Wie schlägt sich der Opel Adam im Alltag? Test – Kaufberatung – Fahrbericht!

Ich möchte das gar nicht verschweigen: Ich bin ein Opel-Kind. Aufgewachsen in dem ein oder anderem Opel (Opel Kadett D, Opel Ascona B), machte ich meine Ausbildung in einem Opel-Autohaus und auch mein erstes, zweites und drittes Fahrzeug hatte einen Blitz im Kühlergrill (zumindest so lange bis ich im Tuning-Wahn diesen durch einen Grill ohne Emblem austauschte).

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Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre hatte die Marke Opel einen Marktanteil (hier in Deutschland) auf VW Niveau. Laut KBA waren es 16,9 % im Jahre 1992. Dann kam der Astra, dann kam der Vectra B, dann kamen die Probleme und die sinkenden Absatzzahlen.

Opel im freien Fall und viele Versuche scheiterten, den Fall zu bremsen. Im letzten Jahr hatte Opel einen Marktanteil von 7,2 % und liegt damit hinter VW, Audi, BMW, Mercedes und Ford auf dem sechsten Rang.

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Wisst ihr aber, warum Opel sich dort befindet?

Weil sie neue Modelle herausgebracht haben. Denn nehmen wir die Zulassungszahlen vom Opel Mokka und vom Opel Adam zusammen, dann liegen die vor dem Opel Astra, der sich damals (auch als er noch Opel Kadett hieß) mit dem VW Golf um die Gunst der Kunden duellierte.

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Den Opel Adam hatten wir hier bereits kurz vorgestellt, jedoch möchte ich die Gunst der Stunde nutzen, erneut über das Fahrzeug zu schreiben. Denn während man bei den meist ein- bis zweitägigen Probefahrten der Fahrveranstaltungen in der Regel nicht den Alltag nachstellen kann, hatte ich dazu nun die Gelegenheit.

Unser Drive-Blog hat übrigens die komplette Range abgebildet: Neben dem normalen Opel Adam kann man sich hier auch über den Opel Adam Rocks und über den sportlichen Opel Adam S informieren.

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Gefahren bin ich nun aber zwei Wochen lang den Opel Adam mit dem 115 PS starken Benziner, keine ganz so schlechte Wahl, denn der macht schon Spaß, wenn man ihn mit Drehzahl bei Laune hält. Ich habe das Fahrzeug allerdings auch häufig in die Hände meiner Freundin gegeben und hier fließt auch ihr Urteil etwas ein.

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Bei der Motorisierung des Opel Adam kann man aus einer ganzen Reihe verschiedener Benzinmotoren und einem Gas-Antrieb auswählen, mit 5-Gang- oder 6-Gang-Handschaltung oder auch mit 5-Gang Easytronic.

Unter der Haube unseres Testwagens findet sich der 1.0 ECOTEC Direct Injection Turbo-Motor mit einer Leistung von 115 PS (85 kW) und einem maximalen Drehmoment von 170 Nm der bei 1.800 bis 4.500 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung steht. Der Opel wird über die Vorderachse angetrieben und geschaltet wird manuell über ein knackiges 6-Gang-Schaltgetriebe.

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Von 0 auf 100 km/h beschleunigt der Adam innerhalb von 9,9 Sekunden, der Vortrieb endet dann bei 196 km/h oder halt wenn der 35-Liter-Tank leer ist. Wenn man das Gaspedal streichelt, dann ist der Adam, der übrigens in Eisenach produziert wird, einigermaßen sparsam. Laut NEFZ sind es 5,1-4,9 Liter Super Benzin auf 100 km.

Laut JENS sind es 6,4-6,1 Liter, die man vermutlich im Alltag erreichen kann. Auf einer knapp 350 km langen Strecke, bei der ich versucht habe, so schnell wie nur möglich von A (Rüsselsheim) nach B (Bielefeld) zu kommen, habe ich allerdings den Tank geleert.

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Um auf der Autobahn auf der linken Seite den Platzhirsch zu machen, ist der Opel Adam nicht gebaut. Der gehört in die Stadt, eventuell auch noch auf die Landstraße. Das weiß man natürlich auch bei Opel und spendiert dem Adam deswegen eine leichtgängige Lenkung, die man per Knopfdruck auch noch mal in einen City-Modus versetzen, also noch leichtgängiger machen kann.

Dieses Feature fand meine Freundin besonders toll, denn das Einparken wurde damit zum Kinderspiel.

