Tesla Model S im R+V24-Test

Es war einfach überfällig, wir mussten doch auch ihn, das Tesla Model S, mal fahren!

Kurz die Daten

Als Leistung werden angegeben 85 kW, tatsächliche Höchstleistung unseres Testwagens 310 kW (421 PS), Drehmoment 600 Nm von 0-5.800 U/min, Höchstgeschwindigkeit 200 km/h.

Er verfügt über 5 Sitzplätze und einen brauchbaren Kofferraum, der ist allerdings bei Bedarf auch nutzbar für 2 Notsitzplätze für Kinder.

Der cW-Wert von 0,24 ist hervorragend, auf Grund der relativ großen Stirnfläche liegt die  Luftwiderstandsfläche bei 0,576 m².

Das Armaturenbrett wird dominiert von einem 17 Zoll Touchscreen in der Mitte, über den fast alle der Fahrzeugfunktionen gesteuert werden. Es gibt ansonsten zwei Knöpfe: Einen zum Öffnen des Handschuhfaches und einen zweiten für die Warnblinkanlage.

Die Reichweite beträgt bei realistischer Nutzung zwischen gut 300 km und 500 km. Die Schnellladung via 90-kW-Supercharger auf 80% dauert ca. 30 Minuten. Das Stromladen an den Tesla-Superchargern ist auf die gesamte Lebensdauer des Wagens kostenfrei.

Die Supercharger werden derzeit in ganz Europa aufgestellt, es besteht damit für Fernreisen ein tragfähiges Ladenetz, das es tatsächlich ermöglicht, größere Strecken mit angenehmen Pausenintervallen zurückzulegen.

Tesla Model S am Supercharger

Unser Testwagen kostet gut 100.000,00 €, haben dabei gute Ausstattungsmerkmale, von innen wie außen sieht er nach Oberklasse aus, elegant wie ein Porsche Panamera, Jaguar XJ oder Maserati Ghibli. Dazu paßt das Gewicht von ca. 2,1 Tonnen und die  Länge von 5 Metern, man ist also in einem ziemlich massigen Gefährt unterwegs.

Der Tesla S sollte einmal jährlich die Werkstatt zur Kontrolle von Bremsflüssigkeit etc. aufsuchen, ansonsten soll er wartungsfrei sein.

Der Tesla S kann die besten Crashtest-Ergebnisse vorweisen, die bisher bei einem Auto erzielt wurden; es heißt, bei einem der Tests sei er stabiler als die Testvorrichtung gewesen.

Der Tesla S ist in einigen Ländern ein Bestseller, in den USA verkauft er sich (obwohl der Verkauf in vielen Bundesstaaten noch untersagt ist) besser als 7er BMW, S-Klasse und Audi A8 zusammen. In den Ländern, wo E-Autos auch nur etwas staatlich gefördert werden, machen die europäischen (deutschen) Oberklasse-Wagen mit Verbrenner-Motoren keinen Stich mehr.

Dieser Tesla S ist schon etwas Besonderes, und so haben sich diesmal gleich drei Redaktionsmitglieder aufgemacht, dieses Über-Auto zu fahren und davon zu berichten – und auch wir waren auf die unterschiedlichen Berichte gespannt!

Tesla Model S

Andreas

Aussen: Eine sehr ansprechendes Design mit sanfter, eleganter Linienführung. Mein Highlight sind die versenkten Griffe, die bei Bedarf ausfahren.

Innen: Ein riesiges (17 Zoll), multifunktionales Display steckt im Armaturenbrett zwischen Fahrer und Beifahrer. Auf diesem Touchscreen kann so gut wie alles eingestellt werden. Nur die Warnblinkanlage hat noch einen eigenen Knopf. Dadurch wirkt der Innenraum sehr aufgeräumt und elegant.

