2-Ausstoß von 35 Gramm pro Kilometer.

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Der TFSI arbeitet mit einem scheibenförmigen Elektromotor zusammen, der in das 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Dieses leitet die Kraft auf die Vorderräder. Eine Lithium-Ionen-Batterie im Heck stellt die Energie für den E-Motor zur Verfügung und leistet 8,8 kWh.

Sie reicht für eine rein elektrische Reichweite von bis zu 50 Kilometern, die kombinierte Reichweite soll bis zu 940 Kilometer sein. Wer den A3 e-tron zu Hause laden möchte, kann dies entweder über einen Starkstromanschluss innerhalb von ca. 2:15 Stunden tun oder an der herkömmlichen Haushaltssteckdose in ca. 3:45 Stunden.

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Der Audi A3 e-tron kann entweder nur mit dem Verbrennungsmotor, per Elektroantrieb oder im Hybridmodus fahren. Erst wenn man das Gaspedal richtig durchtritt oder die 130 km/h-Marke überschreitet, schaltet sich der Vierzylinder wieder zu, dieses ist dann der „Boost-Modus„.

Geht man in der Fahrstufe „D“ bei einer Geschwindigkeit bis 130 km/h vom Gas, wird der Verbrennungsmotor abgeschaltet und ausgekuppelt, dies nennt sich dann „Segeln„.

In der Fahrstufe „S“ liegt der Fokus auf der Rückgewinnung von Bremsenergie, der Rekuperation.

Beim normalen Tritt auf die Bremse wird dem Akku Energie zugeführt, die dann für den Betrieb von Elektromotor, Klimatisierung und Energieversorgung des Fahrzeuges genutzt werden kann. Über die EV-Taste schaltet man den alleinigen Elektro-Antrieb ein, während im „Charge“-Modus der im Wagenboden verstaute Akku mit überschüssiger Motorkraft geladen wird. Mit „Hold“ kann man den Akkustand quasi aufheben, zum Beispiel für die nächste Stadtdurchfahrt.

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Der Kofferraum

Legt man Wert auf einen großen Kofferraum, dann muss man hier schon die ersten Abstriche machen. Hat der normale Audi A3 ein Kofferraumvolumen von 380 Liter zur Verfügung, so schränkt die Elektrifizierung das Volumen hier etwas ein. 280 Liter verbleiben und klappt man die Rücksitzlehnen um, dann sind es 1.120 Liter, die man nutzen kann.

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Meine Meinung

Unter uns? Ich mag bei den Plug-in-Hybrid Modellen vor allem die Tatsache, dass sie nicht aussehen wir typische Elektrofahrzeuge.

Während manche Hersteller scheinbar der Meinung sind, dass man mit dem leuchtetenen Neon-Pfeil umherfahren muss, damit ja keiner übersieht, dass der Fahrer einen grünen Daumen hat, geht Audi den Weg der Zurückhaltung. Weniger ist mehr, hier ein paar Hinweise, dort ein paar Spielereien – fertig ist das Ego-Öko-Mobil.

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Ego-Öko? Nun, ich kann ja entscheiden: Lautlos und ohne Emissionen raus aus meiner Spielstraße, später auf der Landstraße darf der Benziner dann die Luft verpesten und die Bäume vergiften, während er den Akkustand hält und später fahre ich dann wieder wie der Wohltäter durchs eigene Wohngebiet. Also mir würde das gefallen, allerdings gibt es da einen Haken.

Die Preisfrage

Nun müssen wir natürlich auch zum Preis kommen, ist ja schließlich nicht ganz unwichtig. Zu einem Grundpreis von 37.900 Euro bekommt man den e-tron, allerdings noch ohne irgendwelche Sonderausstattung.

Wenn man mal den Vergleich zieht zu einem A3 Sportback mit dem 150 PS 1.4 TFSI Motor, der nur 28.700 Euro kostet, muss man erstmal schlucken. Der Sportback mit 1.6 Liter Dieselmotor kostet 29.500 Euro, und der ist auch schon ziemlich effizient und nun kommt die bittere Wahrheit.

Ich kann den Aufpreis für den Ego-Öko Trip nicht einfahren, wenn also der Controller auf der linken Schulter die Entscheidungen trifft, dann wird es nichts mit dem Elektro-Fahrspaß und dem grünen Wurm auf der rechten Schulter müssen schon viele gute Argumente einfallen.

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Da wäre z.B. eine eigene Solar-Anlage, grüner Strom, die kostenlose Lademöglichkeit beim Arbeitgeber, der stets freie Parkplatz vorm bevorzugten Restaurant an dem nur Elektrofahrzeuge stehen dürfen.

Es gibt also durchaus ein paar gute Gründe, die für so ein Plug-In-Hybrid Fahrzeug sprechen, aber wenn es sich nicht rechnen lässt, dann werden auch die besten Gründe irgendwann verstummen, denn unterm Strich muss man sich diese Art von Umweltschutz auch leisten können.

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Kurzstrecken oder halt den Weg zur Arbeit und ggf. noch zurück fährt man rein elektrisch mit dem Strom aus der Steckdose. Muss man doch mal spontan einen Umweg machen, bzw. möchte man in den Urlaub fahren, muss zum Flughafen, was auch immer – dann muss man nicht zu einem anderen Fahrzeug greifen, denn wir haben ja noch einen herkömmlichen Antrieb verbaut.

Nicht so einen kleinen Range-Extender dessen Tank nach 9 Liter leer ist, nein einen richtigen Benziner mit einem richtig großen Tank. Das Beste aus zwei Welten?

Bestimmt, leider aber auch die Nachteile, denn der neue Audi A3 e-tron hat nun mehr Technik zu schleppen, das Fahrzeug wird schwerer und natürlich auch teurer. Kein gutes – Achtung Wortspiel – Ohmen für einen Massen-Erfolg, oder?

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Tatsachen

Fakt: Wer immer innerhalb der elektrischen Reichweite bleibt, wird den Tankwart nicht mehr häufig sehen. Doch umsonst ist nur der Tod, denn auch wenn der Strom aus der Steckdose kommt, bezahlt werden muss auch hier und die Kosten sind gar nicht mal so einfach zu entschlüsseln.

Während ich an der Tankstelle genau sehe, was ich bezahlen muss, gibt es beim Ladevorgang per Strom die unterschiedlichsten Preise. Es ist schon ein Unterschied, ob ich an der häuslichen Steckdose lade oder an einer öffentlichen Ladesäule. Da können die Kosten bei einem Stromverbrauch von 14,5 kwh/100km auf 100 km schon mal zwischen 4,20 oder 14,80 Euro liegen.

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Wer allerdings einen Arbeitgeber hat, der einem kostenlos seine Ladeinfrastruktur anbietet, der wird sich über solche Sachen keine Gedanken machen, warum sollte er auch? Alle anderen müssen nachrechnen.

Eine Wirtschaftlichkeitsrechnung würde ich mit den drei nachfolgenden Werten aufstellen: Stromverbrauch pro 100 Kilometer, Benzinverbrauch pro 100 Kilometer (die Batterie wird ja schließlich irgendwann auch mal leer sein) und den Aufpreis gegenüber einem Fahrzeug mit klassischem Antrieb.

Dann bräuchte man noch die aktuellen Strom- und Kraftstoffkosten. Da der Plug-in Hybrid ja über die herkömmliche Technik verfügt, dürften die Wartungskosten im gleichen Rahmen sein wie bei einem Fahrzeug mit konventiellen Antrieb.

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