Ideales Auto für 2 Personen

Auch das macht den Adam zum idealen City-Flitzer für 2 Personen. Warum 2 Personen? Der Adam ist nicht besonders groß und man hat hinten nicht wahnsinnig viel Platz.

Hinzu kommt, dass auf den Rücksitzen das Anschnallen von Kindern nicht gerade einfach ist, allein weil man umständlich durch die vorderen Türen nach hinten greifen muss. Sitzen hinten zwei Erwachsene, dann drücken die entweder ihre Knie in die vorderen Rückenlehnen oder stoßen sich den Kopf am Dach bzw. an der C-Säule.

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Der Opel Adam ist 3,70 m lang, 1,48 m hoch und mit Außenspiegeln 1,97 Meter breit. Der Radstand beträgt 2.31 Meter. Bei einem Leergewicht inklusive Fahrer von 1.156 Kilogramm darf man noch 354 Kilogramm zuladen.

In den Kofferraum passen zu diesem Zweck bei umgeklappter Rücksitzbank und bis zum Dach beladen 663 Liter; wenn man ihn nur bis zur Gepäckraumabdeckung packt, sind es nur 170 Liter.

Der Kofferraum ist ein Albtraum

Man könnte ihn also eher als Kofferräumchen als als Kofferraum bezeichnen. Das optionale Infinity Sound System reduziert das Kofferraumvolumen sogar nochmal um 75 Liter, dann wird es schon mit den Getränkekisten eng, die man dann auch erst einmal über die 85 cm Ladeöffnung heben muss. Nutzt man den Adam sowieso nur als 2 Sitzer, dann kommt man mit dem Platzangebot aus.

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Was das Exterieur angeht, ist der Opel Adam das absolute Lifestyle-Fahrzeug. Beispielsweise Dach, Grillspange und Außenspiegel sind in verschiedenen Designs bestell- und kombinierbar. Verschiedenste Leichtmetallräder lassen sich mit Kontrast-Clips farblich gestalten.

Man hat unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten und auch beim Interieur sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, was Sitze, Dachhimmel, Dekorelemente und andere Akzente betrifft. Eventuell ist das auch einer der Gründe für den Erfolg, wobei mir persönlich dieses florale Muster dann doch eine Nummer zu viel gewesen wäre.

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Im Jahr 2014 haben sich in Deutschland über 22.000 Kunden für einen Opel Adam entschieden und von Opel selbst habe ich erfahren, dass der größte Teil der Adam-Käufer weiblich ist und das verwundert mich ganz und gar nicht. Ich schätze, das wird sich auch durch den Opel Adam Rocks und den Opel Adam S nur leicht verändern.

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Im optionalen Premium-Paket ist das LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten, eine Klimaautomatik, Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer und eine Lenkradheizung inbegriffen. Auf Wunsch bekommt man das Radio IntelliLink mit 7“-Touchscreen. Es ermöglicht die Verbindung mit mobilen Geräten wie zum Beispiel Smartphones oder Tablets und deren Nutzung und bietet eine Sprachsteuerung und eine Freisprecheinrichtung.

Auch eine Navigation ist (wenn man über ein Smartphone verfügt) möglich, diese kann aber nur in Verbindung mit der kostenpflichtigen BringGo Smartphone-App genutzt werden, was nicht jedem Kunden gefallen wird.

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Die Test-Version kostet einmalig 0,99 Euro, das Premium-Navigationssystem (auf Wunsch inklusive 3 Jahre lang Landkarten-Updates) muss man als In-App-Kauf für 50-70 Euro erwerben. Die Darstellung erfolgt über den Touchscreen und unter uns?

Die Bring-Go App ist nicht so der Bringer. Dann doch gegebenenfalls ein zweites Navi in die Windschutzscheibe hängen, bzw. das Smartphone. Ich würde es tun.

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Die Preisfrage?

Los geht es beim 115 PS-Adam ab 16.450 Euro in der Jam-Ausstattung, aber mit ein paar Extras kann man diesen Wert natürlich noch nach oben korrigieren. Das ist viel Geld für ein Kleinstfahrzeug mit kleinem Kofferraum.

Aber er hat auch seine Vorzüge: Er bietet Fahrer und Beifahrer viel Platz, verfügt über ein gutes Handling, die Sitze sind bequem, die Bedienungselemente lassen sich alle gut erreichen und viele finden ihn auch noch attraktiv.