Auffällig ist auch der fehlende Mitteltunnel. Da die Antriebskraft nicht von hinten nach vorne (oder umgekehrt) transportiert werden muss, fehlt hier die räumliche Trennung zwischen rechter und linker Seite. Auch das macht den Tesla S geräumiger. Durch das große Glasfenster wirkt auch die hintere Sitzbank geräumig. Bis circa 1,85 Meter reicht die Kopffreiheit.

Wer den Kofferraum sucht, kann sich freuen, denn es gibt gleich zwei! Vorne und hinten kann Gepäck untergebracht werden. Ich habe das Volumen nicht gemessen, aber ich schätze, dass der Platz für das Gepäck von zwei Personen ausreicht. Eine Option, die mir sehr gefallen hat, ist die dritte Sitzreihe. Dort können zusätzlich zwei Kinder entgegen der Fahrtrichtung Platz nehmen.

Tesla Model S - 17 Zoll großes Multifunktionsdisplay

Fahren: Was mich beim Fahren mit einem Elektroauto immer fasziniert, trifft im Besonderen auch auf den Tesla zu: Fast lautloses Gleiten durch den Verkehr mit einem vom Start weg zur Verfügung stehenden Drehmoment und einer unterbrechungsfreien Beschleunigung. Und die Beschleunigung ist beim Tesla S eindrucksvoll vorhanden.

Der von mir gefahrene Tesla S 85 braucht nur 5,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Es ginge allerdings auch noch schneller. Das Modell P85D mit zwei Motoren benötigt für denselben Sprint nur noch 3,4 Sekunden. In der Praxis ist das wohl nicht ganz so wichtig, denn die wenigsten von uns werden an jeder Ampel voll beschleunigen wollen bzw. dürfen.

Wichtiger ist da schon die Frage, wie schnell man einen Überhohlvorgang abschließen kann und dies geht wunderbar.

Der Testwagen war bei 210 km/h abgeriegelt, was in Deutschland nicht unbedingt nötig wäre, im Rest der Welt aber sicherlich niemanden stört.

Fazit: Ein tolles Auto mit ansprechendem Design, jeder Menge technischer Raffinessen, einem sehr angenehmen Antrieb und einem hohen Preis.

Tesla Model S

Matthias

Für mich das konsequenteste Elektroauto, das ich gefahren bin. Natürlich ist die Beschleunigung der Hammer, ich war geradezu erschrocken von der Power. Dazu kommt die hervorragende Reichweite, absolut tauglich für den Alltag.

Zur Bedienung reicht der riesige Touchscreen in der Mittelkonsole. Es gibt nur noch Knöpfe für Verstellung der Außenspiegel, Warnblinker und natürlich die üblichen Verdächtigen am Lenkrad (Scheibenwischer, Blinker, Tempomat, Fahrmodus), konsequent eben.

Das Betriebssystem erfährt regelmäßig Updates die eine echte Weiterentwicklung des Autos versprechen, kostenlos. Genauso kostenlos lässt sich an den Supercharger-Stationen innerhalb von 20 Minuten 50% des Akkus aufladen, ebenso alltagstauglich.

Leider ist der Preis für mich nicht alltagstauglich, somit bleibt dieses Auto wohl leider ein Traum für mich.

Friedrich

Ein Elektro-Auto mit einem mehrfachen an Kraft zu dem, was mich bislang schon an Elektrokraft bei den bisherigen Testwagen beeindruckte: Da war ich doch sehr gespannt, wie sich so ein bärenstarkes Gefährt bewegen lässt:

Einsteigen und: Oberklasse fühlen – vielleicht nicht ganz so gediegen wie in einem 7er oder einer S-Klasse, aber schon sehr gut – mehr braucht ehrlich kein Mensch:

Sehr gute Sitze, ein großer Innenraum vorne wie hinten, am meisten beeindruckt aber der vorne in der Mitte platzierte 17 Zoll-Touch-Screen – früher im Studium hatten die wenigsten von uns einen Fernseher, der so groß war.