Mit dem Opel Adam hat die Marke bewiesen, dass sie durchaus in der Lage ist – auch mit einem limitiertem Budget – gute Fahrzeuge zu entwickeln. Nun kommt es auf weitere Innovationen an, der nächste Opel Astra (der dann den Buchstaben K bekommt) muss zeigen, dass Opel die Kundenwünsche verstanden hat.

Wer etwas mehr Platz benötigt als im Opel Adam und etwas auf Lifestyle verzichten kann, der findet in diesem Jahr noch eine weitere Alternative zwischen Adam und Corsa, das wird der Opel Karl sein. Die Zukunft von Opel? Da müssen noch einige potenzielle Kunden „Umparken im Kopf“. Die Qualität, die Haptik und meiner Meinung nach auch die Optik hat sich verbessert.

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Der Opel Adam im Zielgruppen-Check

Opel Adam Kaufberatung für Singles / Paare: Sportlich unterwegs?

Empfehlung: Den Flex-Ride Fahrrad-Halter mitkonfigurieren! Denn dann wird aus dem kleinen Opel Adam sogar noch der Transporter für 2 Fahrräder / Mountainbikes / Rennräder und ist der Kofferraum auch noch so klein, die Wechselklamotten die passen da rein! Für euch ist auch die 115 PS Version genau richtig, denn die macht wirklich Spaß!

Opel Adam Kaufberatung für junge Familien mit 1 Kind: Funktioniert!

Ein Kinderwagen passt allerdings nicht mehr in den Kofferraum, eventuell ein kleiner Faltbuggy. Die Gurtlängen sind ausreichend lang, der Opel Adam verfügt hinten links und rechts über ISO-Fix-Halterungen. Allerdings gestaltet sich der Anschallvorgang, so lange es die Kinder noch nicht selber können, als Herausforderung.

Doch braucht ihr wirklich 115 PS? Die Frage müsst ihr euch selber beantworten, denn da gibt es ja durchaus günstigere Alternativen, auch beim Adam.

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Opel Adam Kaufberatung für junge Familien mit 2 Kindern: Vergesst es!

Der Kofferraum ist für zwei Kinder definitiv zu klein, vor allem wenn man noch einen Buggy mitnehmen muss. Sind die Kinder etwas größer und brauchen nur noch die Sitzerhöhungen, dann ist das kein Problem. Platz ist schließlich in der engsten Hütte, allerdings wird es dann schon etwas kuschelig auf der Rücksitzbank.

Opel Adam Kaufberatung für die Best Ager:

Der Opel Adam ist eher ein Lifestyle-Produkt für die jüngere Generation. Wenn, dann würde ich dem Opel Adam Rocks eine Empfehlung für die Generation 50+ aussprechen, denn hier sitzt man etwas höher und hat somit einen einfacheren Einstieg.

Ebenfalls negativ: Die hohe Ladekante, denn hier muss man wie oben schon gesagt, das Ladegut erst einmal 85 cm hoch anheben. Das ändert sich im Rocks natürlich auch nicht.

Meine Meinung:

Es ist für mich selbst inzwischen schon richtig erschreckend, wie alltagsnah ich die Fahrzeuge bei den Fahrveranstaltungen der Hersteller schon beurteilen kann. Denn alle Urteile, die ich vorab schon gefällt habe, passen und haben sich nun noch einmal bestätigt:

Der Opel Adam ist definitiv ein gutes Fahrzeug, aber (leider?) nicht für jeden Kunden. Es gibt Alternativen, auch bei Opel, aber – und das dürfte der Marke nun weniger gefallen – es gibt auch viele Alternativen bei den Mitbewerbern und das sieht man auch in der Zulassungsstatistik.

Ob der Opel Astra K und der neue Opel Karl neue Kunden gewinnen werden?

Wir werden es sehen! Nun ist der Opel Adam ja schon einige Zeit auf dem Markt, nun wird er natürlich auch schon als Jahreswagen interessant, so kann man dann auch noch mal eine ganze Menge Geld sparen.

Die Sitzheizung ist ein Traum, auch habe ich mich häufiger dabei erwischt, die Lenkradheizung zu aktivieren und das ist das Lieblingsfeature meiner Freundin gewesen: „Warum haben wir so etwas nicht in unserem Auto?“ – Tja, eine Lenkradheizung sucht man bei vielen anderen vergebens.

Was habe ich vermisst? Gurthöhenverstellung vorne und eine Beleuchtung hinten, die hätte man doch sicherlich auch noch unterbringen können, oder?

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Fotos: Alexander Schillack – Text: Jens Stratmann

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