Die Funktionen des Wagens werden – neben den üblichen Hebeleien am Lenkrad – im Wesentlichen über diesen Touchscreen gesteuert. Die ständige Verbindung zum Internet geht so weit, dass stets die auch unter Ladeerfordernissen günstigste Route ausgewählt wird.

Softwareupdates werden online überspielt, Ende des Jahres soll ein Update kommen, das die komplett autonome Fahrt des Wagens ermöglicht; diese Funktion muss in Deutschland bis auf Weiteres deaktiviert bleiben.

Vor 2 Jahren konnte man auf der IAA schon mehrere Fahrzeuge sehen, die selbständig auf einem Parkplatz eine passende Lücke fanden und dort einparkten, und auf Knopfdruck wieder zurückkamen. So überzeugend, wie der Rest des Wagens funktioniert, kann ich mir auch das vollautonome Fahren ohne manuelle Eingriffe durch den Fahrer sehr gut vorstellen.

Tesla Model S

Losfahren: viele Pferdestärken mit heftigem Drehmoment… also ruhig Blut! Im Stadtverkehr schwimmt man langsam mit, wunderbar leise, gut gefedert, trotzdem immer auf dem Sprung.

Immer auf dem Sprung… tatsächlich, sobald man die Stadt verlassen hat und das Fahrpedal intensiver bearbeiten kann, dann geht die Post ab – ohne jeden Krawall in einem vorne oder hinten liegenden Motorraum, sondern einfach surrend.

Und man springt an allem vorbei, was in der Nähe ist. Beeindruckend gleichermaßen für Fahrer, Passagiere und die Umgebung. Ab 140, 150 km/h treten Windgeräusche auf, das kann die Oberklasse-Konkurrenz aus Deutschland besser – immerhin das.

Das Auto ist beeindruckend. Ganz beeindruckend, der „Will auch haben-Modus“ wird umgehend aktiviert!

Dann wird das Hirn eingeschaltet: Dieses Auto braucht doch wirklich kein Mensch! Zu schwer, zu schnell, zu stark, zu aufwendig.

Doch sofort widerspricht das Alter Ego: Das Auto ist unendlich wichtig für die E-Mobilität an sich. Es ist amerikanisch, die Idee dahinter ist ganz einfach: Wir machen das jetzt mal, nehmen viel Geld in die Hand und bauen nicht nur große Autos, sondern auch direkt die große Infrastruktur dazu auf  – think big!

Ein Leuchtturm für die Elektromobilität: Überlegene Fahrleistungen, überlegener Komfort und ganz wichtig: überlegene Reichweite! Hieran wird sich die Konkurrenz in den nächsten Jahren messen lassen müssen.

Und wenn Tesla ein solches Paket in ein, zwei Klassen kleiner und damit bezahlbarer in gleicher Qualität abliefert, werden die Zulassungszahlen weiter explodieren können – vielleicht schaffen wir dann doch bis 2020 die Million…

Tesla Model S

Resümee

Das ist eine echte Kampfansage an alles, was sich Premium nennt, die Zulassungszahlen in anderen Ländern sprechen eine klare Sprache, Beispiel Schweiz in Wikipedia:

2014 wurden in der Schweiz und in Liechtenstein 496 Tesla Model S neu zugelassen, im gleichen Zeitraum 678 Mercedes-Benz S-Klasse, 199 Porsche Panamera, 158 Audi A8, 132 BMW 7er und 6 VW Phaeton.“(Anm. des Verfassers: Das heißt mehr Teslas S als Panamera, A8, 7er und Phaeton zusammen – und das ohne Subventionen.)

Man bekommt eine klarere Vorstellung, wie Autos in einigen Jahren aussehen könnten – und wie gerade Märkte neu verteilt werden.

Das nächstkleinere Modell steht vor der Tür, Model X surrt heran.

Wir bleiben unter Spannung!

Tags:

Das könnte Sie auch interessieren: